Umweltschutz

Wiesbadener Naturschutzbeirat: Widerstand gegen den Max-Planck-Park in Delkenheim

Ein neues Gewerbegebiet im Wiesbadener Osten soll wirtschaftliche Impulse bringen, doch die Pläne für den „Max-Planck-Park“ in Delkenheim stoßen auf massiven Gegenwind. Experten warnen vor dramatischen Folgen für das lokale Klima und sensible Tierwelten.

Von: |Erschienen am: 29. September 2026 11:04|

Fotos: privat

Der aktuelle Entwurf für den Wiesbadener Flächennutzungsplan sieht die Schaffung eines neuen Gewerbegebiets namens „Max-Planck-Park“ im Stadtteil Delkenheim vor. Dieses Vorhaben stößt beim örtlichen Naturschutzbeirat auf deutliche Ablehnung.

Das Gremium befürchtet erhebliche negative Auswirkungen durch das geplante Bauprojekt. Davon seien nicht nur das mikroklimatische Gefüge vor Ort betroffen, sondern ebenso die überaus empfindlichen ökologischen Zonen rund um die ansässige Kiesgrube sowie das Feuchtgebiet Ochsenwiesen.

Frischluftzufuhr in Gefahr

Besondere Sorgen bereitet den Mitgliedern des Beirats die schiere Größe der zur Bebauung vorgesehenen Fläche von etwa 60 Hektar. Dieses Areal fungiere maßgeblich als ausgeprägtes Kaltluftentstehungsgebiet, was gerade während der Sommermonate eine immense Bedeutung für die Orte Delkenheim, Hochheim und Kostheim besitze.

Sollte diese wichtige Zufuhr an kühlenden Luftmassen durch eine Bebauung eingeschränkt werden, sehen die Experten direkte Risiken für das Wohlergehen und die Gesundheit der lokalen Bevölkerung. Gerade angesichts des fortschreitenden Klimawandels und der steigenden Zahl extremer Hitzetage sei eine solche Entwicklung höchst bedenklich.

Lebensraum für Zugvögel

Auch die geplanten verkehrstechnischen Anbindungen des Areals stoßen bei den im Beirat organisierten Verbänden und Fachleuten auf Unverständnis, da die Erschließungsstraßen nicht mit den Zielen des Naturschutzes vereinbar seien. Das Gebiet um die Kiesgrube besitze einen herausragenden ökologischen Wert.

Diese Flächen dienen zahlreichen Wasser- und Zugvögeln als essenzielle Ruhe- und Rastplätze. Unter anderem machen hier Enten, Gänse und Kraniche auf ihrer Reise in die südlichen Überwinterungsgebiete Halt, während weitere Tierarten die umliegenden Ackerflächen in der kalten Jahreszeit als Äsungsflächen nutzen.

Massive Zerstörung von Biotopen

Ein weiterer zentraler Kritikpunkt ist die vorgesehene Trassenführung direkt durch ein bestehendes Feuchtbiotop sowie die Schilfzonen im Bereich des Nordenstadter Grabens. Für den Naturschutzbeirat ist eine solche Durchschneidung der Landschaft durch eine Erschließungsstraße absolut inakzeptabel.

Die Vertreter des Gremiums sind sich einhellig darüber einig, dass Bauarbeiten in diesem Bereich den sensiblen Naturraum nicht bloß nachhaltig beeinträchtigen, sondern komplett zerstören würden.

Schutz von wertvollen Tabuflächen

In Bezug auf den Umgang mit diesen Arealen verweist das Gremium auf klare gesetzliche Regelungen. „Wir betrachten diese für Wiesbaden und die Region bedeutenden Biotope als „Tabuflächen“, die auch nach dem Naturschutzgesetz weder beeinträchtigt noch zerstört werden dürfen“, betont der Vorsitzende des Naturschutzbeirates.

Der Beirat unterstreicht, dass solche wertvollen Naturgüter auf keinen Fall gegen wirtschaftliche Interessen abgewogen werden dürfen. Aus diesem Grund kündigt der Zusammenschluss an, die weiteren Planungsschritte genauestens im Auge zu behalten und die Entwicklung mit kritischem Blick zu begleiten.

Aufklärung der Öffentlichkeit

Ein zentrales Anliegen der Naturschützer ist es nun, sowohl die politischen Entscheidungsträger als auch die Zivilgesellschaft umfassend über die drohende ökologische Problematik zu informieren. Diese wichtige Informationsarbeit möchte der Beirat gemeinsam mit all seinen Mitgliedern aktiv unterstützen.

Zu den grundsätzlichen Aufgaben des Wiesbadener Naturschutzbeirates gehört es, die lokalen Naturschutzbehörden gemäß dem Hessischen Naturschutzgesetz in allen relevanten Belangen beratend und unterstützend zur Seite zu stehen, so auch jetzt beim Gewerbegebiet Delkenheim.

Hintergrund und Kontakt

Diese beratende Funktion des Gremiums greift insbesondere bei der Vorbereitung von Planungen, Planfeststellungen sowie bei der Ausarbeitung von Satzungen und Rechtsverordnungen von Bauprojekten. Das Expertenteam für Naturschutz setzt sich dabei aus Repräsentanten offiziell anerkannter Naturschutzorganisationen sowie aus berufenen, fachkundigen Bürgern zusammen.

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Geplantes Gewerbegebiet im Kaltluftentstehungsgebiet