Behörden-Konflikt
Wechselt der Amtsleiter nach Unruhen im Wiesbadener Gesundheitsamt?
Verlässt der amtierende Leiter des Wiesbadener Gesundheitsamtes die Behörde mutmaßlich schon im Spätsommer? Ein anonymes Schreiben aus der Belegschaft wirft weiter Fragen über die interne Kommunikation und die Stimmung innerhalb der Dienststelle auf. Die Stadtverwaltung äußert sich zwar auf Anfrage nicht zu konkreten Personalien, bestätigt jedoch offene Herausforderungen und bereits eingeleitete Maßnahmen zur Klärung. Was hinter den Spekulationen steckt und wie das Rathaus nun auf die Stimmen aus der Belegschaft reagiert, lesen Sie hier.
Archivfoto
Die anhaltenden internen Querelen im Wiesbadener Gesundheitsamt, über die Wiesbadenaktuell bereits in den vergangenen Wochen berichtete, gewinnen an neuer Dynamik. Ein aktuelles anonymes Schreiben aus der Belegschaft deutet darauf hin, dass Amtsleiter Gracien, der die gegen ihn erhobene Vorwürfe als „gezielte Kampagne“ zurückwies, zum 1. September zum Gesundheitsamt des Rheingau-Taunus-Kreises wechseln soll. Die Verfasser des Schreibens äußern deutliche Kritik an dem Informationsfluss und geben an, dass die Mitarbeiter bis heute nicht offiziell über den bevorstehenden Wechsel in Kenntnis gesetzt wurden.
Zudem wird eine durchgehende Abwesenheit des Amtsleiters seit Ende Juni von insgesamt sechs Wochen beklagt, über die das Team ebenfalls nicht vorab informiert worden sei. Dem Schreiben nach habe sich die Partei Die Linke politisch für die Neubesetzung im Rheingau eingesetzt. Innerhalb der Belegschaft blicke man der Zukunft ab September mit Erleichterung entgegen.
Stadtverwaltung bezieht Stellung
Die Landeshauptstadt Wiesbaden hat sich zu den Gerüchten um einen personellen Wechsel an der Amtsspitze bislang neutral positioniert und die Personalie weder bestätigt noch dementiert. Auf Anfrage unserer Redaktion teilte die Stadtverwaltung jedoch detailliert mit, welche Schritte bereits eingeleitet wurden, um die Situation innerhalb der Behörde aufzuarbeiten.
Die Stadt informierte hierzu: „Zur Analyse der offenen Herausforderungen und dem Grund für die; zumindest teilweise; Unzufriedenheit der Mitarbeiter des Gesundheitsamtes, insbesondere mit der dortigen Führung, hat die Landeshauptstadt Wiesbaden eine externe Beraterin beauftragt, in Gruppen und gegebenenfalls in Einzelgesprächen die entsprechenden Aspekte zu erfragen und geordnet zusammenzustellen. Für diese Gesprächen gab es eine Vielzahl von Anmeldungen, allerdings nicht von allen Beschäftigten.“
Direkter Austausch mit dem Oberbürgermeister
Die Stadtverwaltung führte weiter aus: „Noch während der Anmeldephase zu diesen Gesprächen baten eine erhebliche Zahl an Beschäftigten über die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte sowie die Schwerbehindertenvertretung um Gespräche mit Herrn Oberbürgermeister Mende (SPD). Diese teilweise sehr umfangreichen, vertrauensvollen Gespräche führten zu einer klaren Erkenntnis, wo die konkreten Probleme des Amtes liegen.
Vor diesem Hintergrund wurden die Analysegespräche der externen Moderatorin abgesagt. Oberbürgermeister Mende hat alle Beschäftigten des Gesundheitsamtes in Zusammenarbeit mit Melina Löbcke (Die Linke) sowie den Interessenvertretungen im Juni 2026 zu einem gemeinsamen Gespräch eingeladen. Hier wurde dargestellt, welche Probleme seitens des Arbeitgebers verstanden wurden.“
Maßnahmen für eine zukünftige Neuausrichtung
Um das Arbeitsklima im Gesundheitsamt nach der Kritik nachhaltig zu verbessern und die definierten Problemstellungen gezielt anzugehen, wurde für die kommenden Wochen ein strukturiertes Folgeverfahren vereinbart. Die Pressestelle der Stadt Wiesbaden erläuterte das weitere Vorgehen wie folgt: „Im Rahmen des Austauschs wurde verabredet, dass nun Gespräche mit der Moderatorin dazu stattfinden, wie konkret die nun bekannten Problemstellungen angegangen werden können. Diese Gespräche finden grundsätzlich freiwillig als Einzelgespräche statt, auf Wunsch aber auch in selbstgewählten Gruppen.
Parallel dazu wird es eine anonyme Befragung aller Beschäftigten geben, die ebenfalls zu Vorschlägen für ein besseres Miteinander führen soll. Hier liegt zwischenzeitlich die Zustimmung des Personalrates vor. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass die Landeshauptstadt Wiesbaden generell keine Auskünfte zu arbeitsvertraglichen Grundlagen von Mitarbeitenden geben darf. Der nun gestartete Prozess wird, unabhängig von Einzelpersonen, durchgeführt, damit auch künftig das Miteinander im Amt verbessert werden kann“
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