Hilfeleistungen
150 Einsätze in 12 Stunden: 11. Tag der Extrem-Hitze bringt Wiesbadener Rettungsdienst an die Belastungsgrenze
Der Wetter-Ausnahmezustand in der hessischen Landeshauptstadt verschärft sich weiter dramatisch. Der Sonntag, 28. Juni, markierte bereits den elften Tag der ununterbrochenen, extremen Hitzeperiode in Wiesbaden. Die anhaltend tropischen Temperaturen führten zu einer regelrechten Welle von hitzebedingten Notfällen und einem massiv erhöhten Einsatzaufkommen. Allein in den ersten zwölf Stunden der Tagschicht mussten die Retter zu rund 150 Einsätzen ausrücken. Die Belastungsgrenze war so schnell erreicht, dass die Landeshauptstadt auf massive Schützenhilfe aus den umliegenden Landkreisen angewiesen war. Neben dramatischen Reanimationen forderten auch Brände und eine Insel-Rettung die Einsatzkräfte.
Symbolfoto
Die Sahara-Hitze lässt Wiesbaden einfach nicht los. Was sich bereits in den vergangenen Tagen durch die Ausrufung der Rettungsdienstverstärkung und den Aufbau eines Führungsstabs ankündigte, erreichte am Sonntag, 28. Juni, einen neuen, besorgniserregenden Höhepunkt. Seit Schichtbeginn um 07:00 Uhr morgens liefen die Telefone in der zentralen Leitstelle heiß. Das immense Pensum an medizinischen Notfällen konnte nur noch durch eine enge, reibungslose Kooperation mit den Rettungsdiensten der benachbarten Landkreise und Städte bewältigt werden. Im Gegenzug eilten auch Wiesbadener Rettungswagen (RTW), Notarzteinsatzfahrzeuge (NEF) und Notfall-Krankenwagen (KTW) über die Stadtgrenzen, um auszuhelfen, wo Not am Mann war.
Dramatische Stunden – Vier Reanimationen fordern vollen Körpereinsatz
Wie dünn die Nerven und wie hoch die körperliche Belastung für die Retter an diesem elften Hitzetag waren, zeigt die Bilanz der gemeinsamen Einsätze von Feuerwehr und Rettungsdienst. Insgesamt 14 Mal mussten die Einheiten Hand in Hand ausrücken.
Darunter fielen allein vier akute Reanimationen im Stadtgebiet. Die Wiederbelebungsmaßnahmen bei drückender Hitze verlangten den Notärzten und Sanitätern ein extremes Maß an Professionalität und maximaler physischer Ausdauer ab. Parallel dazu hielten diverse Türöffnungen für hilflose Personen in verschlossenen Wohnungen, steckengebliebene Aufzüge sowie Tragehilfen für den Rettungsdienst die Löschzüge in Atem.
Rauchmelder verhindert Großfeuer: Holzbrett auf eingeschaltetem Herd
Neben dem medizinischen Ausnahmezustand schrillten am Sonntag auch siebenmal die Alarmglocken für den klassischen Brandschutz. Neben zwei Fehlalarmen durch Brandmeldeanlagen (BMA) mussten vier reale Brände bekämpft werden.
Ein Vorbeugen der Katastrophe gelang der Feuerwehr in einer Wiesbadener Wohnung. Dort hatten die Bewohner beim Verlassen des Hauses vergessen, den Herd auszuschalten. Ein darauf liegendes Holzbrett fing schnell Feuer und begann stark zu qualmen. Ein installierter Rauchwarnmelder schlug jedoch sofort lautstark Alarm. Aufmerksame Nachbarn hörten das Piepen, wählten geistesgegenwärtig den Notruf 112 und ermöglichten der Feuerwehr so den schnellen Löschangriff. Ein verheerender Küchen- oder Wohnungsbrand konnte im Keim erstickt werden – ein erneuter Beweis für die lebensrettende Pflicht der kleinen Lebensretter an der Decke.
Fußgänger-Sturz auf der Rettbergsaue – DLRG rückt mit Mehrzweckboot aus
Ein weiterer, logistisch komplizierter Rettungseinsatz verlagerte sich auf die Wiesbadener Rheininsel Rettbergsaue. Dort war eine Person so unglücklich gestürzt, dass sie sich eine schwere Verletzung am Sprunggelenk zuzog.
Da die Insel für normale Straßen-Rettungswagen nicht oder nur extrem schwer zugänglich ist, forderten die Retter die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) zur Unterstützung an. Gemeinsam wurde der verletzte Patient schonend auf ein Mehrzweckboot verladen, über den Rhein ans Festland transportiert und dort an einen bereitstehenden RTW übergeben. Eine Wiesbadener Klinik übernahm die weitere medizinische Versorgung.
Angesichts der Tatsache, dass die Hitzewelle laut Deutschem Wetterdienst (DWD) vorerst unerbittlich weitergeht, erneuert die Feuerwehr Wiesbaden ihren dringenden Appell an alle Bürger: Trinken Sie zwingend ausreichend Wasser, meiden Sie die Sonne und passen Sie ganz besonders auf Senioren, Kleinkinder und chronisch kranke Nachbarn auf!
Die wichtigsten Hitze-Verhaltensregeln der Feuerwehr im Überblick:
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Trinken, trinken, trinken: Ausreichend und in regelmäßigen Abständen Wasser oder ungesüßte Tees zu sich nehmen.
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Schonen Sie sich: Körperliche Anstrengungen und Sport im Freien dringend vermeiden oder ausschließlich in die kühleren Morgen- und Abendstunden verlegen.
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Schatten suchen: Die direkte Sonneneinstrahlung während der extremen Mittagszeit konsequent meiden.
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Vulnerable Gruppen schützen: Ein besonderes Auge auf ältere Menschen, Kinder, Schwangere sowie gesundheitlich vorbelastete Personen im Umfeld und in der Nachbarschaft haben.
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Todesfalle Auto: Tiere unter keinen Umständen – auch nicht für wenige Minuten – in abgestellten Fahrzeugen zurücklassen!
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Kühle Orte nutzen: Die von der Landeshauptstadt ausgewiesenen „kühlen Orte“ sowie die kostenlosen Refill-Stationen für Trinkwasser im Stadtgebiet nutzen.
Die genauen Standorte der kühlen Oasen in Wiesbaden können jederzeit online unter wiesbaden.de/kuehleorte abgerufen werden. Umfassende Verhaltenshinweise und Details zum städtischen Notfallplan finden Interessierte zudem direkt unter wiesbaden.de/hitzeschutz.
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