#Quartiershäuser

Kurze Wege bei Pflege und Beratung: Pilotprojekt geht in Klarenthal die nächste Runde

Selbstbestimmt älter werden im gewohnten Umfeld: Das zukunftsweisende Wiesbadener Modell zur Unterstützung im eigenen Viertel breitet sich weiter aus. Nach den ersten erfolgreichen Starts in anderen Stadtteilen hat nun die nächste zentrale Anlaufstelle eröffnet, die Beratung, Pflege und nachbarschaftliche Begegnung unter einem Dach bündelt. Das neue Angebot soll gezielt Antworten auf den demografischen Wandel geben und Betroffenen sowie Angehörigen mühsame Behördenwege ersparen.

Von: |Erschienen am: 3. Juli 2026 15:03|

Foto: Stadt Wiesbaden

Das Konzept der Wiesbadener Quartiershäuser verzeichnet einen weiteren Fortschritt. Mit der Inbetriebnahme der neuen Einrichtung in Klarenthal Nord am Donnerstag, 2. Juli, wurde der mittlerweile dritte Teststandort im laufenden Kalenderjahr freigegeben. Zuvor waren bereits entsprechende Institutionen im Dichter- und Rheingauviertel sowie im Schelmengraben an den Start gegangen. Eine vierte Niederlassung im Bereich Gräselberg ist gegenwärtig in der Planung.

Die Kernaufgabe dieser Häuser besteht darin, Beratungsleistungen, soziale Begegnungen, pflegerische Hilfen sowie gesellschaftliche Teilhabe im direkten Wohnumfeld zu verknüpfen. Das Angebot ist gezielt auf Senioren, Pflegebedürftige, deren Familienmitglieder sowie engagierte Nachbarn ausgerichtet.

Reaktionen aus dem Dezernat

Die städtische Sozialdezernentin Dr. Patricia Becher (SPD) sieht in der Neueröffnung ein wichtiges Signal für die Praxis: „Mit dem dritten eröffneten Quartiershaus wird sichtbar, dass wir konkrete Antworten auf den demografischen Wandel in den Stadtteilen schaffen und nicht nur auf dem Papier“,

Weiter erklärt sie: „Viele Menschen möchten auch im Alter in ihrer vertrauten Wohnung und ihrem gewohnten Umfeld bleiben. Dafür brauchen sie erreichbare Orte, verlässliche Ansprechpersonen und Angebote, die gut aufeinander abgestimmt sind.“

Kooperationen und Angebote in Klarenthal

Zum Betriebsstart in Klarenthal Nord bilden die Themenbereiche Information, gesellschaftliche Partizipation und Seniorenarbeit die inhaltlichen Schwerpunkte. Bei der Eröffnungsfeier präsentierten sich zahlreiche lokale Akteure, darunter die Johanniter, die Beratung für selbstständiges Leben im Alter, das Volksbildungswerk Klarenthal (VBW), die sogenannten Di@-Lotsen für digitale Fragen, der VdK sowie die örtliche Handarbeitsgruppe „Stricklieseln“. Über eine Ideenwand konnten Besucher zudem direkt eigene Wünsche äußern.

Das Projekt basiert auf einer Kooperation der Stadt Wiesbaden mit der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte, Wohnstadt (NHW). Während das Wohnungsunternehmen die Infrastruktur unterstützt, steuert das VBW die soziale Quartiersarbeit bei, und die Johanniter organisieren einen Mittagstisch. Medizinisch-pflegerische Angebote befinden sich vor Ort noch im Aufbau.

Einbindung der Bürger vor Ort

Die Dezernentin hob zudem hervor, dass der Erfolg der Einrichtungen maßgeblich von den Impulsen aus der Bevölkerung abhängt. „Ein Quartiershaus muss aus dem Stadtteil heraus wachsen“, betont Dr. Becher. „Deshalb ist die Beteiligung der Menschen vor Ort so wichtig. Die Rückmeldungen zeigen, welche Unterstützung gebraucht wird, welche Angebote fehlen und wie das Quartiershaus im Alltag konkret helfen kann.“

Durch die Bündelung der Dienste fungiert das Haus als unkomplizierte Erstanlaufstelle. Ratsuchende müssen Zuständigkeiten für Themen wie Einsamkeit, Pflegefragen oder Alltagshilfen nicht mehr separat recherchieren, sondern werden direkt an die verknüpften Partner vermittelt.

Die bereits etablierten Standorte

Die Erfahrungen an den beiden zuerst gestarteten Standorten verlaufen laut Stadtverwaltung vielversprechend. In der Wolfram-von-Eschenbach-Straße (Dichterviertel/Rheingauviertel) wurde in Kooperation mit der Wohnbaugesellschaft GWW ein Schwerpunkt auf offene Altenarbeit, digitale Unterstützung und ambulante Pflege (durch den Dienst Robins Care) gelegt. Ehrenamtliche Helfer unterstützen das dortige Angebot.

Im Schelmengraben wiederum kooperieren die Wohnungsgesellschaft GWH, die Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG), die BauHaus Werkstätten sowie die Caritas und die Johanniter. Hier dienen vor allem gemeinschaftliche Mahlzeiten dazu, soziale Kontakte zu knüpfen und frühzeitig eventuelle Bedarfe im Bereich der Alltagshilfe zu erkennen.

Bedarfsorientierte Ausrichtung der Angebote

Becher betonte in diesem Zusammenhang, dass sich die jeweiligen Schwerpunkte nach den lokalen Besonderheiten richten müssen: „Jeder Standort hat eigene Voraussetzungen und eigene Bedarfe. Genau darin liegt die Stärke des Modells“, sagt Dr. Becher.

„Es geht nicht darum, überall das Gleiche anzubieten. Entscheidend ist, dass vor Ort die richtigen Partnerinnen und Partner zusammenarbeiten und die Angebote zu den Menschen im Stadtteil passen.“

Klarenthal  Becher

Hintergrund und Zukunft des Modells

Die rechtliche und organisatorische Basis für die Initiative der Quartiershäuser bildet ein Beschluss der Wiesbadener Stadtverordnetenversammlung vom Mai 2023. Ein eigens eingerichtetes Team im städtischen Amt für Soziale Arbeit koordinierte in den vergangenen zwei Jahren die Standortsuche und Bedarfsanalysen mit den sozialen Trägern. Ende Februar 2026 wurde das Vorhaben durch die Unterzeichnung einer gemeinsamen Absichtserklärung mit den Wohnungsbaugesellschaften vertraglich untermauert.

Hintergrund des Projekts ist der kontinuierliche Anstieg der Anzahl von Senioren und ältereren Einwohnern bei gleichzeitigem Wandel familiärer Pflege- und Unterstützungsstrukturen. Die dreijährige Pilotphase wird wissenschaftlich ausgewertet, um über eine dauerhafte und flächendeckende Ausweitung des Konzepts zu entscheiden. Ergänzende Details können Interessenten auf der offiziellen Webseite der Stadt Wiesbaden abrufen.

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