Großbaustelle Westend

Vom Asphalt-Parkplatz zur grünen Klimaoase: Der neue Elsässer Park im Westend ist fast fertig

Fontänen, Rollrasen und ein riesiger unterirdischer Wasserspeicher. Wo jahrzehntelang hunderte Autos parkten, wächst jetzt das neue grüne Herz des Westends. Der neue Elsässer-Platz-Park nimmt Gestalt an. Nach Weltkriegsüberraschungen im Boden und heißen Bauphasen stehen die letzten Handgriffe an. Wann die Pforten für Familien und Nachbarn im Frühjahr 2027 öffnen, lesen Sie in unserem Artikel.

Von: |Erschienen am: 4. November 2026 14:05|

Fotos: Andreas Helm, Luftaudnahmen Stadt Wiesbaden

Wo noch vor kurzem Hunderte Autos Stoßstange an Stoßstange auf versiegeltem Asphalt parkten, wächst Wiesbadens modernste und klimaangepassteste Parkanlage heran. Fast 40 Jahre lang hatten Politik, Verwaltung und Bürgerschaft über die Zukunft des Platzes diskutiert. Nun biegt das Mammutprojekt auf die Zielgerade ein. Bei einem Baustellenrundgang am Mittwoch, 4. November, gaben Wiesbadens Bürgermeisterin und Umweltdezernentin Christiane Hinninger (Die Grünen), die Leiterin des Grünflächenamtes Gabriele Wolter sowie Projektleiter Lars Christian Pedinghaus einen umfassenden Einblick in den Endspurt der Bauarbeiten des neuen Elsässer-Parks im Westend.

Wo im Hochsommer noch kahle Erdhügel und Staubwolken den Takt angaben, präsentiert sich das rund 9.800 Quadratmeter große Baufeld mittlerweile in sattem Grün. Die wesentlichen baulichen Landmarken stehen bereits: Der weitläufige neue Kinderspielplatz ist fertiggestellt, das Fontänenfeld samt zugehörigem Technikgebäude befindet sich im finalen Feinschliff, und das barrierefreie Netz aus gepflasterten Wegen und geschwungenen Beeteinfassungen ist weitgehend verlegt.

Großes Grün-Upgrade – 40 Großbäume

Parallel zu den abschließenden Erdarbeiten wird derzeit die gesamte Parkinfrastruktur komplettiert. Dazu zählen moderne Beleuchtungsstelen, Absturzsicherungen und Geländer sowie insgesamt 25 neue Sitzbänke, die künftig als Ruhezonen und soziale Treffpunkte für die Nachbarschaft dienen.

Auch botanisch setzt die Stadtverwaltung auf eine nachhaltige, an den Klimawandel angepasste Artenvielfalt. Insgesamt 40 neue Großbäume die Hitze resistent sind  prägen das Areal. Ausgewählt wurden bewusst Zukunftsbäume, die längeren Trockenperioden trotzen – darunter der Französische Ahorn (Acer monspessulanum), der Südliche Zürgelbaum (Celtis australis) und der Weiße Maulbeerbaum (Morus alba) sowie schattenspendende Platanen. Zum Schutz vor intensiver Sonneneinstrahlung und Rindenrissen erhielten die Stämme einen reflektierenden weißen Hitzeschutzanstrich.

Über 1.000 zusätzliche Gehölze und Sträucher strukturieren den Park. Hinzu kommen 15.000 Stauden, Farne und Ziergräser, diese Bilden eine dichte, mehrjährige Vegetationszonen, die Insekten Nahrung bieten und Feuchtigkeit im Boden halten.

Bewässerung des Parks – Regenwasser wird gesammelt

Rund 24.000 Geophyten-Zwiebeln wandern aktuell in die Erde, um den Park pünktlich zur Eröffnung in ein farbenfrohes Blütenmeer zu verwandeln.
„Bei der Auswahl der Bäume haben wir gezielt darauf geachtet, dass sie mit Hitze und längeren Trockenperioden zurechtkommen“, erläutert Grünflächenamtsleiterin Gabriele Wolter. „Damit sich die Grünflächen dauerhaft gut entwickeln können, braucht es zugleich eine verlässliche Bewässerung. Dafür können wir auch Regenwasser nutzen, das in der 200 Kubikmeter großen Zisterne unter dem Park gesammelt wird.“

Schwammstadt-Konzept – Bis zu 5 Grad Kühlung und Schutz vor Starkregen

Das Wiesbadener Westend weist die höchste Baudichte der Landeshauptstadt auf und besitzt kaum private Gärten oder Balkone. In heißen Sommern bildete der alte Asphaltplatz eine extreme Hitzeinsel: Bodennah wurden Hitzespitzen von bis zu 52 Grad gemessen. Berechnungen des federführenden Planungsbüros zeigen, dass die massive Entsiegelung, die Verdunstungskälte der Pflanzen und der Baumschatten die gefühlte Umgebungstemperatur im Quartier künftig um bis zu 5 Grad senken werden.

Gleichzeitig funktioniert der Elsässer Park als hochmodernes Schwammstadt-System (Sponge City):

  • 200.000-Liter-Zisterne: Unterirdisch wurde eine Zisterne mit einem Fassungsvermögen von 200 Kubikmetern (200.000 Liter) installiert. Sie fängt das Oberflächenwasser der Parkwege sowie der angrenzenden Straßenabschnitte auf.

  • Ressourcenschonende Bewässerung: Das gespeicherte Regenwasser wird über integrierte Tröpfchenschläuche in den Pflanzbeeten und ferngesteuerte Versenkregner in den Rasenflächen automatisch verregnet.

  • Retentionsraum bei Unwettern: Bei schweren Wolkenbrüchen fungiert das Gelände als Hochwasserschutz für die tiefer liegende Innenstadt. Über ein ausgeklügeltes Gefälle und Einlaufbauwerke kann überschüssiges Wasser schadlos eingestaut und verzögert abgeleitet werden.

Aus diesem Grund entschied sich die Stadt auch bewusst gegen eine reine Wildblumenwiese: Zarte Blumenwiesen würden wiederholte Überstauungen nicht überstehen. Zudem sollte auf den über 2.200 Quadratmetern Rasenfläche eine widerstandsfähige Spiel-, Liege- und Picknickfläche entstehen, die dem hohen Nutzungsdruck der Anwohnerschaft standhält.

Verzögerungen durch Weltkriegsfunde und historischen Bachlauf

Dass die Baustelle eine echte ingenieurtechnische Herausforderung darstellte, verdeutlichte Projektleiter Lars Christian Pedinghaus. Während der Erdarbeiten stießen die Bagger im Bereich der Klarenthaler Straße auf unerwartete Hindernisse. In 3,50 Metern Tiefe stießen die Teams auf historische Luftschutzstollen aus einfachen Betonelementen. Nach 1945 war die Decke eingedrückt und der Hohlraum mit Trümmerschutt, Zivilgasmasken und Relikten verfüllt worden, die nun aufwendig ausgekoffert werden mussten.

Der Kampfmittelräumdienst entdeckte rund 50 Phosphorkapseln (hochentzündliche Anti-Personen-Sprengsätze von Brandbomben). Rund acht Wochen lang musste der gesamte Bodenaushub Schicht für Schicht gesiebt und von Experten gesichert werden.

Unter dem Parkareal verläuft das alte, ursprüngliche Bett des Wellritzbachs. Da das Schichtenwasser hier im Winter hochdrückt – was in Nachbarhäusern teils zu feuchten Kellern führte –, wurde die gesamte Rasenfläche tiefgründig drainiert, um das Wasser geregelt in die Zisterne abzuführen.

Trotz dieser unvorhersehbaren Hürden und der Zwangspausen während der extremen Sommerhitze konnte das Bauteam den Zeitverlust durch gezielte Bauphasen-Umstellungen weitgehend kompensieren.

7,6 Millionen Euro Gesamtkosten – Einweihung im Frühjahr 2027

Die Gesamtkosten der städtebaulichen Neugestaltung belaufen sich auf rund 7,6 Millionen Euro. Das Projekt wird maßgeblich über das Städtebauförderprogramm „Wachstum und nachhaltige Erneuerung – Stadtgrün Wiesbaden“ von Bund und Land gefördert. Das Fördermittelmanagement und die Projektbegleitung liegen in den Händen der städtischen Stadtentwicklungsgesellschaft Wiesbaden (SEG).

Bürgermeisterin Hinninger betonte zudem die intensive Einbindung des Quartiers: In mehreren Bürgerbeteiligungsrunden hatten Nachbarn, Initiativen und Familien ihre Wünsche – vom Wasserspiel über Fitness- und Spielgeräte bis zu schattigen Verweilplätzen – in die Entwürfe eingebracht.

Die Frage vieler Anwohner, warum der Park trotz weitgehender Fertigstellung noch nicht sofort freigegeben wird, beantwortete die Dezernentin klar: „Die letzten Bauarbeiten und Pflanzungen werden in Kürze beendet. Schon jetzt ist sichtbar, wie sich der frühere Parkplatz in einen grünen Ort verwandelt. Die Eröffnung findet im Frühjahr 2027 statt. Die Pflanzen und insbesondere die neu verlegten Rollrasenflächen brauchen die Wintermonate, um in aller Ruhe einzuwurzeln. Würden wir die Flächen jetzt vorzeitig betreten lassen, nähme das frische Grün irreparablen Schaden. Im kommenden Frühjahr übergeben wir den Menschen im Westend dann eine voll belastbare und blühende Oase.“

Mehr aktuelle Berichte zur Stadtentwicklung, zu Grünflächen und Bauprojekten im Wiesbadener Westend finden Sie täglich in unseren Rubriken auf wiesbadenaktuell.de.

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