Kulturdenkmal

Wiesbadens Walhalla im Wandel: Ein Aktionstag blickt nach vorn

Die Sanierung des historischen Walhalla in Wiesbaden rückt näher und jetzt wird sichtbar, was sich hinter den Kulissen bereits getan hat. Bei einem besonderen Aktionstag gibt es Einblicke in die Planungen, die Baugeschichte und die künftige Nutzung des traditionsreichen Ortes.

Von: |Erschienen am: 10. September 2026 11:51|

Foto: Wiesbaden.de / René Schenkel

Das historische Walhalla-Gebäude öffnet seine Pforten für einen besonderen Aktionstag, der in Kooperation mit der World Design Capital 2026 der Region Frankfurt RheinMain stattfindet. Am Dienstag, 15. September, haben alle Bürger die Gelegenheit, sich rund um das Kulturdenkmal sowie in der nahegelegenen Mauritius-Mediathek detailliert über den aktuellen Fortschritt der Restaurierungspläne zu informieren.

Zu dem bevorstehenden Großprojekt, das wegen seiner hohen Kosten von etwa 70 Millionen Euro auch kritisch gesehen wird, erläutert Wiesbadens Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD): „Die Vorbereitungen für den Start der Sanierung des Walhalla sind getroffen. Das ist nun auch von außen deutlich wahrnehmbar. Sicher hat der eine oder die andere mitbekommen, dass der Rückbau des Seitenschiffes entlang des Festsaals in vollem Gange ist.“

Schadstoffsanierung fast beendet

Der Oberbürgermeister führt bezüglich der weiteren Arbeiten aus: „Die Schadstoffsanierung im Inneren ist fast abgeschlossen, als vorbereitende Maßnahme für die anstehende Sanierung. Der Gestaltungs- und Denkmalbeirat empfiehlt ‚auf Grundlage des vorbildlichen Gesamtinstandsetzungs- und Revitalisierungskonzepts möglichst bald mit der dringend erforderlichen denkmalgerechten Sanierung zu beginnen.‘

Dabei hebt er nachdrücklich den ‚bau- und kulturhistorischen Wert der Walhalla sowie den emotionalen Wert für mehrere Generationen der Stadtgesellschaft‘ hervor“.

Dreijährige Vorbereitungsphase

Hinsichtlich der intensiven Vorarbeiten sagt Mende weiter: „Mit viel Engagement wurde die anstehende Sanierung in den vergangenen drei Jahren geplant und wird nun zur Entscheidung der Stadtverordnetenversammlung vorgelegt.

Allen Beteiligten, den städtischen Mitarbeitenden, SEG, Architekten, Gremien, Kulturschaffenden und engagierten Bürgerinnen und Bürgern möchte ich an dieser Stelle herzlich danken, das Projekt gemeinsam mit dieser Kraft vorangetrieben zu haben.“

Neuer Ort des Zusammenhalts

Bezüglich der künftigen Bedeutung des Gebäudes betont der Rathauschef im Folgenden: „Wir entwickeln einen Ort, der mit den Mitteln der Kunst die Demokratie und den Zusammenhalt stärkt, durch die Innenstadtbelebung die Wirtschaft fördert und die Stadtgesellschaft wie auch überregional Menschen dazu einladen wird, an diesem Treffpunkt zusammenzukommen. Das möchten wir mit Ihnen im Rahmen des World Design Capital Jahres an unserem Aktionstag Walhalla feiern“.

Programmstart Schloss Freudenberg

Die Feierlichkeiten beginnen am Nachmittag um 15:00 Uhr. Den Auftakt bildet ein vom Schloss Freudenberg organisierter „Jahrmarkt der 28 Sinne“, der im direkten Umfeld des Gebäudes aufgebaut wird. Ab 16:00 Uhr stehen Informationsrunden direkt an der Baugrube in der Hochstättenstraße auf der Agenda. Martin Horsten und Thorsten Brokmann, beide tätig in der Abteilung für Denkmalschutz und Denkmalpflege der Wiesbadener Bauaufsicht, referieren unter der Überschrift „Vom Bewahren und Weitererzählen“.

Im Anschluss widmen sich ab 17:00 Uhr der Denkmalpflege-Planer Jan Schüler von B.A. Architektur sowie der Architekt Carsten von Schuckmann der historischen Entwicklung. Ihr Vortrag trägt den Titel „Wo wir stehen: Die Baugeschichte der Walhalla“.

Zukunft des Denkmals

Eine weitere Expertenrunde schließt sich um 18:00 Uhr an. Dann beleuchten Professor Felix Waechter vom Architekturbüro Waechter+Waechter und Dr. Henriette von Preuschen aus dem Landesamt für Denkmalpflege gemeinsam das Leitmotiv „Das Morgen aus dem Gestern denken“.

Für 19:00 Uhr ist ein Themenwechsel zur „Stadtgestaltung und Transformation“ in der Mauritius-Mediathek geplant. Bei einer Gesprächsrunde sitzen neben Oberbürgermeister Mende auch die Leiterin des Kulturamts Professorin Claudia Hölbling, SEG-Geschäftsführerin Professorin Ute Knippenberger sowie Architekt Professor Felix Waechter auf dem Podium.

Musik und Gebärdensprache

Geleitet wird die moderierte Runde von Vanessa Remy, die als Walhalla-Projektleiterin auch das inhaltliche Grundgerüst für den gesamten Aktionstag erarbeitet hat. Unterstützt wird das Panel zudem durch Karim Abedi, der die Beiträge simultan in Gebärdensprache übersetzt.

Für die künstlerische Untermalung sorgen Pianistin Anna Tyshayeva und Violinist Michel Gershwin. Sie präsentieren Stücke von Heinz Lewin, einem jüdischen Komponisten, der in der Zeit vor der Shoah in dem Gebäude aktiv war.

Interaktive Ausstellung öffnet

Nach dem Podiumsgespräch gibt der Oberbürgermeister offiziell eine gleichnamige Ausstellung frei, die tiefergehende Einblicke in die Umbaupläne sowie das spätere Nutzungskonzept gewährt. Interessierte können dort an einer speziellen Beteiligungswand ihre eigenen Anmerkungen zu den Vorhaben hinterlassen.

Diese Präsentation bleibt bis zum Donnerstag, den 22. Oktober, in den Räumen der Mauritius-Mediathek zugänglich. Das Ende der Ausstellungsdauer wird von einer Kooperationsveranstaltung mit der Körber-Stiftung flankiert, bei der ein abschließendes Panel den Themenkomplex „Dritter Ort – Walhalla“ behandelt.

Hintergrund und Unterstützung

Das grafische Erscheinungsbild des Aktionstages in Wiesbaden zur Sanierung des Walhalla wurde vom Design Studio callmebaby entworfen. Bei der praktischen Umsetzung des Events leisten die Mauritius-Mediathek und die Stadtentwicklungsgesellschaft mbH (SEG) organisatorische Hilfe.

Gefördert wird der Tag durch die World Design Capital Frankfurt Rhein Main 2026. Das WDC 2026 erhält wiederum finanzielle Unterstützung vom Land Hessen, der Stadt Frankfurt am Main sowie dem Kulturfonds Frankfurt RheinMain. Der Flyer zur Veranstaltung steht hier zum Download bereit.

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