Beschäftigungsstatistik

Arbeitslosenzahlen in Wiesbaden steigen auf 8,3 Prozent

Während die Stadt Wiesbaden ihre eigenen Personalausgaben in den vergangenen zehn Jahren nahezu verdoppelt und den Mitarbeiterstab um rund 25 Prozent ausgebaut hat, sieht es auf dem freien Arbeitsmarkt im Juli spürbar verhaltener aus. Vor allem viele junge Menschen stehen nach Schulabschluss oder Ausbildung ohne Anschluss da. Wie sich die aktuellen Zahlen der Arbeitsagentur zusammensetzen und warum die Ausbildungsplatzsuche derzeit überraschend knifflig wird, zeigen die Zahlen der Agentur für Arbeit.

Von: |Erschienen am: 31. Juli 2026 19:01|

Symbolfoto: Agentur für Arbeit Wiesbaden

Im Bezirk der Agentur für Arbeit Wiesbaden, der die Stadt Wiesbaden und den Rheingau-Taunus-Kreis umfasst, ist die Erwerbslosigkeit im Monat Juli spürbar angestiegen. Insgesamt verzeichnete die Statistik 18.887 arbeitslos gemeldete Personen, was einem Plus von 487 Menschen im Vergleich zum Juni entspricht.

Die Arbeitslosenquote kletterte dadurch um 0,2 Prozentpunkte auf 7,1 Prozent. Im Vergleich zum gleichen Monat des Vorjahres weist die Gesamtzahl hingegen kaum Veränderungen auf.

Saisonaler Anstieg

Hauptursache für diese Entwicklung sind die sommertypischen Umbrüche auf dem Bildungs- und Ausbildungsmarkt. In den Sommermonaten beenden zahlreiche junge Menschen ihre Schulausbildung oder ihr Lehrverhältnis, ohne dass in jedem Fall direkt eine Weiterbeschäftigung, eine Folgelernphase oder eine neue Anstellung anschließt.

Gleichzeitig werden Personaleinstellungen in Unternehmen während derUrlaubszeit häufig zeitlich verzögert umgesetzt. Fast die Hälfte des gesamten Anstiegs im Juli entfällt auf Personen unter 25 Jahren.

Übergangsphasen gezielt verkürzen

Hinsichtlich der Situation junger Erwachsener bezieht die Behördenleitung Stellung: „Für viele junge Menschen ist die Arbeitslosmeldung im Sommer nur eine kurze Zwischenstation. Darauf dürfen wir uns aber nicht verlassen“, sagt Monika Kessler, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Wiesbaden.

Die Chefin der Wiesbadener Agentur betonte weiter: „Entscheidend ist, dass aus einer kurzen Übergangsphase keine längere Arbeitslosigkeit wird. Wer noch keine konkrete Perspektive hat, sollte deshalb spätestens jetzt unsere Beratungs- und Vermittlungsangebote nutzen.“

 Stabile Beschäftigungsbasis in der Region

Ungeachtet der monatlichen Zunahme präsentiert sich der regionale Arbeitsmarkt weiterhin in einer vergleichsweise gefestigten Verfassung. Das Niveau der Arbeitslosigkeit bewegt sich geringfügig über den Werten des Vorjahres.

Zum jüngst erfassten Stichtag am 31. Januar 2026 lag die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit 198.297 Personen um 0,7 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Damit entwickelte sich der Beschäftigtenstand im Agenturbezirk Wiesbaden und dem Rheingau-Taunus-Kreis positiver als im hessischen Gesamttrend, wo ein Rückgang zu verzeichnen war.

Zurückhaltung bei Neueinstellungen

Zur allgemeinen Marktlage merkt die Agenturleitung an: „Die Beschäftigungsbasis in der Region ist stabil“, ordnet Kessler ein. „Gleichzeitig bleibt die Dynamik begrenzt. Betriebe haben Personalbedarf, treffen ihre Einstellungsentscheidungen angesichts der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen aber branchenabhängig sehr gezielt.“

Deutlicher Rückgang an Ausbildungsstellen

Auch der Ausbildungsmarkt spiegelt die zurückhaltendere Personalpolitik der Unternehmen wider. Für Ausbildungssuchende, die bislang unversorgt geblieben sind, hat sich die Auswahl an offenen Lehrstellen spürbar verringert.

Ende Juli waren bezirksweit noch 720 Bewerber aktiv auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle. Dem standen 381 unbesetzte, bei der Arbeitsagentur gemeldete Lehrstellen gegenüber. In den Vorjahren hielten sich diese beiden Größen zu diesem Zeitpunkt noch weitgehend die Waage.

Ausweichmöglichkeiten und Spätstarts nutzen

Zwar ging die Gesamtzahl der unversorgten Jugendlichen im Vorjahresvergleich leicht zurück, das Angebot an freien Lehrstellen hat sich jedoch nahezu halbiert. Aus diesem Grund gewinnen verwandte Berufsbilder, ein erweiterter Suchradius sowie alternative Bildungswege an Bedeutung.

Ein abschließendes Fazit für das Ausbildungsjahr lässt sich Ende Juli allerdings noch nicht ziehen, da viele Ausbildungsgänge erst im August, September oder Oktober anfangen und auch kurzfristig wieder Plätze frei werden können.

Die Juli-Zahlen des Agenturbezirks im Detail

Insgesamt stieg die Arbeitslosigkeit im gesamten Agenturbezirk (Stadt Wiesbaden und Rheingau-Taunus-Kreis) im Juli 2026 um 2,6 Prozent (+487 Personen) gegenüber Juni und um 0,3 Prozent (+49 Personen) gegenüber dem Vorjahr auf 18.887 Personen. Die Arbeitslosenquote lag mit 7,1 Prozent um 0,2 Prozentpunkte über dem Vormonat und exakt auf dem Vorjahresniveau.

  • Rechtskreis SGB III (Arbeitsagentur): 6.115 Arbeitslose (+414 zum Vormonat, +659 zum Vorjahr).
  • Rechtskreis SGB II (Jobcenter): 12.772 Arbeitslose (+73 zum Vormonat, -610 zum Vorjahr). Rund 68 Prozent aller Erwerbslosen werden von den Jobcentern betreut.
  • Bewegungsdaten: 2.683 Neumeldungen (davon 1.043 direkt aus Erwerbstätigkeit) stehen 2.656 Abmeldungen gegenüber (davon 842 mit Arbeitsaufnahme).
  • Stellenmarkt: 596 Stellen wurden im Juli neu gemeldet (+206 zum Vormonat, +52 zum Vorjahr). Der Gesamtbestand liegt bei 2.201 freien Stellen. Der größte Bedarf besteht im Gesundheits- und Sozialwesen, bei sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen, freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen, im Handel inklusive Kfz-Reparatur, bei Finanz- und Versicherungsdienstleistungen sowie im Verarbeitenden Gewerbe.
  • Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung: Der Bestand sank zum Stichtag am 31. Januar 2026 gegenüber dem Vormonat um 1.028 Personen auf 198.297 Beschäftigte, liegt aber um 1.446 Stellen (+0,7 Prozent) über dem Vorjahr.

Der Ausbildungsmarkt im Agenturbezirk

Bis Juli registrierte die Berufsberatung im gesamten Agenturbezirk 2.417 Bewerber für Ausbildungsplätze oder duale Studiengänge (+181 Personen bzw. +8,1 Prozent gegenüber Juli 2025). Aktuell suchen noch 720 Personen aktiv, während die übrigen bereits versorgt sind. Dem stehen 1.596 gemeldete Ausbildungsstellen der Unternehmen gegenüber (-517 Stellen bzw. -24,5 Prozent zum Vorjahr).

Rechnerisch kommen damit 153 Bewerber auf 100 Stellen. Von den 381 unbesetzten Plätzen entfällt der Großteil auf die Berufe Kaufmann/-frau im Einzelhandel, Verkäufer/in, Kaufmann/-frau für Versicherungen und Finanzanlagen, Bankkaufmann/-frau sowie Kaufmann/-frau für Büromanagement.

Arbeitsmarkt und Ausbildungsmarkt in Wiesbaden

In der Landeshauptstadt Wiesbaden kletterte die Arbeitslosigkeit im Juli 2026 auf 13.659 Menschen (+408 Personen bzw. +2,3 Prozent zum Juni; +45 Personen bzw. +0,3 Prozent zum Vorjahr). Die Arbeitslosenquote stieg um 0,2 Prozentpunkte auf 8,3 Prozent (Vorjahr: ebenfalls 8,3 Prozent).

  • Rechtskreise in Wiesbaden: Im Bereich SGB III wurden 4.119 Arbeitslose registriert (+322 zum Vormonat, +409 zum Vorjahr), im Bereich SGB II waren es 9.540 Personen (+86 zum Vormonat, -364 zum Vorjahr). Das Jobcenter betreut somit rund 70 Prozent der Wiesbadener Arbeitslosen.
  • Stellenmarkt Wiesbaden: 435 Stellen wurden neu gemeldet (+164 zum Vormonat, +94 zum Vorjahr). Der Gesamtbestand beläuft sich auf 1.437 freie Angebote, hauptsächlich in sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen, Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, Handel/Kfz-Instandhaltung, freiberuflichen/technischen Dienstleistungen, Gesundheits-/Sozialwesen sowie im Baugewerbe.
  • Ausbildungsmarkt Wiesbaden: 1.532 Jugendliche meldeten sich bisher bei der Berufsberatung (+100 bzw. +7 Prozent zu Juli 2025), von denen 463 noch aktiv suchen. Bevorzugte Wunschberufe der Jugendlichen sind Kaufmann/-frau für Büromanagement, Kfz-Mechatroniker/in, Verkäufer/in, Anlagenmechaniker/in (SHK), Elektroniker/in (Energie-/Gebäudetechnik), Fachinformatiker/in (Systemintegration), Kaufmann/-frau im Einzelhandel, Medizinische/r Fachangestellte/r, Tischler/in sowie Fachinformatiker/in (Anwendungsentwicklung). Unternehmen meldeten 1.102 Plätze (-403 bzw. -26,8 Prozent zum Vorjahr), was rechnerisch 141 Bewerbern pro 100 Stellen entspricht. Aktuell sind noch 255 Plätze unbesetzt – vor allem als Kaufmann/-frau im Einzelhandel, Verkäufer/in, Bankkaufmann/-frau, Kaufmann/-frau für Versicherungen/Finanzanlagen und Justizfachangestellte/r.

Arbeitsmarkt und Ausbildungsmarkt im Rheingau-Taunus-Kreis

Im Rheingau-Taunus-Kreis stieg die Zahl der Erwerbslosen im Juli 2026 leicht um 79 Personen (+1,5 Prozent) auf 5.228 Arbeitslose (+4 Personen bzw. +0,1 Prozent im Vorjahresvergleich). Die Arbeitslosenquote blieb unverändert bei 5,1 Prozent (Vormonat und Vorjahr ebenfalls 5,1 Prozent).

  • Rechtskreise im Rheingau-Taunus-Kreis: Die Agentur für Arbeit (SGB III) zählte 1.996 Personen (+92 zum Vormonat, +250 zum Vorjahr), das Jobcenter (SGB II) 3.232 Personen (-13 zum Vormonat, -246 zum Vorjahr). Der SGB-II-Anteil liegt bei rund 62 Prozent.
  • Stellenmarkt Rheingau-Taunus-Kreis: 161 Stellen wurden neu gemeldet (+42 zum Vormonat, -42 zum Vorjahr). Im Bestand befinden sich 764 freie Angebote, vorrangig im Gesundheits- und Sozialwesen, bei sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen, freiberuflichen/technischen Diensten, im Handel/Kfz-Bereich, Verarbeitenden Gewerbe und Gastgewerbe.
  • Ausbildungsmarkt Rheingau-Taunus-Kreis: 885 Jugendliche registrierten sich für Ausbildungssuche (+81 bzw. +10,1 Prozent zu Juli 2025), davon suchen derzeit noch 257 aktiv. Schwerpunktmäßig werden Stellen gesucht als Kaufmann/-frau für Büromanagement, Kfz-Mechatroniker/in, Verkäufer/in, Zahnmedizinische/r Fachangestellte/r, Fachinformatiker/in (Systemintegration/Anwendungsentwicklung), Anlagenmechaniker/in (SHK), Automobilkaufmann/-frau, Medizinische/r Fachangestellte/r und Elektroniker/in (Energie-/Gebäudetechnik). Von 494 gemeldeten Plätzen (-114 bzw. -19 Prozent zum Vorjahr; Ratio 179 Bewerber je 100 Stellen) sind aktuell noch 126 unbesetzt. Gesucht werden hier vor allem Kaufleute im Einzelhandel, Verkäufer/innen, Zahnmedizinische Fachangestellte, Handelsfachwirte und Köche/Köchinnen.

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