IHK-Bericht

Leichte Konjunkturerholung ohne Impulse für den Arbeitsmarkt

Die Wirtschaft in der Region sendet wieder vorsichtige Lebenszeichen. Doch die leichte Erholung kommt bei Beschäftigung und Investitionen bislang kaum an, während hohe Arbeitskosten und Fachkräftemangel die Unternehmen weiter belasten.

Von: |Erschienen am: 20. Oktober 2026 21:52|

Grafik: IHK Wiesbaden

Die Stimmung in der regionalen Wirtschaft hat sich verbessert, die Sorgen sind jedoch geblieben. Nach dem schwachen Frühsommer kletterte der Geschäftsklimaindex der IHK Wiesbaden im Herbst von 87 auf 98 Punkte. Von einem echten Aufschwung könne dennoch keine Rede sein. Zu groß sind weiterhin die Belastungen für viele Betriebe.

Besonders deutlich zeigt sich das am Arbeitsmarkt. Die Unternehmen bleiben bei Neueinstellungen zurückhaltend, obwohl qualifizierte Fachkräfte vielerorts weiterhin fehlen. Der Beschäftigungssaldo verbesserte sich zwar auf minus 7 Punkte, liegt damit aber nach wie vor im negativen Bereich. Während nur 13 Prozent der Betriebe mit einer steigenden Beschäftigung rechnen, erwarten 20 Prozent einen Personalabbau.

„Die leichte konjunkturelle Erholung darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie bislang nicht am Arbeitsmarkt ankommt“, warnt IHK-Präsident Jörg Brömer. Wenn Unternehmen trotz Fachkräftebedarfs keine neuen Stellen schaffen, sei das ein deutliches Warnsignal für den Standort. Gefordert seien mehr Planungssicherheit sowie eine spürbare Entlastung bei Kosten und Bürokratie.

Fachkräfte gesucht, Einstellungen bleiben aus

Die aktuelle Lage wirkt widersprüchlich: Einerseits halten sich die Unternehmen bei Neueinstellungen zurück, andererseits bleibt geeignetes Personal schwer zu finden. Rund drei von zehn Betrieben berichten, offene Stellen erst nach mehr als zwei Monaten besetzen zu können.

Besonders gefragt sind Fachkräfte mit Weiterbildungsabschlüssen, Hochschulabsolventen und Bewerber mit abgeschlossener dualer Ausbildung. Der Fachkräftemangel ist damit keineswegs verschwunden, tritt angesichts der schwachen Konjunktur derzeit jedoch hinter andere Probleme zurück.

Arbeitskosten rücken in den Fokus

Immer stärker geraten die Arbeitskosten ins Visier der Unternehmen. Inzwischen nennt jedes zweite Unternehmen sie als Geschäftsrisiko. Noch häufiger werden lediglich die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen, die schwache Inlandsnachfrage sowie hohe Energie- und Rohstoffpreise als Belastung angesehen.

„Der Fachkräftemangel ist nicht verschwunden. Gleichzeitig führt die schwache wirtschaftliche Dynamik dazu, dass viele Betriebe derzeit keine zusätzlichen Stellen schaffen“, sagt Fabian Lauer, Leiter Wirtschaftspolitik der IHK Wiesbaden. Die Kombination aus Personalengpässen, hohen Arbeitskosten und verhaltener Personalplanung verschärfe die Herausforderungen am Arbeitsmarkt zusätzlich.

Künstliche Intelligenz verändert die Arbeitswelt

Parallel zur schwachen Beschäftigungsentwicklung blickt die Wirtschaft auf die Folgen der zunehmenden Digitalisierung. Vor allem die Künstliche Intelligenz wird nach Einschätzung vieler Unternehmen die Anforderungen an Arbeitnehmer verändern.

42 Prozent rechnen mit einem steigenden Weiterbildungsbedarf, 39 Prozent erwarten veränderte Tätigkeitsprofile. Gleichzeitig gehen 31 Prozent davon aus, dass Automatisierung und Rationalisierung den Personalbestand verringern werden. Nur sieben Prozent verbinden mit KI zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten.

Damit wird Künstliche Intelligenz aus Sicht der Unternehmen vor allem zu einer Qualifizierungsfrage. Weniger die Zahl der Arbeitsplätze als die Anforderungen an die Beschäftigten dürften sich in den kommenden Jahren verändern.

Konjunkturbericht online abrufbar

Der vollständige Konjunkturbericht der IHK Wiesbaden mit detaillierten Analysen und Grafiken steht online zum kostenlosen Abruf bereit. Unternehmen aus der Region können sich dort außerdem an den regelmäßig stattfindenden Konjunkturumfragen beteiligen.

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