Jüdisches Erbe
200 Jahre Synagogeneinweihung – eine Geschichte, die bis heute mahnt
Zwei Jahrhunderte nach der Einweihung der ehemaligen Synagoge in der Schwalbacher Straße rückt ein oft übersehenes Kapitel der Stadtgeschichte wieder ins Licht. Was heute selbstverständlich wirkt, musste sich die jüdische Gemeinde einst mühsam erkämpfen, gegen Widerstände, Regeln und Unsichtbarkeit. Das Jubiläum lädt dazu ein, genauer hinzuschauen: Wie kam es zu diesem Gotteshaus, welche Hürden prägten seinen Weg, und warum ist die Erinnerung daran gerade jetzt so bedeutsam?
Foto: Benjamin_Dahlhoff
Ein historisches Jubiläum rückt näher: Im Jahr 2026 jährt sich die Einweihung der ehemaligen Synagoge in der Schwalbacher Straße zum 200. Mal.
Für Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) ist dies ein Anlass, an ein prägendes Kapitel jüdischer Geschichte in Wiesbaden zu erinnern und an den langen Weg der Gemeinde zu einem angemessenen Gotteshaus.
Frühe Bemühungen um einen neuen Standort
Die Synagoge wurde am 24. Februar 1826 eröffnet und ersetzte das frühere Gotteshaus in der Oberen Webergasse 40. Dieses war aufgrund gravierender baulicher Schäden nicht mehr nutzbar. Bereits ab 1817 suchte die jüdische Gemeinde nach Lösungen, stieß jedoch immer wieder auf Ablehnung durch die Landesregierung.
Als 1824 ein offizielles Nutzungsverbot ausgesprochen wurde, musste rasch ein neuer Standort gefunden werden. Im Sommer desselben Jahres gelang der Kauf eines Grundstücks zwischen dem damaligen Promenadenweg, der späteren Schwalbacher Straße, und der Stadtmauer südlich des Stumpfen Tors.
Einschränkungen und staatliche Vorgaben
Der Bau der Synagoge unterlag strengen Auflagen. Das Gebäude durfte im Stadtbild nicht hervorstechen, und selbst der traditionelle Umzug der Thorarollen zur Einweihung wurde untersagt. Öffentliche Auftritte waren Juden zu dieser Zeit nicht gestattet.
Im Herzogtum Nassau galten sie weiterhin als Schutzjuden und verfügten nicht über die gleichen politischen und bürgerlichen Rechte wie andere Bevölkerungsgruppen.
Einordnung durch den Oberbürgermeister
Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende betont die Bedeutung dieses historischen Moments: „Die Einweihung der Synagoge im Jahr 1826 markiert einen weiteren Schritt auf dem langen Weg der Gemeinde zu einer angemessenen gesellschaftlichen Sichtbarkeit. Sie macht auch deutlich, welchen Widerständen und Einschränkungen Jüdinnen und Juden damals ausgesetzt waren.
Erst mit der späteren Synagoge am Michelsberg gelang es, jüdisches Leben in der Stadt sichtbar zu verankern. Mir ist es wichtig, an diesen Weg zu erinnern – auch angesichts der Shoah und der systematischen Vernichtung jüdischen Lebens in Deutschland. Sichtbarkeit muss selbstverständlich sein und wir alle tragen Verantwortung dafür, dass sie geschützt wird.“
200 Jahre
Vom Provisorium zum neuen Zentrum
Die Synagoge in der Schwalbacher Straße blieb bis 1869 in Nutzung. Mit dem Wachstum der Gemeinde und neuen baulichen Anforderungen wurde ein größerer Bau notwendig.
Die Synagoge am Michelsberg, die zwischen 1865 und 1869 entstand, wurde zu einem zentralen Symbol jüdischer Selbstbehauptung und Ausdruck des Fortschritts auf dem Weg zur Emanzipation im Herzogtum Nassau. Ihre Einweihung gilt als wichtiger Meilenstein für die Sichtbarkeit jüdischen Lebens in Wiesbaden.
Weitere Informationen
Ausführliche Hintergründe zur Alten Synagoge am Michelsberg und dem 200 Jahre Jubiläum stellt die Stadt Wiesbaden unter www.wiesbaden.de/kultur/stadtgeschichte/gedenkstaette-michelsberg bereit.
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