St. Birgid
Abschied nach 50 Jahren: Delkenheimer Katholiken wagen den ökumenischen Neustart
Tränen beim Abschied und große Vorfreude auf etwas ganz Neues: Im Wiesbadener Vorort Delkenheim packt eine Gemeinde ihre wertvollsten Schätze in einen simplen Leiterwagen. Was auf den ersten Blick wie ein gewöhnlicher Umzug aussieht, markiert das historische Ende einer 50-jährigen Ära und gleichzeitig den Beginn eines außergewöhnlichen Modells, dass das christliche Miteinander vor Ort neu definiert.
Fotos: St. Birgid
Die katholische Kirchengemeinde St. Stephan im Wiesbadener Stadtteil Delkenheim durchläuft aktuell eine tiefgreifende Veränderung. Kurz vor dem Start der Sommerferien fanden in der Pfarrei St. Birgid zwei außergewöhnliche Gottesdienste statt, die den endgültigen Auszug der Gemeinde aus ihrem bisherigen Sakralbau in der Stuttgarter Straße und den Wechsel in den sogenannten Ländchesdom markierten.
Den formellen Anfang machte am 20. Juni die Profanierung der Kirche St. Stephan. Mit der Verlesung des entsprechenden Dekretes durch Domkapitular Olaf Lindenberg endete nach rund 50 Jahren die Historie des Gebäudes als aktiver gottesdienstlicher Raum.
Abschiedsschmerz und neue Perspektiven
Zuvor versammelten sich zahlreiche Gemeindemitglieder zu einer letzten gemeinsamen Messe in den vertrauten Räumlichkeiten, bei der viele Erinnerungen an die vergangenen fünf Jahrzehnte präsent waren.
„Wie oft haben wir hier in diesem Raum gefeiert“, erinnerte Pfarrer Frank Schindling, „und was hatten wir für tolle Pläne für einen Neubau. Dann ist doch alles ganz anders gekommen und wir müssen heute Abschied nehmen.“
Ein symbolischer Umzug
Der Pfarrer betonte weiter: „Deshalb hat heute alles seinen Platz: Traurigkeit, aber auch Hoffnung und Zuversicht, denn es geht weiter, an anderer Stelle“. Im Anschluss an diese Worte verpackten das Pastoralteam und die Anwesenden verschiedene zentrale Gegenstände wie die Osterkerze, die Taufschale, ein Ministrantengewand sowie Hostienschale und Kelch in einen bereitgestellten Leiterwagen.
Dieser fungierte als symbolisches Transportmittel auf dem Weg zur neuen Wirkungsstätte. Auch die kirchlichen Gruppen, die ihre Zusammenkünfte künftig in das Gemeindehaus in der Dekan-Lindenbein-Straße verlegen, steuerten eigene Erinnerungsstücke bei.
Gemeinsam richtig gut
„Und wir haben das Umzugsunternehmen Albrecht gleich hier vor Ort, um uns zu helfen“, lachte Pfarrer Schindling in Richtung seines evangelischen Amtskollegen aus dem Ländchesdom, Oliver Albrecht, der diesen Gottesdienst mitfeierte.
Pfarrer Albrecht hieß die katholischen Christen herzlich willkommen und blickte mit Vorfreude nach vorne: „Gemeinsam wird richtig gut werden!“.
Start der ökumenischen Zusammenarbeit
Bereits eine Woche nach dem Abschied aus Delkenheim folgte der nächste Meilenstein: die erste katholische Vorabendmesse im Ländchesdom. Trotz sehr hoher, sommerlicher Temperaturen zog die Veranstaltung ein großes Publikum an, das diesen historischen Moment miterleben wollte. Das zukünftige konfessionsübergreifende Fundament wurde dabei von offizieller Seite direkt untermauert.
„Ab jetzt geht es gemeinsam an diesem Ort weiter, unter Bewahrung der evangelischen und er katholischen Traditionen“, betonte Schindling und verwies bereits auf den nächsten großen Schritt: Am Sonntag, 16. August, soll ein großer ökumenischer Start-Gottesdienst im Ländchesdom mit einem anschließenden Fest das neue, verbindende Miteinander der Kirchen nach dem Umzug feierlich einläuten.
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