Jahresbericht / Entwicklung

Kostenexplosion beim Ostfeld: Städtischer Zuschussbedarf klettert auf 286 Millionen Euro

Wiesbadens größtes und umstrittenstes Stadtentwicklungsprojekt biegt in die nächste Planungsphase ein – wird für die Stadtkasse jedoch deutlich teurer als gedacht. Das Stadtplanungsamt und die Stadtentwicklungsgesellschaft haben ihren neuen Jahresbericht zur Städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme Ostfeld vorgelegt. Während die Weichen für den neuen BKA-Campus, 60 Kita-Gruppen, vier Schulen und Wohnraum für 10.000 Menschen gestellt werden, explodieren die kalkulierten Zuschüsse. Wegen sinkender Baulandpreise und anhaltend hoher Baukosten steigt der städtische Finanzierungsbedarf um satte 76 Millionen auf insgesamt 286 Millionen Euro.

Von: |Erschienen am: 1. Oktober 2026 14:50|

Symbolfoto

Es ist das ambitionierteste städtebauliche Vorhaben der hessischen Landeshauptstadt seit Jahrzehnten. Auf den Freiflächen zwischen Erbenheim, Kastel, Amöneburg und Südost soll mit dem Ostfeld ein komplett neuer, zukunftsweisender Stadtteil entstehen. Im Rahmen der jährlichen Berichterstattung haben das Stadtplanungsamt und die als Entwicklungsträgerin beauftragte Stadtentwicklungsgesellschaft Wiesbaden (SEG) nun eine umfassende Sitzungsvorlage für die Stadtverordnetenversammlung vorgelegt.

Der Bericht, der nach Vorlage im Magistrat in den Monaten Oktober und November in den betroffenen Ortsbeiräten diskutiert wird, zeigt klare operative Planungsfortschritte – birgt aber auch finanzielle Sprengkraft für die anstehenden Haushaltsdebatten.

Finanzlücke wächst um 76 Millionen Euro – Sinkende Grundstückspreise, teures Bauen

Die Entwicklung des Ostfelds folgt dem Instrument der städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme (SEM): Das Mammutprojekt soll sich im Kern über die Wertsteigerung der zuvor angekauften und später baureif vermarkteten Grundstücke selbst refinanzieren. Bleiben die Gesamtkosten am Ende über den Vermarktungserlösen, muss die Landeshauptstadt die Differenz ausgleichen.

Genau diese Schere klafft in der jährlich fortgeschriebenen Kosten- und Finanzierungsübersicht (KoFi) nun drastisch weiter auseinander: Der städtische Zuschussbedarf hat sich gegenüber dem Vorjahr um 76 Millionen Euro erhöht und wird aktuell auf insgesamt 286 Millionen Euro beziffert.

Als Hauptursache für den massiven Anstieg nennen Stadtplanungsamt und SEG eine veränderte Marktlage. Bundesweit fallende Bauland- und Grundstückspreise treffen auf anhaltend hohe Bau- und Erschließungskosten. Zwar betonen die Planer, dass künftige Markterholungen den städtischen Zuschussbedarf in den Folgejahren wieder drücken könnten, doch die aktuelle Projektion sorgt in der Stadtpolitik für Aufsehen.

Die Verwaltung hält dem Gegenwert der Investition entgegen: Durch die SEM werde dringend benötigte soziale Infrastruktur für das Gemeinwohl querfinanziert, die die Stadt bei herkömmlichem Vorgehen ohnehin aus dem Kernhaushalt hätte stemmen müssen.

Heimat für 10.000 Wiesbadener und ein zentraler BKA-Standort

Trotz der finanziellen Eintrübung schreitet die inhaltliche Ausgestaltung des neuen Quartiers voran:

  • Wohnen & Leben: Wohnraum für rund 10.000 Menschen sowie tausende neue Arbeitsplätze.

  • Bildung & Betreuung: Vorgesehen sind 60 Kita-Gruppen, zwei Grundschulen sowie zwei weiterführende Schulen.

  • Sport, Grün & Gemeinbedarf: Weitläufige Grünzüge, Sportstätten und Erholungsflächen sollen das Quartier strukturieren.

  • BKA-Campus: Ein zentraler Meilenstein bleibt der neue Behördenstandort für das Bundeskriminalamt (BKA) im nördlichen Planbereich. Die intensiven Abstimmungen mit dem Bund, der städtebauliche Entwurf und die Bauleitplanverfahren zur Flächennutzungsplanänderung wurden im Berichtszeitraum konsequent weitergeführt.

Was im zurückliegenden Jahr konkret passiert ist

Hinter den Kulissen wurden im vergangenen Berichtsjahr wesentliche Vorarbeiten geleistet:

  1. Vergabeverfahren: Die städtebauliche Rahmenplanung wurde ebenso wie Gutachten für Wasserwirtschaft, Mikroklima, Lärmschutz, Verkehrskonzepte und Gewerbeansiedlungen an Fachbüros vergeben.

  2. Klima & Ressourcen: Die zuständige Kommission Ostfeld (bestehend aus Hauptamtlichen des Magistrats und Vertretern der Rathausfraktionen) legte Vorzugsvarianten für ein nachhaltiges Wasser- und Energiekonzept fest.

  3. Erkundungen & Flächensicherung: Die SEG führte weitere Kampfmittelräumungen und archäologische Grabungen auf den Feldern durch. Parallel wurde der für das Gesamtprojekt unabdingbare Grunderwerb fortgesetzt.

Tour durch die Ortsbeiräte startet

Bevor das Stadtparlament über die Vorlage debattiert, geht der Bericht nun in die betroffenen Stadtteile: Die Ortsbeiräte von Kastel, Erbenheim, Amöneburg, Biebrich und Südost werden sich im Oktober und November mit Vertretern des Stadtplanungsamtes und der SEG zusammensetzen, um die Zahlen und Auswirkungen für ihre Stadtteile im Detail zu hinterfragen.

Bürgerinnen und Bürger, die sich detailliert über Gutachten, Karten und Planungsstände informieren möchten, finden alle Unterlagen und Newsletter-Angebote auf der offiziellen Projektwebseite unter www.mehrwiesbadenwagen.de.

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