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Wiesbaden Kommunalwahl: CDU vorne, mehrere Parteien legen zu

Nach einem langen Wahlabend steht der Trend fest. Die CDU behauptet sich mit 26,3 Prozent als stärkste Kraft in Wiesbaden, während SPD, AfD, Linke und Volt zulegen und GRÜNE sowie FDP verlieren.

Von: |Erschienen am: 16. März 2026 00:31|

Fotos: Regina Gollor, Daniel Becker, Joshua Ziß

Lange musste man auf das Endergebnis der Stadtverordnetenwahl warten. Das vorläufige Trendergebnis lag erst zur späten Stunde vor. Die CDU holte 26,3 % der Stimmen (23,5 /2021) und bleibt damit stärkste Partie in Wiesbaden. Die SPD erreichte 22,2 % (20,3), die GRÜNEN 15,3 % (21,4 %), die AfD 12,7 % (6,5 %). Die Linke erreichten 7,8% (6,2 %), die FDP 5,0 % (10,4 %), Volt 4,5 % (3,8 %). Die Freien Wähler erreichten 1,8 %, BSW 1,5 %, PRO Auto 1,2 %. Weitere Gruppierungen blieben unter 1 %. Die CDU, die SPD, die AfD, die Linken und Volt konnten Stimmenzuwächse erzielen. Die GRÜNEN und die FDP büßten einige Prozentpunkte ein. Die Wahlbeteiligung lag bei 48,0 %.

Weiterhin liegen die Trendergebnisse der Ortsbeiräte vor. Die Auszählungen werden am Montag fortgesetzt. Bisher wurden nur die Wahlzettel mit Listenkreuz ausgewertet. Bis Dienstag sollen alle Ergebnisse vorliegen.

Wiesbadenaktuell.de hat bei den Parteien nachgefragt, wie sie das Trendergebnis bewerten.

Georgi: Unsere Kernthemen haben die Wähler erreicht

„Wir wollten wieder stärkste Kraft werden, noch mal was zulegen und mit Abstand stärkste Kraft werden – das sieht so aus, als sei uns das gelungen, also bin ich sehr froh. Unsere Kernthemen wie Leerstand Innenstadt, Wirtschaft, Verkehr und Sicherheit haben den Nerv der Leute getroffen. Wenn die SPD uns nicht wieder den Stuhl vor die Tür stellt, werden wir sehen, ob es reicht, das Linksbündnis abzuwählen, und dann bewerten, was möglich ist. Aus unserer Sicht sind wir offen für Gespräche mit allen demokratischen Parteien. Zum ersten Mal möchten wir eine Regierungskoalition anführen, gegen den Leerstand angehen, Wiesbaden wirtschaftsfreundlicher machen und eine Verkehrspolitik, die alle Verkehrsteilnehmer im Blick hat“, sagt Daniela Georgi von der CDU.

Gottwald: Zum ersten Mal seit 29 Jahren wieder Stimmen hinzugewonnen

„Die Stimmung ist super, wir haben im Vergleich zur letzten Kommunalwahl deutlich hinzugewonnen. Meistens legen wir von Sonntag auf Montag noch einmal zu, wenn die kumulierten und panaschierten Stimmen dazukommen. Die SPD hat seit 29 Jahren zum ersten Mal bei einer Kommunalwahl wieder hinzugewonnen – das ist ein starker Vertrauensbeweis. Ich bin unserer Partei und allen Wählerinnen und Wählern dankbar, dass sie unseren Kurs heute so deutlich gestärkt haben“, sagt Silas Gottwald von der SPD.

Bonnet: Besseres Ergebnis erhofft

„Wir hätten uns ein besseres Ergebnis erhofft, sehen es aber realistisch nach dem Rekordergebnis vor fünf Jahren. Das Klima-Thema hat diesmal weniger bewegt. Wir müssen schauen, was die Mehrheitsfindung ergibt und mit welchen Konstellationen wir diese Stadt mit grünen Inhalten gestalten können“​, sagt Gesine Bonnet von den Grünen. „,Unser Mitgliederzuwachs auf knapp 800 Mitglieder ist enorm. Letztes Jahr wuchs die Partei um 25 Prozent. Wir haben deutlich mehr aktive Mitglieder“​, erklärt Martin Kraft. „Wir setzen auf Energiewende, Schulen und Mobilität. Stadtteilgruppen sollen sichtbar bleiben, um langfristig Wähler zu gewinnen“, erklärt Rebecca Thomas von den Grünen.

Seldenreich: Stimmen verdoppelt

„Wir haben unsere Stimmen bei der Kommunalwahl verdoppelt und bleiben stärkste Opposition im Rathaus – das war mein Ziel als Spitzenkandidat. Der intensive Wahlkampf mit unserem starken Team hat Bürgersorgen aufgegriffen, die wir nun umsetzen: mehr Sicherheit, besseren ÖPNV und Verkehr sowie eine solide Finanzlage für Wiesbaden. Wir konnten unsere Mitgliederzahl von ca. 70-80 auf 156 Mitglieder steigern, wir machen weiter“, so Denis Seldenreich von der AfD.

Löbcke: Bestes Wahlergebnis in Wiesbaden

„Es ist das beste Wahlergebnis, was wir als Linke in Wiesbaden hier erreicht haben. Die Partei war so aktiv wie noch nie, wir haben so viel abgerissen wie noch nie. Wir kommen da aus einem 6%-Loch, jetzt sind wir zumindest mit der 7 vorne. Ein ganz großes Ding wird in den nächsten Jahren auf jeden Fall die Gesundheitspolitik in Wiesbaden sein. Wir setzen gezielt Akzente im Bereich Integration und Migration, wo andere quasi dagegen hetzen. Wir wünschen uns, dass diese gute und solidarische Zusammenarbeit zwischen den Parteien noch weitergeht“, so Jona Löbcke von den Linken.

Diers: Nicht zufrieden mit dem Ergebnis

„Über das Ergebnis sind wir sicherlich nicht zufrieden, aber erleichtert, dass es ja, so wie es jetzt aussieht, um die 5% landen wird. Der intensive Wahlkampf hat noch mal sehr deutlich gezeigt, dass wir deutlich über dem Bundestrend sind. Wir sind angetreten, um vor allen Dingen in der Verkehrspolitik in Wiesbaden was zu verändern“, so Christian Diers von der FDP.

Lüttich: Guter Aufwärtstrend

„Das Ergebnis ist es ja noch nicht, wir warten noch gespannt auf die Endauszählung. Bis morgen ist es auf jeden Fall schon mal positiv, besser als bei den letzten Wahlen. Verdoppelt haben wir uns noch nicht, was unser Ziel war, aber ist schon mal ein guter Aufwärtstrend. Wir freuen uns, wir wachsen, wir werden wahrgenommen, das ist schön“, erklärt Moira Lüttich von Volt.

Bedürftig: Zwei Sitze im Stadtparlament gehalten

„Ich danke den Wählern für die Stimmen und ich denke, dass wir unser Ziel erreicht haben, dahingehend, dass wir unsere zwei Sitze im Stadtparlament wieder zurückerobert haben oder gehalten haben. Ich hoffe, dass sich das morgen noch mal entsprechend beim Kumulieren und Panaschieren noch mal entsprechend verfestigt. Wir wollen natürlich hier einen vernünftigen Nahverkehr haben in Wiesbaden, das heißt, dass es hier alles wieder gut läuft. Die Citybahn soll auf jeden Fall nicht kommen und wir wünschen uns natürlich, dass die ESWE Verkehr entsprechend gestärkt wird – wir sind auch aufgeschlossen für moderne innovative Nahverkehrskonzepte, beispielsweise eine Seilbahn könnten wir uns gut vorstellen“, so Matthias Bedürftig von den Freien Wählern.

Hill: Hatten uns mehr erhofft

„Also zufrieden können wir damit natürlich nicht sein. Wir haben unser Mandat gehalten, das ist natürlich schön, aber wir hatten uns natürlich mehr erhofft und das ist halt dann doch etwas bedauerlich nach all dem der Arbeit, die wir da auch reingesteckt haben. Da kann man schon fast von Vollzeit sprechen, obwohl ich ja schließlich noch normal arbeite“, sagt Christian Hill von Pro Auto.

Motivation der Wähler

Wiesbadenaktuell.de hat mehrere Personen befragt, warum sie zur Kommunalwahl gegangen sind.

„Man sollte auf jeden Fall wählen gehen und von seinem Wahlrecht Gebrauch machen. Das kommt den demokratischen Parteien zugute, die sich für die Werte der Gesellschaft einsetzen“, sagt Michael aus Breckenheim.

„Es ist sehr wichtig wählen zu gehen. Die Parteien und Politiker setzen sich für uns und für unsere Belange ein. Deswegen habe ich heute mein Kreuz gesetzt“, so Nadja Stanzel aus Breckenheim.

„Es ist selbstverständlich, dass ich wählen gehe, deswegen bin ich auch heute hier, um meine Stimme abzugeben. Ich habe mich über die verschiedenen Programme etwas informiert und habe die Partei gewählt, die sich für meine Interessen, für meine Belange und für die wichtigen entscheidenden Punkte in der Stadtpolitik auseinandersetzt“, so Carsten Coburg, Wiesbaden Innenstadt.

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Hier geht es zu 3 Fotostrecken mit Reaktionen und Stimmungen der Wiesbadener Parteien

Impressionen  von der CDU am Sonntag, 15. März 2026



Impressionen von den Grünen, Volt, Die Linken, AfD, FDP, FWG/pro auto am Sonntag, 15. März 2026