Bilanz

Der Rhein-Main-Verkehrsverbund im Wandel – Mehr Fahrgäste, mehr Baustellen, mehr Zukunft

2025 verzeichnet der RMV einen neuen Fahrgastrekord und treibt gleichzeitig Infrastruktur, Fahrzeugflotte und Digitalisierung voran. Trotz wachsender Nachfrage bleibt die Betriebsqualität herausfordernd – und eine umfassende Tarifstrukturreform rückt näher.

Von: |Erschienen am: 20. Januar 2026 23:16|

Archivfoto

Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) blickt auf ein Jahr mit historischen Fahrgastzahlen zurück: 839 Millionen Menschen nutzten 2025 Busse und Bahnen im Verbundgebiet – so viele wie nie zuvor. Für RMV-Geschäftsführer Prof. Knut Ringat ist das ein deutliches Signal: „Die Region wächst, und damit steigt die Bedeutung eines attraktiven ÖPNV. Entscheidend sind der Ausbau der Schieneninfrastruktur, moderne und umweltfreundliche Fahrzeuge sowie digitale Services, die den Alltag unserer Fahrgäste erleichtern.“

Deutschland-Ticket treibt Nachfrage – Tarifreform in Arbeit

Besonders stark zeigt sich der Trend beim Deutschland-Ticket: Rund 650.000 aktive Abos zählt der RMV inzwischen – ein Plus von 8,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die dauerhafte Etablierung des Tickets eröffnet zugleich die Chance für eine grundlegende Vereinfachung des RMV-Tarifs. Ein Konzept für ein neues Sortiment mit nur noch sechs Ticketarten befindet sich in Vorbereitung; über die Umsetzung entscheiden die RMV-Gesellschafter.

Infrastruktur: Milliardeninvestitionen, aber Belastungen im Betrieb

Der Ausbau der Schiene läuft auf Hochtouren. In den kommenden zehn Jahren sollen über 20 Milliarden Euro in das Netz der Region fließen. Projekte wie die Regionaltangente West, die Nordmainische S-Bahn oder der geplante Fernbahntunnel sollen langfristig für deutlich mehr Kapazität und Zuverlässigkeit sorgen.

Pünktlichkeit der S-Bahn gesunken

Kurzfristig jedoch belasten die zahlreichen Baustellen den Betrieb. Die Pünktlichkeit der S-Bahn sank 2025 auf 86,7 Prozent – ein Prozentpunkt weniger als im Vorjahr. Besonders im eng getakteten Frankfurter Netz führen einzelne Verspätungen schnell zu Kettenreaktionen. Auch die Betriebsstabilität litt: 88,6 Prozent der S-Bahn-Fahrten fanden statt, wobei der Großteil der Ausfälle auf geplante Baufahrpläne zurückging und durch Ersatzbusse abgefedert wurde.

Mehr als 2.800 Baumaßnahmen

Für 2026 rechnet der RMV mit mehr als 2.800 Baumaßnahmen, darunter Großprojekte wie die Generalsanierung der rechten Rheinstrecke oder der Start des digitalen Stellwerks in Mainz. Um die Auswirkungen für Fahrgäste abzufedern, sollen feste Ersatzbus-Haltestellen und präzisere Fahrzeitprognosen die Information verbessern.

Digitalisierung: Automatisch zum besten Preis mit RMV In/Out

Mit RMV In/Out steht seit Kurzem ein verbundweit nutzbares Check-in/Check-out-System in der App RMVgo bereit. Fahrgäste checken beim Ein- und Aussteigen ein und aus – am Tagesende wird automatisch der günstigste Preis berechnet. Parallel entsteht ein neues Vertriebshintergrundsystem, das Verkehrsunternehmen in Hessen und den NVV verbindet. Erste Produkte wie das Deutschland-Ticket Job und das SchülerTicket Hessen sollen 2026 integriert werden.

Neue Fahrzeuge: Batteriezug-Premiere und TramTrains für die RTW

Auch bei der Fahrzeugflotte setzt der RMV auf Innovation. Auf der RB21 „Ländchesbahn“, die auch Wiesbaden bedient,  ist der erste Batteriezug Hessens im Testbetrieb unterwegs – lokal CO₂-frei auf einer nicht elektrifizierten Strecke. Für die Regionaltangente West wurden zudem neue TramTrains bestellt, die ab 2028 geliefert werden und sowohl auf Vollbahn- als auch auf Stadtbahnstrecken fahren können. Zusätzlich werden 98 S-Bahnen modernisiert; ein erster Musterzug soll 2026 vorgestellt werden.

Autonomer On-Demand-Verkehr: Nächster Schritt in die Zukunft

Der RMV denkt bereits weiter: On-Demand-Verkehre, die heute schon stark genutzt werden, sollen künftig mit autonomen Fahrzeugen betrieben werden. Besonders im ländlichen Raum könnten so flexiblere, bedarfsorientierte Angebote entstehen. Ziel ist es, Reiseketten zu verkürzen, Straßen zu entlasten, Kosten zu senken und die Teilhabe zu verbessern. Als nächster Schritt strebt der RMV Modellregionen an, in denen autonome On-Demand-Angebote im realen Fahrgastbetrieb getestet und skaliert werden können.

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