Fundamentlegung

Neuer Batteriespeicher soll Stromnetz in Mainz und Wiesbaden stärken

Mit einem Großbatteriespeicher auf der Ingelheimer Aue investieren die Kraftwerke Mainz-Wiesbaden (KMW), die Mainzer Stadtwerke und ESWE Versorgung in die nächste Stufe der Energiewende. Die Anlage soll überschüssigen Strom aus erneuerbaren Energien speichern und bei Bedarf innerhalb von Sekunden wieder ins Netz einspeisen.

Von: |Erschienen am: 23. Oktober 2026 21:34|

Fotos: KMW AG (1) Lukas Faust (2) pixelpublic

Auf der Ingelheimer Aue entsteht ein weiterer wichtiger Baustein für die Energiewende in der Region. Die Kraftwerke Mainz-Wiesbaden AG (KMW), die Mainzer Stadtwerke AG und die ESWE Versorgungs AG haben am Freitag symbolisch den Grundstein für einen Batteriespeicher mit einer Kapazität von 60 Megawattstunden gelegt. Die Inbetriebnahme der Anlage ist für Ende März 2027 vorgesehen.

Mit dem Projekt setzt die KMW ihren Wandel vom klassischen Kraftwerksbetreiber hin zu einem modernen Energie- und Infrastrukturanbieter fort. Der Batteriespeicher soll vor allem dazu beitragen, Schwankungen im Stromnetz auszugleichen und die Integration erneuerbarer Energien zu erleichtern.

„Die Ingelheimer Aue ist seit 95 Jahren das energiepolitische Herz unserer Stadt“, sagte Mainzer Oberbürgermeister und KMW-Aufsichtsratsvorsitzender Nino Haase. Der Batteriespeicher sei ein weiterer Baustein der Dekarbonisierungsstrategie und stärke zugleich die wirtschaftliche Basis des Unternehmens.

Speicher reagiert in Sekundenbruchteilen

Die Anlage wird über eine Speicherkapazität von 60 Megawattstunden und eine Leistung von 22 Megawatt verfügen. Rechnerisch entspricht dies dem täglichen Strombedarf von mehr als 6.000 Haushalten oder rund 1.000 Ladevorgängen von Elektrofahrzeugen.

Anders als häufig angenommen dient der Speicher nicht als Notstromversorgung. Seine Aufgabe besteht vielmehr darin, überschüssig erzeugten Strom aufzunehmen und bei Bedarf wieder ins Netz einzuspeisen. Darüber hinaus kann die Anlage zur Stabilisierung der Netzfrequenz beitragen.

„Die besondere Stärke des Batteriespeichers ist seine Geschwindigkeit“, erläuterte Projektleiter Jacob Buhmann. Das System könne innerhalb von Sekundenbruchteilen auf Veränderungen im Stromnetz reagieren und werde damit zu einem wichtigen Bestandteil eines zunehmend von Wind- und Solarenergie geprägten Energiesystems.

Weitere Investitionen geplant

Für die Mainzer Stadtwerke ist das Vorhaben Teil einer langfristigen Ausbaustrategie. Vorstand Daniel Gahr bezeichnete Batteriespeicher als Schlüsseltechnologie der Energiewende. Das Projekt vereine Versorgungssicherheit, Flexibilität und Wirtschaftlichkeit. Zudem kündigte er den Bau eines weiteren Speichers im Mainzer Stadtgebiet an. Dieser soll über eine Leistung von 15 Megawatt und eine Kapazität von 62 Megawattstunden verfügen.

Gebaut wird die Anlage auf dem Gelände der KMW von der INTILION GmbH aus Paderborn, die Planung, Installation und Inbetriebnahme übernimmt. Das Fundament errichtet die K&R Tiefbau GmbH aus Zornheim. Zum Einsatz kommen Lithium-Ionen-Batterien.

Mainz und Wiesbaden verfolgen gemeinsames Ziel

Die Bedeutung des Projekts unterstrich auch Wiesbadens Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende. Nach dem Spatenstich für einen Batteriespeicher in Wiesbaden im September werde nun auch in Mainz ein wichtiger Schritt vollzogen. „Zwei Städte, ein Ziel: eine Energieversorgung, auf die sich die Menschen verlassen können“, sagte Mende.

Auch ESWE Versorgung beteiligt sich an beiden Vorhaben. „Das macht das Netz auf beiden Rheinseiten stabiler“, betonte Vorstandsvorsitzender Jörg Höhler. Während die gemeinsame Anlage auf der Ingelheimer Aue 60 Megawattstunden speichern kann, entsteht in Wiesbaden zusätzlich ein Batteriespeicher der ESWE BioEnergie mit 30 Megawattstunden Kapazität und einer Leistung von elf Megawatt. Der Baustart dafür erfolgte bereits im September dieses Jahres.

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