Erste Zwischenbilanz

Test des ersten Batteriezugs in Hessen läuft erfolgreich an

Auf der Ländchesbahn zwischen Wiesbaden und Niedernhausen wird seit Mitte Dezember Hessens erster Batteriezug getestet. Erste Ergebnisse zeigen einen um rund 70 % geringeren Energieverbrauch – und wecken große Erwartungen für die Zukunft des klimafreundlichen Nahverkehrs.

Von: |Erschienen am: 25. Januar 2026 13:57|

RMV/Arne Landwehr

Seit Mitte Dezember absolviert ein batterieelektrischer Zug des Typs Mireo Plus B seinen einjährigen Testbetrieb auf der RB21 „Ländchesbahn“ zwischen Wiesbaden und Niedernhausen. Auf ausgewählten Fahrten ersetzt er klassische Dieselzüge und ermöglicht erstmals einen CO₂-freien Betrieb ohne durchgehende Oberleitung. Die Strecke eignet sich besonders gut für den Test, da der Zug in Wiesbaden und Niedernhausen vorhandene Oberleitungen zum Laden nutzen kann.

Wichtiger Schritt zur Mobilitätswende

Hessens Verkehrsminister Kaweh Mansoori sieht im Projekt einen wichtigen Schritt für die Mobilitätswende: Die Ländchesbahn zeige, wie moderne und verlässliche Nahverkehrslösungen auch dort funktionieren können, wo eine Elektrifizierung mit Oberleitungen kurzfristig nicht realisierbar sei. Die Erkenntnisse aus dem Testbetrieb seien daher „sehr wertvoll“ für die Entwicklung pragmatischer und umweltverträglicher Modelle.

Ab 2032 soll Ländchesbahn ohne Dieselzüge auskommen

Auch RMV-Geschäftsführer Prof. Knut Ringat betont die Bedeutung der Technologie: Rund ein Drittel der hessischen Bahnstrecken sei nicht elektrifiziert und werde noch mit Dieselzügen betrieben. Batteriezüge ermöglichten lokale emissionsfreie Mobilität, ohne dass auf der gesamten Strecke Oberleitungen gebaut werden müssten. Ab 2032 soll die Ländchesbahn vollständig ohne Dieselzüge auskommen.

Energieverbrauch rund 70 Prozent unter dem von Dieselzügen

Ein zentraler Vorteil zeigt sich bereits jetzt: Nach Angaben der Hessischen Landesbahn liegt der Energieverbrauch des Batteriezugs rund 70 Prozent unter dem von Dieselzügen. Möglich wird dies vor allem durch die Rückspeisung von Bremsenergie, bei der der Elektromotor als Generator arbeitet. HLB-Geschäftsführer Veit Salzmann hebt hervor, dass dies den Energiebedarf deutlich senke und die Effizienz steigere.

Finanzierung durch RMV

Finanziert wird der Testbetrieb durch den RMV. Das Fahrzeug ist von der Hessischen Landesbahn über die Siemens-Tochter Smart Train Lease GmbH angemietet. Deren CEO Benjamin Dobernecker verweist auf die Flexibilität des Leasingmodells: Je nach Streckenanforderungen – etwa Fahrgastaufkommen oder vorhandene Oberleitungsabschnitte – könnten unterschiedliche Batteriezug-Varianten eingesetzt werden.

Täglich vier Fahrten

Aktuell finden pro Richtung täglich vier Fahrten mit dem Batteriezug statt. Zu besonders nachfragestarken Zeiten bleiben weiterhin Doppeltraktionen aus Dieselzügen im Einsatz, um ausreichend Kapazität zu gewährleisten. Dass Batteriezüge in Hessen eine Zukunft haben, zeigt auch der seit Herbst 2025 laufende Einsatz weiterer Mireo-Plus-B-Fahrzeuge auf den Linien RB90 und RB29 im Auftrag des SPNV-Nord.

Aus dem RMV-Aufsichtsrat kommen ebenfalls positive Stimmen: Andreas Kowol, Wiesbadens Verkehrsdezernent, sieht im Test einen wichtigen Baustein der städtischen Elektrifizierungsstrategie – mit Vorteilen für Klima, Luftqualität und Lärmschutz. Sandro Zehner, Landrat des Rheingau-Taunus-Kreises, spricht von „einem Stück Zukunft direkt vor unserer Haustür“ und freut sich über die Vorreiterrolle der Ländchesbahn.

Hintergrund: Mireo Smart Plus B

Der Mireo von Siemens Mobility ist modular aufgebaut und in verschiedenen Antriebsvarianten erhältlich – als klassischer Elektrozug, als Batteriezug (Mireo Plus B) oder mit Wasserstoffantrieb (Mireo Plus H). Das auf der Ländchesbahn eingesetzte zweiteilige Batteriemodell verfügt über eine Reichweite von bis zu 120 Kilometern, erreicht 140 km/h Höchstgeschwindigkeit und bietet 122 Sitzplätze, großzügige Mehrzweckbereiche sowie kostenloses WLAN und zahlreiche Ladeanschlüsse.

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