Stille Stunde

Wiesbadener Bäder: Abtauchen in absoluter Ruhe

Weniger Lärm, keine lauten Durchsagen und ein entspanntes Wassererlebnis ganz ohne sprudelnde Attraktionen: Wiesbaden setzt ein wichtiges Zeichen für mehr Inklusion und Entschleunigung im Alltag. Nach dem Einzelhandel zieht nun der städtische Bäderbetrieb mattiaqua nach und schafft wöchentliche Zeitfenster für eine reizarme Auszeit. Wie das Konzept konkret umgesetzt wird und welche besonderen Regeln dann gelten, lesen Sie im Artikel.

Von: |Erschienen am: 27. August 2026 16:53|

Fotos: Stadt Wiesbaden

Die hessische Landeshauptstadt baut ihre inklusiven Angebote weiter aus und führt die sogenannte „Stille Stunde“ nun auch im Bereich der städtischen Bäder ein. Ziel dieser Maßnahme ist es, alltägliche Räume barriereärmer zu gestalten und somit die gesellschaftliche Teilhabe zu erleichtern.

Ab Mittwoch, dem 2. September, wird das Konzept wöchentlich zwischen 10:00 und 12:00 Uhr in der Kaiser-Friedrich-Therme in der Langgasse 38-40 umgesetzt. Wenige Tage später, ab Sonntag, dem 6. September, folgt das Freizeitbad in der Mainzer Straße 144, wo Besucher fortan wöchentlich von 8:00 bis 9:00 Uhr eine reizärmere Umgebung vorfinden.

Mehr Inklusion durch Ruhe

Wiesbadens Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) unterstützt die räumliche Ausweitung des Konzepts ausdrücklich. Der Rathauschef erklärt zur Einführung in den städtischen Einrichtungen:

„Mit der ,Stillen Stunde‘ schaffen wir nun auch in unseren Schwimmbädern und Thermen einen Ort, an dem Menschen mit nicht sichtbaren Beeinträchtigungen in Ruhe und ohne Reizüberflutung teilhaben können. Als Schirmherr der ,Stillen Stunde‘ freue ich mich, dass unser Bäderbetrieb mattiaqua dieses wichtige Zeichen für mehr Inklusion setzt. Sport, Bewegung und Erholung sollen für alle Menschen in Wiesbaden zugänglich sein.“

Maßnahmen gegen Reizüberflutung

Im Kern richtet sich die Initiative an Personen, die empfindlich auf laute oder stark frequentierte Umgebungen reagieren. Um eine entspannte Atmosphäre zu gewährleisten, werden in den betroffenen Zeitfenstern gezielt akustische Reize und störende Geräusche minimiert, sodass eine selbstbestimmte Nutzung der Anlagen möglich wird.

Der Betriebsleiter des städtischen Bäderbetriebs mattiaqua, Thomas Baum, setzt gemeinsam mit seinem Team auf konkrete Anpassungen vor Ort. Dazu zählen unter anderem der kontaktlose Vorab-Kauf von Online-Tickets, eine reduzierte verbale Kommunikation im Kassenbereich, ruhiges Verhalten im Bad sowie der temporäre Verzicht auf sprudelnde Wasserattraktionen. In der Therme werden zudem spezielle „stille Aufgüsse“ zelebriert.

Barrieren gezielt abbauen

Übergeordnetes Ziel des Bäderbetriebs ist es, das Freizeitangebot für eine breitere Zielgruppe zu öffnen. Die neuen Abläufe sollen Betroffenen einen entspannten Zugang zu den Wasserlandschaften garantieren:

„Mit der ,Stillen Stunde‘ möchten wir Menschen erreichen, die unsere Angebote bisher aufgrund der Reizintensität bisher nur eingeschränkt oder gar nicht nutzen konnten“, sagt Baum. „Wir freuen uns, mit diesem Angebot Barrieren abzubauen und mehr Menschen die Möglichkeit zu geben, unsere Bäder zu erleben.“

Expertenrat begleitet das Projekt

Fachliche Unterstützung erfährt die Initiative durch den Expertenrat der Stadt Wiesbaden, der die schrittweise Einführung der reizarmen Zeiten engmaschig betreut. Für Daniela Hill, Mitglied des Gremiums, ist dieser Schritt zur Barrierefreiheit von großer Bedeutung:

„Teilhabe beginnt dort, wo Menschen Angebote tatsächlich nutzen können. Für Menschen mit nicht sichtbaren Beeinträchtigungen können Lärm, Stimmen, Musik oder andere Reize zu erheblichen Barrieren werden. Die Stille Stunde schafft mit vergleichsweise einfachen Maßnahmen mehr Zugänglichkeit und ermöglicht damit ein Stück mehr Selbstbestimmung.“

Entschleunigung für alle Badegäste

Die Einführung von mehr Momenten der Inklusion und Barrierefreiheit in den Wiesbadener Schwimmbädern, Freizeitbädern und Therme etabliert sich als zentraler Baustein für eine inklusive Freizeitgestaltung in der Landeshauptstadt. Gleichzeitig profitieren nicht nur Menschen mit Beeinträchtigungen von der Maßnahme, sondern auch reguläre Besucher, die in diesen Zeitfenstern besondere Entspannung und Entschleunigung suchen.

Interessierte finden sämtliche Details zu den genauen Zeiten und Regelungen auf den Webseiten www.mattiaqua.de sowie www.wiesbaden.de/stille-stunde. Für weitergehende Rückfragen stehen zudem Karin Mültin vom Citymanagement per E-Mail an citymanagement@wiesbaden.de sowie die kommunale Inklusionsbeauftragte Andrea Hausy unter inklusionsbeauftragte@wiesbaden.de oder telefonisch unter 0611 / 315896 zur Verfügung.

P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von Wiesbadenaktuell.de und folgen Sie uns auch auf Instagram sowie auf Threads!