Gesundheitspolitik
Protest gegen Honorarkürzungen: Sorge um psychische Versorgung wächst
Auch in Wiesbaden wächst die Sorge um die psychotherapeutische Versorgung: Während die Bedarfe steigen, drohen neue Kürzungen die Lage weiter zu verschärfen und genau dagegen formiert sich nun deutlicher Protest.
Symbolfoto: DAK
Psychotherapeuten versammeln sich am Mittwoch 15. April, ab 13:00 Uhr auf dem Mauritiusplatz, um gegen die geplante Absenkung ihrer Honorare zu protestieren.
Auch Milena Löbcke (Die Linke), Gesundheitsdezernentin der Landeshauptstadt Wiesbaden, stellt sich hinter die Forderungen der Berufsgruppe und spricht sich klar gegen die Kürzungen aus.
Wachsende Nachfrage nach Therapieplätzen
Löbcke verweist darauf, dass der Bedarf an psychotherapeutischer Unterstützung seit Jahren steigt, auch in Wiesbaden. Immer mehr Menschen seien bereit, sich bei psychischen Belastungen Hilfe zu suchen.
Besonders für Kinder und Jugendliche habe sich die Lage seit der Corona-Pandemie deutlich zugespitzt. Die Versorgung sei bereits jetzt unzureichend, während die kommunalen Handlungsmöglichkeiten begrenzt seien.
Kritik an der geplanten Honorarsenkung
Vor diesem Hintergrund hält die Dezernentin die geplante Kürzung für ein fatales Signal. Sie sagt: „Die Senkung der Honorare der Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten um 4,5 Prozent ist ein völlig falsches Signal. Deshalb unterstütze ich die bundesweiten Proteste, von denen die heutige Kundgebung ein Teil ist.
Die Bedarfe an Psychotherapie steigen auch in Wiesbaden kontinuierlich. Es ist gut, dass immer mehr Menschen bei psychischen Belastungen bereit sind, sich Hilfe zu suchen. Gerade für Kinder und Jugendliche ist die Versorgungslage, mit einem deutlichen Anstieg seit Corona, allerdings schon jetzt völlig unzureichend. Als Kommune haben wir kaum Handlungsmöglichkeiten in diesem Bereich, müssen aber die Folgen in vielen Settings aushalten und versuchen auszugleichen.“
Warnung vor Folgen
Weiter erklärt die Sozialpolitikerin: „Vor diesem Hintergrund ist die Honorarkürzung völlig unverständlich. Sie suggeriert den Therapeutinnen und Therapeuten, ebenso wie den Patientinnen und Patienten, dass das Thema psychische Gesundheit keinen hohen Stellenwert besitzt und angeblich überbezahlt sei. Das ist falsch und nicht nachvollziehbar.
Im schlimmsten Fall wird es zu einer Verringerung der Behandlungskapazitäten führen und die schwierige Situation für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen weiter verschlechtern. Und auch hier gilt: Drohende Chronifizierungen werden die vermeintlichen Einsparungen volkswirtschaftlich dann verpuffen lassen. Ich fordere Krankenkassen auf, diese Entscheidung im Sinne einer guten Gesundheitsversorgung umgehend zurückzunehmen.“
Auswirkungen auf die Versorgung
Milena Löbcke warnt, dass Honorarkürzungen die Attraktivität des Berufs mindern und langfristig zu weniger Therapieangeboten führen könnten. Dies würde die ohnehin angespannte Lage weiter verschärfen und Betroffene noch länger auf notwendige Unterstützung warten lassen.
Die Gesundheitsdezernentin wird auf Einladung der Initiative auch selbst bei der Protestveranstaltung in Wiesbaden sprechen und ihre Unterstützung für die Forderungen der Psychotherapeuten bekräftigen.
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