Auszeichnung
Bühne frei für Wortchoreo: Judith Kuckart gewinnt Wiesbadener Literaturpreis 2026
Eine außergewöhnliche Künstlerin, die auf beeindruckende Weise Literatur und Tanz miteinander verschmilzt, steht im Mittelpunkt einer bedeutenden städtischen Auszeichnung. Mit ihrem hochgelobten aktuellen Werk konnte sie die Fachjury in Wiesbaden auf ganzer Linie überzeugen. Was die renommierte Preisträgerin auszeichnet und wann Kulturbegeisterte sie im thalhaus Theater hautnah erleben können, erfahren Sie im Artikel.
Foto: Martin Rottenkolber
Die Schriftstellerin, Regisseurin, Tänzerin und Choreografin Judith Kuckart wird mit dem Literaturpreis der Landeshauptstadt Wiesbaden 2026 geehrt. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung wird seit 2020 alle zwei Jahre an Autoren verliehen, die in ihrem Schaffen intermedial arbeiten und Verbindungen zu anderen Kunstformen, Medien oder gesellschaftlichen Diskursen herstellen.
Hohe Anerkennung durch Fachjury
In ihrer Beurteilung hob das Expertengremium hervor, dass die Preisträgerin „seit jeher so virtuos wie unangestrengt die Kunstgattungen Tanz und Erzählen verbindet und dadurch literarische Choreographien erschafft.“
Als beispielhaft für das Schaffen von Judith Kuckart gilt ihr 2024 erschienenes Werk „Die Welt zwischen den Nachrichten“. Die Fachjury betonte dazu: „Zwischen Ruhrgebiet, Italien, der Schweiz und Berlin setzt Kuckart Schlaglichter der Nachkriegsgeschichte und einer Künstlerinnenbiographie in Szene, lotet Möglichkeiten weiblicher Lebenswege aus.“
Verflechtung von Motiven und Zeitgeschichte
Die Jury führte weiter aus: „Stränge und Motive werden dabei auf musikalische, vermeintlich leichthändig-spielerische Weise miteinander verflochten. Ein schmales Buch, das dank seiner gedanklichen und ästhetischen Beweglichkeit ein großes wird und den Raum eröffnet, Memoire und Roman über die bundesrepublikanische Zeitgeschichte zugleich zu sein.“
Das Auswahltrio bildeten die Literaturkritikerinnen und Literaturkritiker Prof. Dr. Moritz Baßler von der Universität Münster, Katharina Borchardt vom SWR sowie Dr. Wiebke Porombka vom Deutschlandfunk.
Feierlicher Rahmen im thalhaus Theater
Die feierliche Verleihung findet am Dienstag, 10. November, um 19:30 Uhr im Wiesbadener thalhaus Theater im Beisein von Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) statt. Die Laudatio auf die Preisträgerin hält Dr. Wiebke Porombka. Im Verlauf des Abends gewährt Judith Kuckart dem Publikum direkte Einblicke in ihr künstlerisches Werk.
Künstlerischer Werdegang und Tanztheater
Judith Kuckart wurde 1959 geboren, wuchs in Schwelm am Rande des Ruhrgebiets auf und lebt heute in Berlin sowie Zürich. Parallel zu ihrem Studium der Literatur- und Theaterwissenschaften absolvierte sie eine fundierte Tanzausbildung. Im Jahr 1984 rief sie das freie Profi-Ensemble „Tanztheater Skoronel“ ins Leben, mit dem sie bis 1998 insgesamt 17 Eigenproduktionen umsetzte. Seit 1999 ist sie als freie Regisseurin tätig.
Erfolge, Preise und weitere Informationen
Ein Wiedersehen mit dem ursprünglichen Skoronel-Ensemble gestaltete Kuckart 2021 mit dem Projekt „Die Erde ist gewaltig schön, doch sicher ist sie nicht“, das im Rahmen der Wiesbadener Literaturtage seine Premiere feierte. Ihr Erstlingsroman „Wahl der Waffen“ erschien 1990, worauf zahlreiche weitere Romane, Hörspiele und Erzähltheaterstücke folgten.
Neben Stipendien erhielt sie weitere Auszeichnungen, unter anderem den Literaturpreis Ruhr (2009) und den Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis (2012). Im Jahr 2026 wirkte sie zudem als Stadtschreiberin in Chemnitz sowie in Bergen-Enkheim. Vertiefende Details sind auf der Wiesbadener Webseite www.wiesbaden.de/literaturhaus abrufbar.
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