Naturschutz

Mega-Stromtrasse bedroht seltenes Kalkflachmoor in Breckenheim – Petition gestartet

Ein bis zu 10.000 Jahre alter Naturschatz steht in Wiesbaden-Breckenheim vor dem Aus. Das seltene Kalkflachmoor in den "Prügelwiesen“ droht durch den Bau der Stromtrasse "Rhein-Main-Link“ unwiederbringlich zerstört zu werden. Naturschützer üben scharfe Kritik an de Planung von Amprion und fordern einen sofortigen Trassenstopp.

Von: |Erschienen am: 21. Februar 2026 15:54|

Foto: privat

Das uralte Kalkflachmoor „Prügelwiesen“ in Wiesbaden-Breckenheim ist durch die geplante Mega-Stromtrasse Rhein-Main-Link in akuter Gefahr. Naturschutzverbände schlagen Alarm – eine Petition fordert einen neuen Trassenverlauf

 Der „Rhein-Main-Link“ soll die Energiewende in Deutschland vorantreiben, droht aber in Wiesbaden eines der seltensten Naturjuwelen zu vernichten. Die Zahlen sind gigantisch: Bis zu 100 Meter Baustellenbreite und tonnenschwere Maschinen. Bei einer Vor-Ort-Begehung am 12. Februar machten sich Dr. Werner Neumann vom BUND-Landesvorstand sowie Vertreter der Naturschutzinitiative (NI) Breckenheim ein Bild von der dramatischen Lage.

Ein Erbe aus der Eiszeit – Das Kalkflachmoor

Das Naturschutzgebiet Prügelwiesen ist weit mehr als nur eine feuchte Wiese. Geologisch perfekt platziert zwischen dem Rheinischen Schiefergebirge und dem Mainzer Becken, hat sich hier über 8.000 bis 10.000 Jahre ein Kalkflachmoor entwickelt. „Ein Biotop, wie man es nur selten findet“, betonen die Naturschützer. Das Gebiet ist extrem wasserreich und wird durch Grund- und Regenwasser aus den angrenzenden Wäldern gespeist. Genau dieses komplexe Wassersystem ist nun in Gefahr.

100 Meter Schneise durch das Salamander-Habitat

In unmittelbarer Nähe und noch rund sechs Meter in die Prügelwiesen hinein, sowie am Pfingstborn und durch das Gebiet beim Alten Wasserwerk, soll der Rhein-Main-Link von  Amprion mit einer Baustellenbreite von bis zu 70 bis 100 Meter und zwei Metern Tiefe gebaut werden, mit mehreren Baustraßen, die von tonnenschweren Baugeräten befahren werden sollen. Eine Verdichtung des Bodens ist unausweichlich und kann das Aus für das sensible Ökosystem des Kalkflachmoors bedeuten.

In diesen Gebieten ist das Habitat einer intakten Feuersalamanderpopulation, sowie seltener Pflanzen- und Tierarten. Weiterhin gibt es Steinkrebse (Flusskrebse, auf der Roten Liste. Kat. 2 und europaweit durch die FFH-Richtlinie (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie) geschützt) im Klingenbach.

Neben den massiven Beeinträchtigungen für die Flora und Fauna birgt es auch Risiken für die angrenzenden Bauten. Wird dieser höchst komplexe Wasserhaushalt durcheinandergebracht und fällt der Hang trocken, kann nicht ausgeschlossen werden, dass im südwestlich angrenzenden bebauten Gebiet ein Hangrutsch entstehen und zu Schäden an den Häusern führen könnte.

Kritik an „KI-Planung“ ohne Vor-Ort-Check

Besonders brisant: Die aktuelle Trassenführung wurde laut BUND maßgeblich durch künstliche Intelligenz geplant. „Eine KI, die die Naturschutzzone nicht in ihrer Wertigkeit erkannt hat, ist höchst problematisch“, so Dr. Werner Neumann. Einen ersten Teilerfolg konnten die Naturschützer bereits verbuchen: Die Errichtung einer Messstelle unterhalb des Alten Wasserwerks wurde wegen der Laichzeit der Feuersalamander auf September 2026 verschoben. Doch das reicht den Aktivisten nicht. Sie fordern von der Amprion GmbH und der Bundesnetzagentur eine komplette Umplanung und einen alternativen Trassenverlauf.

Bürgerdialog und Widerstand

Die Breckenheimer Naturschützer setzen nun auf die Unterstützung der Bevölkerung. Unter dem Motto „Rettet die Prügelwiesen“ wurde eine Petition gestartet, um den Druck auf die Politik und den Netzbetreiber zu erhöhen.

Die Amprion GmbH plant für den 4. März 2026 einen Bürgerinfomarkt in Wiesbaden, um über den aktuellen Projektfortschritt des Rhein-Main-Links zu informieren. Die Breckenheimer Aktivisten rufen dazu auf, diesen Termin zu nutzen, um den Druck auf die Bundesnetzagentur und den Netzbetreiber zu erhöhen.

„Wir hoffen, einen alternativen Trassenverlauf zu erreichen und dieses 10.000 Jahre alte Erbe zu retten“, so das Fazit der Naturschutzinitiative. Wer den Widerstand unterstützen möchte, kann sich an der laufenden Online-Petition beteiligen.

Die Petition finden Sie unter: www.change.org/Prügelwiesen

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