Insektenschutz

Wiesbaden setzt auf wilde Wiesen für mehr Artenvielfalt und Klimaschutz

Ein starkes Zeichen für den Umweltschutz mitten in der hessischen Landeshauptstadt. Pünktlich zum Internationalen Tag der Biodiversität am Freitag, 22. Mai, hat Wiesbaden das zukunftsweisende Projekt „Natürlich Wiesbaden – Wilde Wiesen“ vorgestellt. Wo früher monotoner Rasen wuchs, entstehen nun lebendige Biotope. Bürgerinnen und Bürger können das Projekt ab sofort tatkräftig unterstützen und sich kostenlose Samentüten im Umweltladen abholen.

Von: |Erschienen am: 22. Mai 2026 16:48|

Foto: Stadt Wiesbaden

Wer am Gustav-Stresemann-Ring vorbeikommt, bemerkt es sofort: Es summt, brummt und blüht an den sonst so sterilen Verkehrsadern. Die Landeshauptstadt Wiesbaden geht neue Wege in der Grünflächenpflege und fördert mit dem Großprojekt „Wilde Wiesen“ gezielt die biologische Vielfalt, die Anpassung an den Klimawandel und eine nachhaltige Stadtentwicklung. Eine der ersten großen Vorzeige- und Modellflächen stellte Wiesbadens Bürgermeisterin und Grünflächendezernentin Christiane Hinninger (Die Grünen) am Freitag offiziell der Öffentlichkeit vor.

„Früher wurde der Rasen regelmäßig kurz geschnitten, aus ökologischer Sicht entstanden wenig wertvolle Flächen. Heute entwickelt sich hier ein artenreicher Lebensraum für Wildbienen, Schmetterlinge, Vögel und weitere Tierarten“, erläuterte Bürgermeisterin Hinninger vor Ort. Sie räumte dabei auch mit einem weit verbreiteten Vorurteil auf: „Wilde Wiesen sind kein Zeichen von Vernachlässigung, sondern Ausdruck eines verantwortungsvollen Umgangs mit unserer Umwelt.“

Natürlicher Klimapuffer für das Konzept der „Schwammstadt“

Neben dem unschätzbaren Nutzen für die bedrohte Insekten- und Tierwelt erfüllen die ungemähten Wiesenflächen eine fundamentale Funktion für das urbane Mikroklima. In Zeiten zunehmender Hitzeperioden dienen die hochgewachsenen Wildpflanzen als natürliche Klimapuffer, da sie Feuchtigkeit speichern und zur spürbaren Kühlung des dicht bebauten Stadtgebiets beitragen.

Gleichzeitig unterstützen sie das ökologische Konzept der sogenannten „Schwammstadt“: Der lockere, tief durchwurzelte Boden einer Wildwiese kann bei Starkregenereignissen deutlich mehr Regenwasser aufnehmen und speichern als ein kurz geschorener Rasen. Das entlastet die Kanalisation und beugt lokalen Überschwemmungen vor.

Schon 20 Hektar im Stadtgebiet umgestellt

Das städtische Grünflächenamt testet auf den betroffenen Flächen verschiedene naturnahe Methoden. „Viele Flächen in Wiesbaden wurden bislang als klassische Rasenflächen intensiv gepflegt. Durch angepasste Pflege entstehen daraus artenreiche Wiesen“, erklärt Thomas Wilkerling, Abteilungsleiter für Grünflächen.

Rund 20 Hektar im gesamten Stadtgebiet werden bereits extensiv bewirtschaftet. Das bedeutet: Das Amt verzichtet auf ständiges Mähen und lässt der Natur freien Lauf. Während an einigen Standorten ganz ohne menschliches Zutun eine natürliche Entwicklung stattfindet, werden an anderen Plätzen gezielt spezielle, heimische Wildpflanzenmischungen ausgesät. Langfristig wollen die Experten so herausfinden, welche Methode unter den Wiesbadener Standortbedingungen die größte ökologische Wirkung entfaltet.

Mitmachen erwünscht – Kostenlose Samentüten für Garten und Balkon

Das Projekt soll jedoch nicht an den Grenzen städtischer Grundstücke haltmachen. Die Landeshauptstadt lädt alle Wiesbadenerinnen und Wiesbadener ausdrücklich dazu ein, selbst aktiv zu werden und Garten, Vorgarten oder den Balkon in eine kleine Insekten-Oase zu verwandeln.

Dafür stellt die Stadt ab sofort kostenlose Samentüten mit der originalen „Wiesbadener Saatmischung“ zur Verfügung. Die Tütchen mit heimischen Wildblumensamen können ab sofort hier abgeholt werden:

  • Grünflächenamt Wiesbaden

  • Umweltladen Wiesbaden (Luisenstraße 19)

Ergänzend liegt in den Dienststellen ein neu gestalteter Informationsflyer bereit, der detailliert über die ökologischen Vorteile der Wiesenflächen aufklärt und praktische Tipps zum Mitmachen und Gärtnern bereithält.

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