Vortrag
100 Jahre Biebrich, Schierstein und Sonnenberg bei Wiesbaden: Historiker beleuchtet die Eingemeindungen
Ein Jahrhundert ist es her, dass Wiesbaden seinen entscheidenden Schritt zur Großstadt machte: Am 1. Oktober 1926 wurden Biebrich am Rhein, Schierstein und Sonnenberg Teil der hessischen Landeshauptstadt. Aus Anlass dieses 100-jährigen Jubiläums beleuchtet der renommierte Historiker Dr. Thomas Weichel am kommenden Freitag im Rathaus die wechselvolle Geschichte der Wiesbadener Eingemeindungen von 1926 bis 1977. Der Vortrag begleitet die aktuelle Rathaus-Ausstellung – der Eintritt ist frei.
Symbolfoto
Kaum ein Schritt hat das moderne Gesicht der Landeshauptstadt so nachhaltig geprägt wie die großen Eingemeindungswellen des 20. Jahrhunderts. Vor genau 100 Jahren, am 1. Oktober 1926, endete die kommunale Selbstständigkeit von Biebrich am Rhein, Schierstein und Sonnenberg: Sie wurden offiziell Stadtteile Wiesbadens.
Anlässlich des runden Jubiläums lädt die Stadt am Freitag, 2. Oktober, zu einem Vortrag in den Festsaal des Rathauses, Schlossplatz 6 ein. Ab 18:00 Uhr widmet sich der Historiker Dr. Thomas Weichel dem Thema: „Von der Eigenständigkeit zum Großstadtvorort – Wiesbadens Eingemeindungen 1926–1977“.
Großstadt-Ambitionen versus dörflicher Eigensinn
Das heutige Wiesbaden wuchs in drei markanten historischen Schüben: 1926, 1928 (mit den Taunus- und Vororten) und schließlich im Rahmen der hessischen Gebietsreform 1977. Jeder dieser Schritte stand unter ganz eigenen Vorzeichen – und führte regelmäßig zu hitzigen Debatten zwischen den Beteiligten.
Der Staat – zunächst Preußen, nach dem Zweiten Weltkrieg das Land Hessen – forderte straffere und leistungsfähigere Verwaltungen. Das städtische Zentrum strebte nach mehr Siedlungsfläche und zusätzlicher Steuerkraft, fürchtete gleichzeitig aber die teuren finanziellen Altlasten der Umlandgemeinden. Die Vororte wiederum benötigten dringend Investitionen für marode Straßen, Kanalsysteme und moderne Schulen, wollten dabei jedoch um jeden Preis „Herr im eigenen Haus“ bleiben.
Wie spannungsgeladen dieser Prozess verlief, brachte das Wiesbadener Tagblatt bereits 1932 augenzwinkernd auf den Punkt. Die Vororte hätten „in der Eingemeindung schon mehr als einmal ein Haar in der Suppe gefunden. (Die Altstädter übrigens auch.)“
Was blieb von den Versprechen? Blick auf Ausstellung und Ortsbeiräte
Dr. Thomas Weichel geht in seinem Vortrag der Frage nach, was aus den damaligen Hoffnungen, Verheißungen und Skepsissen geworden ist. Wie entwickelten sich die eigenständigen Identitäten der Vororte? Und wie schlägt sich das Spannungsfeld zwischen städtischer Zentrale und lokaler Eigenständigkeit in den heutigen Ortsbeiräten nieder?
Der Vortragsabend bildet zugleich den inhaltlichen Höhepunkt der von Weichel kuratierten Sonderausstellung zu den Eingemeindungen, die derzeit im Wiesbadener Rathaus zu sehen ist. Im Anschluss an den Vortrag haben Besucherinnen und Besucher die Gelegenheit, die Schau bei einer gemeinsamen Begehung mit dem Kurator zu erkunden.
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InfoBox
Die Fakten zur Veranstaltung im Überblick:
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Thema: Jubiläumsvortrag „Von der Eigenständigkeit zum Großstadtvorort – Wiesbadens Eingemeindungen 1926–1977“.
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Referent: Dr. Thomas Weichel (Historiker und Ausstellungskurator).
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Datum & Uhrzeit: Freitag, 2. Oktober 2026, Beginn um 18:00 Uhr.
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Ort: Festsaal im Rathaus Wiesbaden, Schlossplatz 6, 65183 Wiesbaden.
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Eintritt: Kostenfrei.
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Rahmenprogramm: Gemeinsame Begehung der Ausstellung im Rathaus im Anschluss an den Vortrag.

Wie wuchs Wiesbaden eigentlich zu der facettenreichen Großstadt heran, die wir heute kennen? Vor genau 100 Jahren […]

