Naturschutzgebiet
Gefahr für den Feuersalamander: BUND fordert sofortigen Stopp der Bohrungen in Breckenheim
Nachdem die Naturschutzinitiative Breckenheim diese Woche einen ersten Etappensieg über die sechsmonatige Verzögerung des Amprion-Abschnitts Hessen 6 erzielt hat, erhöht nun der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland den Druck massiv. Der Umweltverband fordert den sofortigen Stopp aller laufenden Sondierungsbohrungen am Naturschutzgebiet Prügelwiesen. Weil Amprion bis zu 30 Meter tief in die empfindlichen Grundwasserschichten bohrt, sieht der BUND den Lebensraum des seltenen Feuersalamanders akut bedroht. Gegen die Untere Naturschutzbehörde Wiesbaden wurde bereits Anzeige erstattet, weitere juristische Schritte stehen im Raum.
Archivfoto: Daniel Becker
Die Auseinandersetzung um den Trassenverlauf des Megaprojekts „Rhein-Main-Link“ im Wiesbadener Osten spitzt sich weiter zu. Nachdem die Bundesnetzagentur dem Übertragungsnetzbetreiber Amprion erst kürzlich einen Aufschub von mindestens sechs Monaten verordnet hat, um die wasserführenden Schutzgüter vorab genauer zu untersuchen, schlägt nun der Landesverband Hessen des BUND mit aller Härte Alarm. Die aktuell laufenden Sondierungsbohrungen im direkten Umfeld des Naturschutzgebiets Prügelwiesen in Breckenheim müssten mit sofortiger Wirkung gestoppt werden.
Der Verband warnt eindringlich vor irreparablen Schäden für das europaweit bedeutsame Kalkflachmoor und die dortige Pfingstbornquelle. Diese unterirdisch gespeisten Gewässer bilden den überlebenswichtigen Lebensraum für die dort heimischen, streng geschützten Feuersalamander.
Tiefenbohrungen bedrohen Quellen – Angst vor Erdfällen
Trotz der bekannten Sensibilität führt Amprion in dem Areal Probe- und Sondierungsbohrungen in Tiefen von zehn bis zu 30 Metern durch. Nach Einschätzung von Hydrogeologen und Umweltschützern gleicht das einem Spiel mit dem Feuer: Es bestehe das massive Risiko, dass unterirdische Grundwasserleiter durchstoßen werden, Wasserströme unkontrolliert abreißen und Quellen versiegen.
Zudem verweist der BUND auf besorgniserregende Vorfälle bei ähnlichen Großprojekten wie dem Süd-Link: Dort sei es bei vergleichbaren Baugrundbohrungen wiederholt zu gefährlichen Bentonitaustritten und Erdfällen gekommen. Obendrein werde für die Kontrollen der Bohrungen das strikte Betretungsverbot der geschützten Moor- und Quellflächen schlichtweg missachtet.
Anzeige gegen Untere Naturschutzbehörde erstattet
Gemeinsam mit der Naturschutzinitiative (NI) Breckenheim und unterstützt von über 3.800 Bürger-Unterschriften kämpft der BUND seit Monaten für eine Alternativtrasse westlich von Breckenheim entlang der Autobahn A3, die das Quellgebiet vollständig umgehen würde. Doch während der Breckenheimer Ortsbeirat die Stadt Wiesbaden am 12. August offiziell aufforderte, das Gebiet vor den Bohrungen zu schützen, blieben Verwaltungsschritte bisher aus.
Aus diesem Grund zog der BUND Ende August die Reißleine: Der Verband erstattete beim Regierungspräsidium Darmstadt offizielle Anzeige gegen die Untere Naturschutzbehörde Wiesbaden wegen eines mutmaßlichen Verstoßes gegen das Bundesnaturschutzgesetz. Da auch hierauf bislang keine Klärung erfolgte, drohen die Naturschützer nun mit dem Klageweg.
„Wir haben bisher nicht erlebt, dass Behörden solch hohe offensichtliche Gefährdungen der Natur genehmigen und mit Untätigkeit glänzen. Netzagentur und Amprion haben sich als völlig unbeweglich dargestellt. Da bleiben uns gegebenenfalls nur noch juristische Schritte übrig“, stellt Gabriela Terhorst, stellvertretende Vorsitzende des BUND Hessen, klar.
Kritik an überdimensionierter Milliarden-Planung
Neben den konkreten Eingriffen in Breckenheim stellt der Umweltverband das Gesamtkonzept des Rhein-Main-Links grundlegend infrage. BUND-Energiespezialist Dr. Werner Neumann kritisiert, dass Amprion selbst einräumen musste, künftig voraussichtlich nur die Hälfte der geplanten Leerrohre mit Kabeln belegen zu können, da der Windstrom aus der Nordsee für eine Vollauslastung fehle.
Statt der geplanten 400 Milliarden Euro teuren Netzausbau-Offensive verlangt der BUND dezentrale Lösungen und den bedingungslosen Schutz ökologischer Kernzonen: Bei jeder Neu- und Umplanung müssten empfindliche Naturräume – wie die Kaltluft- und Wasseroase in Breckenheim – unantastbar bleiben.
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