Stadtentwicklung
Weichenstellung für die Zukunft: Wiesbaden startet Mammut-Projekt Flächennutzungsplan 2040 – Bürger dürfen mitreden
Wie wird sich die hessische Landeshauptstadt in den kommenden 15 bis 20 Jahren entwickeln? Wo entstehen neue Wohngebiete, wo dringend benötigte Gewerbeflächen und wie wappnet sich die Stadt gegen den Klimawandel? Der Magistrat hat jetzt die politischen Beratungen zum Vorentwurf des neuen Flächennutzungsplans 2040 offiziell eingeleitet. Das zentrale, planungsrechtliche Steuerungsinstrument soll das Stadt- und Landschaftsbild zukunftsweisend formen. In den nächsten Wochen wandert das Regelwerk durch alle 26 Wiesbadener Ortsbeiräte, bevor im Herbst die Stadtverordneten am Zug sind – und schließlich die Bürgerinnen und Bürger aktiv eingreifen können.
Symbolfoto
Der Magistrat der Landeshauptstadt hat die Beratungen zum Vorentwurf des Flächennutzungsplans ( FNP) 2040 auf den Weg gebracht. Damit startet ein zentrales Verfahren für die zukünftige räumliche Entwicklung der Stadt. In den kommenden Wochen wird der Vorentwurf zunächst in die 26 Ortsbeiräte eingebracht. Im September sollen die Planungen den Stadtverordneten zur Beratung und Beschlussfassung vorgelegt werden.
Es ist ein planerischer Balanceakt von enormer Tragweite. Bei der Neuaufstellung des FNP 2040 müssen die akuten Bedarfe der städtischen Siedlungsentwicklung penibel mit den harten Anforderungen des Natur- und Umweltschutzes abgewogen werden.
Wiesbadens Oberbürgermeister und Sportdezernent Gert-Uwe Mende (SPD) unterstreicht die fundamentale Bedeutung des Mammut-Projekts: „Mit dem Vorentwurf haben wir einen wichtigen Schritt in der Neuaufstellung des Flächennutzungsplans erreicht. Der Flächennutzungsplan gibt uns die Chance, die Entwicklung unserer Stadt so zu steuern, dass wir zukünftig ausreichend Wohn- und Arbeitsstätten bereitstellen können und gleichzeitig adäquat auf den Klimawandel reagieren, den Naturhaushalt schonen und unser Stadt- und Landschaftsbild bewahren.“
Fundament aus Studien – 26 Ortsbeiräte redeten bereits mit
Der jetzt vorgelegte Vorentwurf ist kein theoretisches Konstrukt vom grünen Tisch. Als wichtige Vorstufe wurde bereits im vergangenen Jahr der sogenannte „Fachbeitrag Siedlungsentwicklung“ auf den Weg gebracht. Dieser hatte die wesentlichen Bauflächenpotenziale im gesamten Stadtgebiet identifiziert und wurde intensiv in allen 26 Ortsbeiräten diskutiert. Experten des Stadtplanungsamtes und des Umweltamtes standen den lokalen Gremien in den Sitzungen gemeinsam Rede und Antwort. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse und Bürgermeinungen sind direkt in die aktuelle Fassung eingeflossen.
Als weitere wissenschaftliche und strategische Meilensteine dienten den Planern hochkarätige Grundlagenwerke wie das Integrierte Stadtentwicklungskonzept Wiesbaden 2030+, die umfassende gesamtstädtische Klimastudie, das Gewerbeflächenentwicklungskonzept sowie der Masterplan Gesundheitswirtschaft.
Solarparks und Erdbeckenwärmespeicher – Neue Öko-Maßstäbe
Der Vorentwurf für das Jahr 2040 setzt völlig neue, grüne Maßstäbe für eine nachhaltige, gesamtheitliche Stadtentwicklung. Um der globalen Erwärmung direkt vor der eigenen Haustür zu begegnen, enthält der Plan völlig neue Darstellungsformen. Erstmals werden explizit Flächen ausgewiesen, die eine zu schützende oder dringend zu sanierende Klimafunktion besitzen.
Auch die Energiewende wird räumlich verankert: Der FNP 2040 sichert feste Areale für moderne Freiflächen-Photovoltaikanlagen sowie innovative Erdbeckenwärmespeicher für eine nachhaltige Energieversorgung. Gleichzeitig wird dem Landschaftsschutz Rechnung getragen: Spezielle Maßnahmenflächen sollen dafür sorgen, dass die hochwertigen Wiesbadener Ortsränder optisch und ökologisch erhalten und schonend weiterentwickelt werden.
Konflikt mit Darmstadt – Wiesbaden pocht auf Selbstbestimmung
Hinter den Kulissen dient der städtische Vorentwurf auch als wichtiges klares Signal in Richtung des Regierungspräsidiums Darmstadt. Wiesbaden nutzt den Plan, um seine eigenen Interessen selbstbewusst in den laufenden Neuaufstellungsprozess des Regionalplans Südhessen einzubringen. Das Ziel: Die übergeordneten Festlegungen der Regionalversammlung Südhessen müssen dringend mit den tatsächlichen Entwicklungsabsichten der Landeshauptstadt harmonieren.
Bislang hakt es an entscheidenden Stellen. Wichtige lokale Flächenpotenziale, wie die geplante und für die Wirtschaft essenzielle Erweiterung des Max-Planck-Parks im Stadtteil Delkenheim, wurden im aktuellen Regionalplan-Entwurf schlichtweg überhaupt nicht berücksichtigt. Auch bei der Versorgung mit bezahlbarem Wohnraum und den harten Flächenbedarfen für die Energiewende sieht die Stadt auf regionaler Ebene erheblichen Nachbesserungsbedarf. Bereits im Dezember 2025 hatte Wiesbaden eine erste gesamtstädtische Stellungnahme in Darmstadt eingereicht.
OB Mende appelliert daher eindringlich: „Wir müssen unsere Belange gegenüber der Regionalplanung weiterhin deutlich zum Ausdruck bringen, um als Landeshauptstadt selbstbestimmt unsere Flächenentwicklung zu gestalten. Der Vorentwurf unseres Flächennutzungsplans ist dafür eine gute Grundlage.“
Der Fahrplan – Wann dürfen die Wiesbadener mitentscheiden?
Das gigantische Dokumentenpaket besteht im Kern aus der klassischen Planzeichnung, einer ausführlichen Begründung, dem gesetzlichen Umweltbericht sowie einem landschaftsplanerischen Integrationsbeitrag. Der zeitliche Ablauf für das Jahr 2026 steht bereits fest:
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Bis Ende September 2026: Intensive Beratungen in den Ortsbeiräten und finale Beschlussfassung durch die Stadtverordnetenversammlung.
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Ab Oktober 2026 (im Anschluss an die Politik): Start der großen Phase der Bürgerbeteiligung. Die Stadt wird umfassende Informationsveranstaltungen für alle Einwohner anbieten.
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Öffentliche Auslegung: Alle Unterlagen zur Flächennutzungsplanung 2040 werden öffentlich ausgelegt. In diesem Zeitraum hat jeder Wiesbadener die Gelegenheit, den Vorentwurf detailliert zu sichten, offizielle Stellungnahmen abzugeben und sich aktiv mit eigenen Ideen in die Zukunft seiner Heimatstadt einzubringen.
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InfoBox
Das Großprojekt kompakt auf einen Blick:
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Was: Start der politischen Beratungen zum Vorentwurf des Flächennutzungsplans (FNP) 2040.
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Inhalt: Steuerung von Wohnraum, Gewerbe (z.B. Max-Planck-Park Delkenheim) und Klimaanpassung (Solarparks, Wärmespeicher) für die nächsten 15 bis 20 Jahre.
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Nächste Schritte: Einbringung in alle 26 Ortsbeiräte; Beschluss der Stadtverordneten im September 2026.
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Bürgerrechte: Nach den Sommerferien und den politischen Debatten folgt die öffentliche Auslegung mit Informationsabenden und der Möglichkeit zur aktiven Abgabe von Stellungnahmen.


