Gefahrstoff-Alarm

Unbekannter chemischer Stoff löst stundenlangen Einsatz in Biebrich aus – Zwei Personen verletzt

Großalarm für Feuerwehr, Rettungsdienst und Spezialkräfte am Montag im Wiesbadener Stadtteil Biebrich. Bei Arbeiten an einer Stromleitung im Keller eines Gebäudes klagten Mitarbeiter plötzlich über Reizungen und bemerkten einen stechenden, unbekannten Geruch. Die Feuerwehr rückte mit einem Großaufgebot an, richtete Dekontaminations- und Messabschnitte ein und zog Chemikalienschutzanzüge sowie Spezialmesstechnik heran. Spezial-Feuerwehrkräfte kamen zum Einsatz. Zwei Personen mussten mit Haut- und Augenreizungen ins Krankenhaus gebracht werden.

Von: |Erschienen am: 2. November 2026 18:14|

Fotos: WA

Ein komplexer und langwieriger Gefahrstoffeinsatz hat am Montag, 2. November, die Wiesbadener Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei über mehrere Stunden in Atem gehalten. Im Bereich der Bernhard-May-Straße im Stadtteil Biebrich waren insgesamt fünf Personen potenziell mit einer zunächst nicht identifizierbaren chemischen Substanz in Kontakt gekommen. Zwei von ihnen erlitten akute gesundheitliche Beeinträchtigungen und mussten vom Rettungsdienst in Krankenhäuser transportiert werden.

Verdächtiger Geruch bei Leitungsarbeiten im Keller

Ausgangspunkt des Zwischenfalls waren Routinemaßnahmen eines Technikers eines Energieversorgungsunternehmens. Der Mann führte im Kellergeschoss eines Gebäudes Arbeiten an einer Stromzuleitung durch, als er unvermittelt einen auffälligen, beißenden Geruch wahrnahm und kurz darauf erste körperliche Symptome verspürte.

Da der Mitarbeiter zunächst an einen Gasaustritt dachte, forderte er umgehend einen Fachkollegen aus der Gasversorgung an. Dieser konnte einen Erdgasaustritt zwar noch vor dem Eintreffen der Rettungskräfte zweifelsfrei ausschließen, nahm jedoch ebenfalls den verdächtigen Gestank wahr. Da die Gefahrenquelle unklar blieb, wählte er folgerichtig den Feuerwehrnotruf.

Stichworterhöhung – Spezialkräfte in Chemikalienschutzanzügen

Die alarmierten Einheiten der Berufsfeuerwehr Wiesbaden sperrten den Gefahrenbereich unverzüglich ab und starteten erste Messungen. Da sich die Stofflage vor Ort als diffus und unklar herausstellte, erhöhte die Leitstelle das Einsatzstichwort – ein Großaufgebot an Einsatzkräften und Spezialtechnik wurde nachalarmiert.

Zur Bewältigung der anspruchsvollen Lage installierte die Feuerwehr eine übergeordnete Einsatzleitung, die durch eine Führungsstaffel mit einem Einsatzleitwagen 2 (ELW 2) koordiniert wurde. Vor Ort wurden vier getrennte Einsatzabschnitte gebildet:

  • Gefahrenabwehr

  • Messen & Spüren

  • Dekontamination (Dekon)

  • Medizinische Versorgung

Mehrere speziell ausgebildete Trupps drangen unter schwerem Atemschutz und in Chemikalienschutzanzügen (CSA) in das Kellergeschoss und angrenzende Gebäudeteile vor, um Proben zu sichern und Messungen vorzunehmen.

Überörtliche Unterstützung – Task Force aus Mannheim angefordert

Aufgrund der hochspezifischen Messanforderungen forderte die Wiesbadener Wehr weitere Facheinheiten an. Die Werkfeuerwehr InfraServ (Industriepark Kalle-Albert) rückte mit spezieller Messtechnik und Fachpersonal an. Die US-Flughafenfeuerwehr von der Air Base in Wiesbaden-Erbenheim unterstützte mit Spezialgeräten.

Zur tiefgehenden chemischen Detailanalyse wurde schließlich die renommierte Analytische Task Force (ATF) der Berufsfeuerwehr Mannheim hinzugezogen, die erweiterte Probenahmen und spektrometrische Messungen durchführte.

Erste Messungen lieferten Hinweise auf das Vorhandensein chemischer Verbindungen, die als leicht flüchtig einzustufen sind. Eine abschließende und zweifelsfreie Identifizierung war mit der mobilen Messtechnik vor Ort noch nicht möglich, belastbare Laborergebnisse der Analytischen Task Force werden in den kommenden Tagen erwartet. Anhand dieser Befunde werden die Fachbehörden gemeinsam mit dem Hauseigentümer über das weitere Vorgehen entscheiden.

Zwei Personen in Kliniken – Entwarnung für Bevölkerung

Der Rettungsdienst war unter der Leitung einer Leitenden Notärztin (LNA) und eines Organisatorischen Leiters Rettungsdienst (OLRD) vor Ort.

Insgesamt wurden fünf Personen medizinisch erfasst. Zwei Männer klagten über Reizungen der Atemwege und Augen und wurden unter besonderen Schutz- und Dekontaminationsvorkehrungen zur weiteren Überwachung in Krankenhäuser gebracht, ihre Beschwerden bildeten sich glücklicherweise rasch zurück. Drei weitere Personen, die sich im Umfeld des Gebäudes aufgehalten hatten, blieben beschwerdefrei.

Die Einsatzleitung gab für die Nachbarschaft Entwarnung. Zu keinem Zeitpunkt bestand eine Gefahr für die Bevölkerung. Die Ausbreitung der Dämpfe blieb streng auf den unmittelbaren Arbeits- und Kellerbereich begrenzt, wie Tim Dittel, Sprecher der Feuerwehr Wiesbaden, mitteilte.

Großräumige Absperrung bis in die Abendstunden

Um den reibungslosen Ablauf der Mess- und Dekontaminationsmaßnahmen zu gewährleisten, riegelten Polizei und Stadtpolizei den Bereich rund um die Bernhard-May-Straße für mehrere Stunden großräumig ab, was zu vorübergehenden Verkehrsbehinderungen im Stadtteil führte.

Nachdem alle akuten Gefahren abgewehrt und die Probenahmen gesichert waren, konnte die Feuerwehr ihren Kräfteansatz schrittweise zurückfahren. Um 18:56 Uhr verließen die letzten Lösch- und Sonderfahrzeuge die Einsatzstelle und übergaben das Objekt an den Betreiber und die Polizei.

Mehr aktuelle Blaulichtmeldungen, Feuerwehreinsätze und Rettungsdienstnachrichten aus Wiesbaden und den Stadtteilen finden Sie rund um die Uhr auf wiesbadenaktuell.de.

P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von Wiesbadenaktuell.de und folgen Sie uns auch auf Instagram sowie auf Threads!