Nachbarschaftliches Höfefest in der Obergasse in Wiesbaden-Naurod am Sonntag, 11. Oktober 2026
Wenn der Duft von frisch gebackenen Waffeln und deftigem Wildgulasch durch das Pflaster zieht und Nachbarn mit Gästen ins Gespräch kommen, zeigt sich der Wiesbadener Vorort Naurod von seiner besten Seite. Am Sonntag stand die Obergasse ganz im Zeichen von Begegnung, Kultur und gelebter Nachbarschaftshilfe. Trotz vereinzelter herbstlicher Regenschauer ließen sich die Nauroder und viele Ausflügler aus der Region nicht abhalten – sie nutzten die goldenen Sonnenstunden für einen Rundgang durch die offenen Anwesen. Organisiert mit viel Herzblut von den Initiatoren Claudia Damm und Frank Heeser und den Nachbarn, öffneten entlang der malerischen Straße gleich mehrere Stationen ihre Tore. Bei Damenschneidermeisterin Claudia Damm (Schneiderei & Nähkursstudio) in der Obergasse 2 lockte ein bunter Flohmarkt zum Stöbern, während Kinder bei den Hühnern und Hasen große Augen machten. Kulinarisch blieben keine Wünsche offen: Herzhafter Wild-Nierengulasch mit frischen Brötchen, Most, Popcorn sowie knusprige Waffeln und selbstgemachter Kuchen sorgten für reichlich Andrang. Die historische Schmiede in der Obergasse 6 bot eine spannende Reise in längst vergessene Zeiten und Handwerkskunst. Gerhard Damm, gelernter Huf- und Wagenschmied, gab faszinierende Einblicke in traditionelle Metallbearbeitung. Die Jüngsten konnten sich parallel beim Kindermalen vergnügen. Lokalen Genuss pur schenkte Armin Bauer in der Obergasse 16 aus. Er servierte selbst hergestellten Apfelwein aus eigenen Gartenäpfeln, begleitet von feinem Blechkuchen. Ein starker Magnet war auch die Nauroder Kirche aus dem Jahr 1730, wo Heimatforscher Helmut Herrmann mittags spannende Anekdoten aus der bewegten Ortshistorie zum Besten gab. Im Hof der Obergasse 19 verband sich Geschichte mit der Moderne. Anhand eines historischen Fachwerkhauses von 1657 veranschaulichte Jürgen Tannert den Einbau einer zeitgemäßen Photovoltaikanlage und Wärmepumpe aus dem Sommer 2026. Ergänzt wurde dies durch Dipl.-Biologin Martina Claire Michel mit einem Stand zu „Unser Wasser“ (Hinweis: Am Samstag, 31. Oktober, folgt hier um 14:00 Uhr ein Vortrag von Dirk Vielmayer von der Klimaschutzagentur). Musikalisch heizte die Band „Goodbye Hollywood“ am Nachmittag mit Kulthits der 60er-, 70er- und 80er-Jahre ein, ehe Silvia Miebach mit einem spannenden Verkostungsvergleich von Nauroder Wasser und Crémant aufwartete. Nur wenige Meter weiter, in der Obergasse 11, wartete der kulturelle Höhepunkt. Der Geschichts- und Heimatverein Naurod eröffnete feierlich seine Jahressonderausstellung zum 63. Geburtstag der Mainzelmännchen, die am 2. April 1963 das Licht der Fernsehwelt erblickten. Kurator Rolf Weber-Schmidt führte das Publikum mit viel Charme in die Ausstellung ein und erinnerte daran, dass die Männchen eigentlich „Wiesbadenmännchen“ heißen müssten – schließlich lernten sie in den damaligen Studios „Unter den Eichen“ das Laufen. Neben der allerersten Entwurfsfolie für das ZDF zeigt die Schau seltene Originale und Sammlerstücke aus dem Nachlass von Schöpfer Wolf Gerlach. Es war ein interessanter kultureller, kulinarischer und gesellschaftlicher toller Tag in Nauro