Stromtrasse-Projekt

Rhein-Main-Link ausgebremst: Bundesnetzagentur stoppt Amprion-Pläne bei Breckenheim um mindestens sechs Monate

Deutlicher Dämpfer für den Übertragungsnetzbetreiber Amprion und ein handfester Teilerfolg für den lokalen Naturschutz in Wiesbaden-Breckenheim. Die Einreichung der Planfeststellungsunterlagen für den Abschnitt Hessen 6 des Megaprojekts Rhein-Main-Link verzögert sich um mindestens ein halbes Jahr. Nach massivem Protest der Naturschutzinitiative Breckenheim und politischem Druck stellte die Bundesnetzagentur klar. Sensible Wasser- und Schutzgebiete wie die Schmalwiesen und das Naturschutzgebiet Prügelwiesen müssen zwingend vorab untersucht werden. Zudem liegt eine konkrete Alternativtrasse auf dem Tisch.

Von: |Erschienen am: 17. September 2026 20:41|

Foto: IPA/Tobias Meinhardt

Bedeutender Etappensieg für die Naturschützer und Kommunalpolitiker im Wiesbadener Osten. Das Genehmigungsverfahren für den Abschnitt Hessen 6 des Stromtrassenprojekts „Rhein-Main-Link“ gerät ins Stocken. Wie die Bundesnetzagentur (BNetzA) der Naturschutzinitiative (NI) Breckenheim offiziell mitgeteilt hat, verschiebt sich die Einreichung der Planunterlagen nach § 21 NABEG um mindestens sechs Monate.

Hintergrund des behördlichen Stoppsignals sind gravierende Lücken in der Vorbereitung: Nach derzeitigem Kenntnisstand beabsichtigte die Vorhabenträgerin Amprion GmbH, in das förmliche Planfeststellungsverfahren einzutreten, ohne zuvor die realen Auswirkungen der Erdkabeltrasse auf die hochsensiblen wasserführenden Schutzgüter im Raum Breckenheim ausreichend ermittelt zu haben.

Mängel bei Vorab-Prüfung: Bundesnetzagentur pfeift Amprion zurück

Konkret geht es um ökologisch wertvolle Areale: das Naturschutzgebiet Prügelwiesen, die historische Pfingstbornquelle sowie das Feuchtbiotop Schmalwiesen. Ursprünglich plante Amprion, die bereits genehmigten Untersuchungen dieser Schutzgüter erst im Nachgang nach Einreichung der Unterlagen durchzuführen – wodurch die Ergebnisse für den eigentlichen Trassenverlauf keinerlei Steuerungswirkung mehr entfaltet hätten.

Die Wende brachte ein Vor-Ort-Termin im Juni 2026, der durch die Vermittlung des zuständigen Wiesbadens Bundestagsabgeordneten Dr. Stefan Korbach (CDU) zustande kam. Gemeinsam mit Breckenheims Ortsvorsteher Manuel Köhler (CDU) und Vertretern der NI nahmen Experten der Bundesnetzagentur die Gegebenheiten östlich der Autobahn A3 unter die Lupe. Mit Erfolg: Die BNetzA wies Amprion unmissverständlich an, die Prüfungen zwingend vor Einreichung der Dokumente abzuschließen.

Forderung nach Alternativtrasse entlang der A3

Die Naturschutzinitiative und Ortsvorsteher Köhler drängen auf eine grundlegende Trassenverlegung. Vorgeschlagen wird eine Alternativroute, die vollständig auf Breckenheimer Gemarkung verbleibt:

  • Trassenbündelung: Die vier Systeme des Rhein-Main-Links sollen über eine längere Distanz direkt mit der bestehenden Trasse VT West (Abschnitt Hessen 5) parallel zur Autobahn A3 gebündelt werden.

  • Vollständige Umgehung: Durch diese Variante würden das NSG Prügelwiesen, die Pfingstbornquelle und die Schmalwiesen komplett verschont.

Die Ausarbeitung liegt seit Mitte August 2026 dem Stadtplanungsamt der Landeshauptstadt Wiesbaden vor, das derzeit prüft, ob die Stadt sich der Breckenheimer Trassenforderung offiziell anschließt.

Lehre aus dem Hitzesommer 2026 – Wasserreserven sicherten Löscharbeiten

Dass der Erhalt dieser Wasserbiotope überlebenswichtig für das Mikroklima und den Brandschutz ist, verdeutlichte der jüngste Hitzesommer. Bei einem Vegetationsbrand am Breckenheimer Ortsrand am 13. August diesen Jahres konnte ein Übergreifen der Flammen auf den Wald nur knapp verhindert werden: Nach Angaben der Freiwilligen Feuerwehr stand dafür entscheidendes Löschwasser aus dem historischen Trinkwasserreservoir im Gebiet Schmalwiesen zur Verfügung – eben jener Infrastruktur, die durch die bisherige Amprion-Planung massiv bedroht wäre.

Die NI Breckenheim kündigte an, das nun verlängerte Verfahren weiterhin kritisch und mit Nachdruck zu begleiten.

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