Fastnachtsumzug

Wiesbadens Kult-Ente wird nach Mainzer Marken-Attacke zur Gans

Es ist der wohl kurioseste Streit am Fastnachtshimmel. Pünktlich zum 77. Jubiläum des Wiesbadener Fastnachtssonntagsumzugs musste die hessische Landeshauptstadt ihren traditionellen Abschlusswagen umbenennen. Was als „Zugente“ Kult war, heißt ab sofort „Gans am End“. Dahinter steckt ein knallharter Markenstreit mit der Nachbarstadt Mainz, der für Kopfschütteln und hämisches Lachen sorgt.

Von: |Erschienen am: 13. Februar 2026 16:04|

Archivfoto

Es ist ein närrischer Paukenschlag kurz vor dem Höhepunkt der Kampagne 2026. Seit rund 20 Jahren bildet die „Zugente“ traditionell den krönenden Abschluss des Wiesbadener Fastnachtsumzugs. Doch damit ist nun Schluss. Der Mainzer Carneval-Verein (MCV) der Urheberrechte an dem Begriff „Zugente“ hat, untersagte der Dachorganisation Wiesbadener Karneval (DACHO) diesen Namenszug zu nutzen. Um einen teuren Rechtsstreit zu vermeiden, zieht Wiesbaden nun die Konsequenzen – mit einer Portion gesundem Pragmatismus.

Der Mainzer Marken-Coup – Nur Wiesbaden im Visier?

Hinter den Kulissen spielte sich eine Posse ab, die an Fastnachtssatire kaum zu überbieten ist. Die Geschichte beginnt mit einem höchst unerfreulichen Telefonat Ende letzten Jahres. Guntram Eisenmann, der erfahrene Kopf hinter den Wiesbadener Prunkwagen, erhielt die Nachricht, dass die Landeshauptstadt den Namen „Zugente“ nicht mehr verwenden darf. Die Mainzer Fastnachter hatten sich den Begriff vor zehn Jahren als Marke schützen lassen und pochten nun – pünktlich zum 77. Jubiläum in Wiesbaden – auf ihr Recht.

Wochenlanges Grübeln in der Wagenbauhalle

Nach diesem Anruf herrschte erst einmal Ratlosigkeit. Eisenmann und sein Team saßen viele Abende zusammen und überlegten fieberhaft, wie man mit dieser Unterlassung aus Mainz umgehen sollte. Die „Zugente“ war schließlich mehr als nur ein Name. Seit gut 20 Jahren ist der Wagen eine liebevolle Hommage an die ELW (Entsorgungsbetriebe der Landeshauptstadt Wiesbaden).

Traditionell bilden die Männer in Orange den Abschluss des Zuges und räumen die hinterlassenen Fastnachtsschätze blitzschnell weg. Die „Zugente“ war ihr Symbol – ein Dankeschön an die fleißigen Helfer, die Wiesbaden wieder glänzen lassen. Doch Mainz war diese tiefere Bedeutung egal; das Markenrecht wog schwerer als die närrische Nachbarschaftshilfe.

Der Geistesblitz von Mario Kolodzeike

Die Rettung kam vor etwa 14 Tagen. Während das Team noch über juristischen Schritten brütete, hatte Mario Kolodzeike die zündende Idee, die alles veränderte. Er betrachtete das weiße Federvieh auf dem Wagen ganz genau und stellte trocken fest: „Das ist doch gar keine Ente. Enten sind gelb, Gänse sind weiß!“

In diesem Moment war die Lösung geboren. Wenn es keine Ente ist, kann es auch keine Markenrechtsverletzung sein. In einer kreativen Wortspiel-Offensive wurde aus der verbotenen Ente die elegante „Gans am End“. Ein Name, der nicht nur den biologischen Tatsachen entspricht, sondern auch perfekt beschreibt, dass dieser Wagen den Schlusspunkt unter den „Lindwurm der Freude“ setzt.

Ein Sieg des Humors über die Paragrafen

Wiesbaden hat sich damit auf höchst elegante Weise weiterentwickelt. Während man sich in Mainz hinter Markenrechten verschanzt hat, bewies das Team um Eisenmann und Kolodzeike echte Fastnachts-Mentalität: Mit Witz und Schlagfertigkeit wurde die „Mainzer Attacke“ ins Leere laufen gelassen.

Die „Gans am End“ wird am kommenden Sonntag, 15. Februar,  stolzer denn je durch die Straßen rollen. Sie ist nun nicht mehr nur das Symbol für die saubere Arbeit der ELW, sondern auch ein Zeichen dafür, dass Wiesbadener Lebensfreude sich nicht verbieten lässt – schon gar nicht aus Mainz.

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