Reizarme Räume

Ein Jahr „Stille Stunde“: Wiesbaden baut Inklusion weiter aus

Seit einem Jahr schafft die „Stille Stunde“ in Wiesbaden bewusst reizarme Orte für mehr Teilhabe. Zum Jubiläum schließen sich neue Partner an und erweitern das Angebot deutlich.

Von: |Erschienen am: 30. Juni 2026 15:59|

Foto: Stadt Wiesbaden

Die Wiesbadener „Stille Stunde“ begeht ihr einjähriges Bestehen und setzt ihren inklusiven Ansatz mit zwei neuen Partnern konsequent fort.

Seit dem Start am 7. Juli 2025 engagieren sich zahlreiche Unternehmen und Einrichtungen unter der Schirmherrschaft der hessischen Sozialministerin Heike Hofmann (SPD) und Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) für ein Umfeld, das Menschen mit nicht sichtbaren Beeinträchtigungen entlastet.

Kommentar OB Mende

Oberbürgermeister Mende würdigt das Engagement: „Ich freue mich, dass die ‚Stille Stunde‘ seit einem Jahr Dank der vielen, unterschiedlichen Akteure stetig gewachsen und zu einem Erkennungsmerkmal der Stadt Wiesbaden geworden ist. Die ‚Stille Stunde‘ schafft Räume, in denen mehr Teilhabe möglich ist – ein Gewinn für die ganze Stadtgesellschaft.“

Wiesbaden als bundesweiter Vorreiter

Die Landeshauptstadt nimmt bundesweit eine besondere Rolle ein: Als erste Kommune in Deutschland koordiniert Wiesbaden die „Stille Stunde“ stadtweit und setzt sie gemeinsam mit Partnerinnen und Partnern aus unterschiedlichen Bereichen um.

Reizarme Klanggestaltung für mehr Teilhabe

Zum Jubiläum erweitert Antenne Wiesbaden das Projekt um ein neues Format. Seit Montag, 29. Juni, läuft das Programmspecial „Die Stille Stunde im Radio“ viermal pro Woche von 20:00 bis 21:00 Uhr.

Die Sendung setzt auf ein bewusst reizarmes Hörerlebnis: ruhige Musik ohne starke Dynamik, sanfte Moderationen, weiche Übergänge und der Verzicht auf Jingles oder laute Einspieler. Ergänzend sind redaktionelle Beiträge zu Inklusion und Reizsensibilität geplant, darunter Kurzinterviews und Impulsbeiträge.

Reizarmes Hörerlebnis

Corinna Sievert, Geschäftsführerin von Antenne Wiesbaden, erklärt: „Mit der ‚Stillen Stunde im Radio‘ schaffen wir ein bewusst reizarmes und verlässliches Hörerlebnis. Dabei geht es nicht allein um eine geringere Lautstärke, sondern um eine insgesamt sensible und entspannte Klanggestaltung.

Als Stadtradio wollen wir die Vielfalt Wiesbadens hörbar machen und dazu beitragen, dass sich alle Wiesbadenerinnen und Wiesbadener bei Antenne Wiesbaden wiederfinden. Mit diesem neuen Format setzen wir ein Zeichen für mehr Inklusion und Teilhabe.“

Marktkirche wird neuer Partner

Ab Donnerstag, 2. Juli, beteiligt sich erstmals eine Kirche an der Initiative. Die Evangelische Marktkirche schafft jeden Donnerstag von 15:00 bis 17 :00Uhr einen „Kirchenraum der Stille“.

Dabei werden Glockenspiel und Kirchenglocken vollständig abgeschaltet, Orgel- und Chorproben pausieren, Gespräche werden leise geführt und Besucher bewusst ruhig empfangen. Wo möglich, wird die Beleuchtung gedimmt.

Besonderer Ort der Ruhe

Dr. Margot Klee, Vorsitzende des Kirchenvorstandes, betont: „Mit diesen Maßnahmen entsteht mitten im Herzen der Innenstadt ein besonderer Ort der Ruhe, offen für alle Menschen, die eine Pause von Lärm, Hektik und den vielfältigen Sinneseindrücken des Alltags suchen.“

Sie ergänzt: „Dazu gehört auch, dass wir für zwei Stunden die Kirchenglocken nicht läuten lassen. Das ist für uns ein starkes Zeichen für dieses wichtige Engagement.“

Wachsende Nachfrage und weitere Partner

Das Interesse an der „Stillen Stunde“ bleibt groß. Im September schließen sich, nach der Marktkirche und Radio Antenne Wiesbaden, die mattiaqua-Betriebe Freizeitbad Mainzer Straße und die Kaiser-Friedrich-Therme an. Dort sollen künftig besonders ruhige Bade- und Saunaerlebnisse für Inklusion und Teilhabe angeboten werden. Gespräche mit weiteren Interessenten laufen bereits.

Unternehmen, Einrichtungen und Organisationen, die sich beteiligen möchten, können sich an die Landeshauptstadt Wiesbaden wenden: citymanagement@wiesbaden.de und inklusion@wiesbaden.de.

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