Kriminalität

92-Jähriger in Kostheim eiskalt abgezockt: Senior übergibt Vermögen nach dramatischem „Schockanruf“ an Betrüger

Ein extrem skrupelloser Fall von Trickbetrug hat sich am Freitagnachmittag in dem Wiesbadener Stadtteil Kostheim zugetragen. Mit der perfiden Lüge über einen vermeintlich tödlichen oder schweren Unfall eines nahen Angehörigen bauten die Täter am Telefon bei dem 92-Jährigen einen unerträglichen psychischen Druck auf. Am Ende glaubte der verängstigte Mann den falschen Polizisten und händigte einem unbekannten Abholer eine größere Menge Bargeld aus. Die Wiesbadener Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen, sucht dringend Zeugen der Geldübergabe und warnt nochmals eindringlich vor dieser kriminellen Masche.

Von: |Erschienen am: 21. Juni 2026 13:15|

Symbolfoto

Das Spiel mit den tiefsten Ängsten älterer Menschen hat in Wiesbaden erneut zu einem finanziellen und emotionalen Drama geführt. Am Freitagnachmittag, 19. Juni, geriet ein hochbetagter Kostheimer in das Visier einer organisierten Betrügerbande. Im Zeitraum zwischen 14:00 und 18:45 Uhr hielten die Täter den Senior über Stunden in der Telefonleitung gefangen.

Die Unfall-Lüge – Massiver psychischer Druck am Telefon

Die Betrüger gingen nach der bekannten und leider immer noch erfolgreichen Methode des sogenannten „Schockanrufs“ vor. Sie kontaktierten den 92-Jährigen mehrfach hintereinander und gaben sich am Telefon als hochrangige Polizeibeamte aus. Den wehrlosen Mann spiegelten sie eine dramatische Geschichte vor: Ein naher Angehöriger habe angeblich einen schweren Verkehrsunfall verursacht. Um eine sofortige und monatelange Haftstrafe abzuwenden, müsse nun umgehend eine Kaution in fünfstelliger Höhe hinterlegt werden.

Die Täter agierten dabei rhetorisch so geschickt und aggressiv, dass das Opfer in der Schocksituation jede Skepsis verlor. In seiner tiefen Sorge um das Familienmitglied erklärte sich der Senior schließlich bereit, sein im Haus gelagertes Bargeld zu opfern.

Geldübergabe in Kostheim

Nachdem die Kriminellen ihr Opfer am Telefon weichgeklopft hatten, wurden die Übergabemodalitäten vereinbart. Zu einem späteren Zeitpunkt erschien ein den Anrufern angekündigter, bislang unbekannter männlicher „Abholer“ an der Wohnanschrift des Geschädigten. Der völlig eingeschüchterte 92-Jährige händigte dem Mann an der Tür eine größere Menge Bargeld aus.

Erst als der Abholer mit der Beute längst über alle Berge war und der Senior später eigenständig Kontakt zu seinen echten Verwandten aufnahm, flog der schreckliche Betrug auf. Die fassungslosen Angehörigen verständigten sofort die echte Polizei.

Zeugen gesucht – Wer hat den Abholer am Freitagnachmittag gesehen?

Das zuständige Fachkommissariat der Wiesbadener Kriminalpolizei leitet die Ermittlungen und sucht nun nach Zeugen, denen am Freitagnachmittag im Bereich Mainz-Kostheim verdächtige Personen oder Fahrzeuge aufgefallen sind. Da der Abholer zu Fuß oder mit einem Fluchtfahrzeug in den späten Nachmittagsstunden unterwegs gewesen sein muss, hoffen die Ermittler auf Beobachtungen aus der Nachbarschaft. Hinweise werden unter der zentralen Rufnummer 0611 / 345-0 entgegengenommen.

Wichtiger Warnhinweis Ihrer Polizei:

Die Polizei Wiesbaden betont aus aktuellem Anlass noch einmal die wichtigsten Verhaltensregeln, um sich und ältere Angehörige vor diesen Tätern zu schützen:

  • Keine Kautionszahlungen: In Deutschland wird eine Behörde, die Justiz oder die Polizei von Ihnen niemals eine Kautionszahlung per Telefon verlangen oder Bargeld an der Haustür abholen!

  • Sofort auflegen: Beenden Sie solche verdächtigen Gespräche immer sofort. Legen Sie aktiv den Hörer auf – lassen Sie sich nicht weiterverbinden!

  • Notruf wählen: Wählen Sie nach dem Auflegen eigenständig den Notruf 110 oder kontaktieren Sie Ihre Angehörigen unter der Ihnen bekannten, alten Nummer, um die Geschichte zu überprüfen.

Mehr aktuelle Polizeiberichte, Blaulicht-Meldungen und Nachrichten für die Landeshauptstadt finden Sie täglich in unseren verschiedenen Rubrik auf Wiesbadenaktuell.de.

P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von Wiesbadenaktuell.de und folgen Sie uns auch auf Instagram sowie auf Threads!