Regenbogen-Analyse

Die Ergebnisse der Wiesbadener LSBT*IQ-Befragung sind da

Beleidigungen, Bedrohungen und unsichere Abende am Bahnhofsvorplatz: Die erste offizielle Befragung zur Lebenssituation von LSBT*IQ-Personen in der Landeshauptstadt liefert teils erschreckende Erkenntnisse. Warum viele Straftaten nie bei der Polizei landen und an welchen Orten in Wiesbaden die Angst mitläuft.

Von: |Erschienen am: 29. April 2026 17:18|

Archivfoto

Bürgermeisterin Christiane Hinninger (Bündnis 90/Die Grünen) präsentierte am Mittwoch, 29. April, im Rathaus die Resultate einer wegweisenden Untersuchung. Erstmals wurde die Lebenssituation von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans*, intergeschlechtlichen und queeren Menschen (LSBT*IQ) in der Landeshauptstadt systematisch erfasst.

Im Fokus der Online-Befragung standen insbesondere Diskriminierungserfahrungen sowie das subjektive Sicherheitsempfinden der Community im Stadtgebiet.

Einblick in das Dunkelfeld

Über 200 Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, um über ihren Alltag in Wiesbaden zu berichten. Die Erhebung liefert wertvolle Daten jenseits der offiziellen Kriminalstatistik und macht Vorfälle sichtbar, die häufig nicht zur Anzeige gebracht werden.

Die Ergebnisse zeichnen ein differenziertes Bild: Während sich die Mehrheit der Befragten tagsüber in Wiesbaden sicher fühlt, ändert sich dies mit Einbruch der Dunkelheit massiv. Besonders die Innenstadt, das Westend, der Bahnhofsvorplatz sowie Bushaltestellen wurden als Orte genannt, an denen das Unsicherheitsempfinden steigt.

Gewalt und geringe Anzeige-Bereitschaft

Die Studie belegt, dass Anfeindungen für einen Teil der Community zur Realität gehören. Das Spektrum reicht von verbalen Beleidigungen und Bedrohungen bis hin zu körperlicher Gewalt und sexueller Belästigung. Ein zentrales Problem bleibt die niedrige Anzeigenquote.

Viele Betroffene schrecken vor dem bürokratischen Aufwand oder den Unwägbarkeiten eines Verfahrens zurück. Hier sehen Stadt und Polizei Handlungsbedarf, um Barrieren abzubauen und das Vertrauen in die Institutionen zu stärken.

Support für Betroffene

Bürgermeisterin Christiane Hinninger betonte die Notwendigkeit weiterer Schritte: „Unsere Studie zeigt, dass wir in den kommenden Jahren noch viel zu tun haben. Es ist nicht akzeptabel, dass sich viele homosexuelle, bisexuelle und trans* Personen insbesondere im öffentlichen Raum unsicher fühlen oder sogar Angriffen ausgesetzt sind.

Wir nehmen die Ergebnisse sehr ernst und arbeiten gezielt an Maßnahmen, etwa an einer besseren Sichtbarkeit und Vernetzung von Unterstützungsangeboten für Betroffene. Auch die Zusammenarbeit mit der Polizei bleibt wichtig. Wer Opfer einer Straftat wird, soll Vertrauen haben, dass die Polizei hilft.“

Polizei setzt auf Vertrauensarbeit

Gemeinsam mit der Polizei Westhessen sollen die Erkenntnisse nun in konkrete Präventionsarbeit fließen. Polizeivizepräsidentin Katrin Thaler unterstrich die klare Haltung der Behörde: „Straftaten aufgrund der sexuellen oder geschlechtlichen Identität haben in unserer Gesellschaft keinen Platz – das Polizeipräsidium Westhessen geht konsequent dagegen vor.“

Thaler hob zudem die Rolle spezieller Ansprechpersonen hervor: „Unser Ziel ist klar: Wir wollen mehr LSBT*IQ-feindliche Straftaten ins Hellfeld bringen, indem wir ansprechbar sind und das Vertrauen stärken. Unsere Ansprechpersonen sind ein wichtiges Bindeglied zur Community, sie schaffen Vertrauen und begleiten Betroffene auf Augenhöhe.“

Positive Resonanz auf bisherige Projekte

Trotz der Defizite beim Sicherheitsempfinden gibt es positive Signale: Bestehende Maßnahmen wie die Regenbogenbeflaggung am Rathaus zum CSD oder zum IDAHOT, die finanzielle Förderung des Christopher Street Days sowie die Etablierung des Queeren Zentrums werden von der Zielgruppe sehr geschätzt. Auf diesem Fundament möchte die Stadtverwaltung aufbauen.

Queer-Befragung online

Zum Abschluss bekräftigte Hinninger: „Die Landeshauptstadt Wiesbaden steht an der Seite der LSBT*IQ-Community. Diese Haltung werden wir auch künftig deutlich nach außen vertreten und mit konkreten Maßnahmen unterlegen.“

Interessierte Bürger können die vollständige Stadtanalyse „Queeres Leben in Wiesbaden“ ab sofort hier auf der offiziellen Webseite der Stadt Wiesbaden einsehen.