Regenbogenempfang
CSD-Auftakt im Rathaus: Wiesbaden feiert Vielfalt und stärkt Schutz für die queere Community
Feierlicher Auftakt zur Christopher-Street-Day-Woche in der hessischen Landeshauptstadt. Am Freitag, 22. Mai, kamen Vertreterinnen und Vertreter der queeren Community, der Stadtpolitik und der Zivilgesellschaft im Festsaal des Rathauses zusammen. Neben der Würdigung des unermüdlichen ehrenamtlichen Engagements von LSBT*IQ-Gruppen standen in diesem Jahr auch die Ergebnisse einer aktuellen Sicherheitsstudie sowie das 40-jährige Jubiläum der Aidshilfe im Fokus.
Symbolfoto
Wenn die Regenbogenfahne vor dem Rathaus am Schlossplatz weht, rückt die hessische Landeshauptstadt traditionell die Rechte und die Sichtbarkeit sexueller und geschlechtlicher Minderheiten ins Rampenlicht. Wiesbadens Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) und Bürgermeisterin Christiane Hinninger (Grüne) luden zum etablierten Regenbogenempfang, der seit seiner Premiere im Jahr 2019 als fester Gradmesser für Vielfalt und als wichtiges Netzwerk-Treffen der Wiesbadener LSBT*IQ-Community gilt. Zugleich bildet die Veranstaltung alljährlich die offizielle Einstimmung auf den Christopher Street Day (CSD), der am kommenden Wochenende im Stadtgebiet gefeiert wird.
„Es braucht Menschen, die sich einbringen, die Haltung zeigen und die eine vielfältige Gesellschaft als ein bewahrenswertes Gut betrachten“, betonte Oberbürgermeister Mende in seiner Ansprache vor den geladenen Gästen. „Je mehr von uns diese Überzeugung nach außen leben, desto weniger geben wir Ausgrenzung und Feindseligkeit eine Chance.“
Mehrheit fühlt sich sicher, doch die Dunkelziffer bei Diskriminierung ist hoch
Ein zentrales Thema des diesjährigen Empfangs waren die Ergebnisse einer umfassenden wissenschaftlichen Erhebung aus dem vergangenen Jahr. Dabei wurden Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans*, intergeschlechtliche und queere Menschen in Wiesbaden detailliert zu ihren Gewalt- und Diskriminierungserfahrungen sowie zu ihrem subjektiven Sicherheitsempfinden im öffentlichen Raum befragt.
Das Ergebnis zeichnet ein gemischtes Bild: Die erfreuliche Nachricht ist, dass sich die Mehrheit der Befragten im Wiesbadener Stadtgebiet grundsätzlich sicher fühlt. Demgegenüber steht jedoch eine besorgniserregend hohe Zahl von dokumentierten negativen Erfahrungen im Alltag. Viele Teilnehmende berichteten von abwertenden Blicken, Anstarren, verbalen Beschimpfungen und konkreten Bedrohungen in der Öffentlichkeit. In vereinzelten, extremen Fällen kam es sogar zu handgreiflichen, physischen Übergriffen.
Bürgermeisterin Christiane Hinninger fand hierzu klare Worte: „Auch wenn sich homofeindliche oder transfeindliche Straftaten nur selten im Polizeibericht finden, so gilt doch: Jeder Fall von Gewalt und Diskriminierung gegen Angehörige sexueller und geschlechtlicher Minderheiten ist einer zu viel.“ Das Problem sei, dass sich Betroffene aus Scham oder Angst nur selten an die Behörden wenden. „Das wollen wir ändern. Niemand soll mit solchen Erfahrungen allein bleiben.“
Enge Kooperation mit Polizei – „Gemeinsam. Sicher. Queer.“
Um das Vertrauen in die Strafverfolgungsbehörden nachhaltig zu stärken und Betroffenen niederschwellige Hilfe anzubieten, intensiviert der Wiesbadener Magistrat die strategische Zusammenarbeit mit dem Polizeipräsidium Westhessen.
Ein wichtiger Baustein dieser Partnerschaft war die erst in der vergangenen Woche erfolgreich durchgeführte Sprechstunde „Gemeinsam. Sicher. Queer.“ direkt im Rathaus. Hier hatten Ratsuchende und Betroffene die Gelegenheit, in einem geschützten Rahmen vertrauliche Gespräche mit der städtischen LSBTIQ-Koordinierungsstelle sowie den eigens geschulten LSBTIQ-Ansprechpersonen der hessischen Polizei zu führen und sich über konkrete Opferschutz- und Unterstützungsangebote zu informieren.
40 Jahre Aidshilfe Wiesbaden und musikalischer Ausklang
Neben den ernsten gesellschaftspolitischen Themen gab es auf dem Empfang auch Grund zum Feiern: Anlässlich des stolzen 40-jährigen Bestehens der Aidshilfe Wiesbaden e.V. trat der Gründer und langjährige Vorsitzende Hans A. Kloos ans Rednerpult. Er blickte in emotionalen Worten auf vier Jahrzehnte unermüdliche Aufklärungsarbeit, Beratung und gelebte Solidarität in der Landeshauptstadt zurück.
Den feierlichen und harmonischen Abschluss des offiziellen Teils gestaltete der bekannte queere Wiesbadener Chor „Die Uferlosen“, der die Gäste im Festsaal mit einem mitreißenden musikalischen Beitrag in den anschließenden Netzwerk-Abend und die bevorstehende CSD-Woche verabschiedete.
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