Kunsterbe
Über 100 Werke im Fokus: Große Lührig‑Schau eröffnet im Landesmuseum
In Wiesbaden wird das Werk des lange übersehenen Künstlers Georg Lührig neu beleuchtet. Eine Ausstellung zeigt jetzt zentrale Arbeiten aus mehreren Schaffensphasen und macht zugleich verlorene Fresken digital erfahrbar. Ein umfassender Blick auf einen bedeutenden Vertreter des Jugendstils und Symbolismus.
Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert - Jürgen Parkinski
Im Museum Wiesbaden widmet sich eine umfangreiche Sonderausstellung dem Jugendstil- und Symbolismusmaler Georg Lührig, dessen künstlerisches Schaffen über viele Jahre kaum Beachtung fand.
Über Jahrzehnte lag ein Großteil seines Nachlasses im Besitz der Familie. Jetzt wird er erstmals umfassend restauriert und öffentlich präsentiert.
Ein Künstler zwischen Jugendstil und Symbolismus
Georg Lührig, 1868 in Göttingen geboren und fast fünf Jahrzehnte in Dresden tätig, prägte gemeinsam mit Künstlern wie Hans Unger, Sascha Schneider, Oskar Zwintscher und Richard Müller eine eigenständige Bildsprache.
Seine Arbeiten reichen von geheimnisvollen symbolistischen Kompositionen bis zu eindrucksvollen Jugendstilgemälden. In Wiesbaden war Lührig zuletzt zwischen 1909 und 1916 regelmäßig vertreten.
Monumentale Fresken als verlorenes Erbe
Besonders berühmt waren Lührigs monumentale Wandbilder für öffentliche Gebäude in Dresden, die im Krieg zerstört wurden. „Sie sind als Herzstück seines OEuvres anzusehen und zeigen Lührigs kunsthistorische Bedeutung als herausragender Freskenmaler in Dresden“, erklärt Kurator Dr. Peter Forster.
Die erhaltenen Entwürfe und Studien besitzen daher eine besondere kulturhistorische Bedeutung und bilden zentrale Höhepunkte der Ausstellung.
Vielfältiges Schaffen und prägende Jahre
Lührig arbeitete in zahlreichen Techniken, von Kohle und Bleistift über Aquarell bis zur Lithografie. Reisen nach Rumänien beeinflussten sein Werk ebenso wie seine Zeit als Kriegsmaler 1915/17. 1916 wurde er an die Akademie für Bildende Künste Dresden berufen, wo er als Professor und späterer Rektor maßgeblich an Reformen beteiligt war.
Trotz seiner Ausbildung verstand er sich stets als Autodidakt, eine Haltung, die auch seine Lehrtätigkeit prägte.
Restaurierung und Nachlass als Grundlage der Schau
Ein umfangreicher Nachlass aus Familienbesitz ermöglichte ein aufwendiges Restaurierungsprojekt. „Wir danken allen Familienmitgliedern für das Vertrauen und die Großzügigkeit, mit der dieses Konvolut von über 30 Werken nun dauerhaft für die Öffentlichkeit erhalten werden kann“, betont Museumsdirektor Dr. Andreas Henning. Unterstützt wurde das Projekt von mehreren Kulturstiftungen sowie dem Land Hessen.
Digitale Rekonstruktionen und interaktive Einblicke
Die Ausstellung verbindet klassische Präsentation mit digitalen Vermittlungsangeboten. Interaktive Stationen machen zerstörte Fresken sichtbar, rekonstruieren historische Wandbilder und geben Einblicke in Archiv- und Forschungsarbeit.
Acht Themenbereiche führen durch Lührigs Schaffen – von frühen Studien bis zu monumentalen Projektionen der Fresken „Der Tag — Sieg des Lichts“ und „Die Nacht“.
Bedeutung für Forschung und Kultur
„Das Museum Wiesbaden leistet einen wichtigen Beitrag dazu, das Werk von Georg Lührig präsent zu halten und auch zerstörtes Kulturgut mithilfe virtueller Rekonstruktionen erfahrbar zu machen“, sagt Staatsminister Timon Gremmels.
Verlässliche Kulturdaten seien eine zentrale Grundlage für Wissenschaft und zukünftige digitale Anwendungen.
Begleitprogramm und Publikation
Zur Georg Luehrig Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog im Deutschen Kunstverlag. Eine kostenfreie Media‑Tour in der MuWi‑App ergänzt den Rundgang. Die Schau wird von mehreren Kulturstiftungen und Partnern unterstützt.
Eintritt und Informationen
Sonderausstellungen im Museum Wiesbaden kosten 12 Euro regulär und 9 Euro ermäßigt; Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben freien Eintritt. Schulklassen und pädagogische Gruppen können die Ausstellung ebenfalls kostenfrei besuchen.
Weitere Informationen stehen unter www.museum-wiesbaden.de/kalender.
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