Feuerwehreinsatz
Dramatische Rettung über Drehleiter: Sechs Verletzte bei Wohnungsbrand in Wiesbaden
Dramatische Szenen in der Nacht zum Sonntag im Wiesbadener Stadtteil Klarenthal. In einem Mehrfamilienhaus brach ein verheerendes Feuer aus. Beim Eintreffen der Rettungskräfte stand eine Erdgeschosswohnung bereits im Vollbrand, meterhohe Flammen schlugen aus den Fenstern und dichter Qualm schnitt zahlreichen Bewohnern den Fluchtweg ab. Rund 15 Menschen – darunter mehrere Kinder – mussten von der Feuerwehr über Leitern und mit Fluchthauben gerettet werden. Sechs Personen kamen mit Rauchgasvergiftungen in Kliniken. Rund 100 Rettungskräfte waren im Großeinsatz.
Fotos: Markus Frenz
Für die Bewohnerinnen und Bewohner eines Mehrfamilienhauses in der Goerdelerstraße verwandelte sich die Nacht zum Sonntag, 1. November, in einen Albtraum. Um etwa 3:15 Uhr schrillten die Alarmglocken bei der Wiesbadener Feuerwehr: Gemeldet wurde ein Wohnungsbrand im Stadtteil Klarenthal.
Bereits auf der Anfahrt wies eine weithin sichtbare Rauchsäule den Weg. Beim Eintreffen der ersten Löschzüge bot sich den Einsatzkräften ein dramatisches Bild. Eine Wohnung im Erdgeschoss stand im Vollbrand, offene Flammen schlugen mit enormer Wucht aus den Fenstern. Dichter, giftiger Brandrauch hatte sich bereits rasend schnell im gesamten Treppenraum ausgebreitet und diesen unpassierbar gemacht.
Dramatische Rettung über Drehleitern und mit Fluchthauben
An mehreren Fenstern und Balkonen machten sich verzweifelte Bewohner bemerkbar, die in ihren Wohnungen in den oberen Etagen gefangen waren und das Gebäude nicht mehr selbstständig verlassen konnten.
Die Feuerwehr leitete unverzüglich eine koordinierte Menschenrettung über mehrere Angriffswege ein. Über tragbare Leitern sowie über eine Drehleiter wurden eingeschlossene Personen, darunter mehrere Kinder, aus den verqualmten Geschossen gerettet.
Parallel drangen Atemschutztrupps in das Gebäude vor und führten weitere Hausbewohner mithilfe von Fluchthauben durch den dichten Rauch im Treppenhaus sicher ins Freie.
Insgesamt retteten die Trupps rund 15 Menschen direkt aus der Gefahrenzone. Zeitgleich begann ein massiver Löschangriff unter schwerem Atemschutz im Erdgeschoss, wodurch die Flammen rasch niedergeschlagen, unter Kontrolle gebracht und schließlich vollständig abgelöscht werden konnten.
Großeinsatz für den Rettungsdienst: Sechs Verletzte in Kliniken
Für den Rettungsdienst bedeutete das Geschehen einen Großeinsatz. Unter der Führung des Organisatorischen Leiters Rettungsdienstes (OLRD) und dem Leitenden Notarzt der Stadt (LNA) wurde vor Ort umgehend eine Verletztensammelstelle eingerichtet.
Insgesamt wurden rund 30 Personen medizinisch gesichtet und erstversorgt. Sechs Menschen erlitten Rauchgasvergiftungen und wurden zur weiteren Behandlung in umliegende Krankenhäuser transportiert.
Für die unverletzten, aber teils unter Schock stehenden Betroffenen stellte die ESWE Verkehr einen Großraumbus zum Aufwärmen bereit. Die psychologische Betreuung übernahm die Notfallseelsorge gemeinsam mit einer Schnelleinsatzgruppe (SEG) des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB).
Zur personellen Verstärkung waren auch Rettungswagen und Einsatzkräfte aus dem benachbarten Rheingau-Taunus-Kreis und dem Main-Taunus-Kreis nach Wiesbaden geeilt.
Aufwendige Nachlöscharbeiten und defekte Heizanlage
Im Anschluss an die Brandbekämpfung wurden Hochleistungslüfter in Stellung gebracht, um das Gebäude komplett vom giftigen Brandrauch zu befreien. Um unentdeckte Glutnester in den Zwischenwänden auszuschließen, öffneten die Trupps vorsorglich Teile der Außenfassade.
Zusätzliche Arbeit bereitete den Kräften ein technischer Defekt. Durch die Hitzeeinwirkung war die Heizungsanlage in der Brandwohnung beschädigt worden, was zu einem massiven Wasserdampfaustritt führte. Erst nach dem vollständigen Absperren der Gebäude-Heizanlage konnte dieser gestoppt werden.
Nach einer ersten Einschätzung der Behörden ist ein Teil des Mehrfamilienhauses vorerst unbewohnbar. Für die betroffenen Mieterinnen und Mieter wurden noch in der Nacht Notunterkünfte organisiert.
Rund 100 Helfer im Einsatz – Wachen nachbesetzt
Insgesamt kämpften rund 100 Kräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei stundenlang gegen die Flammen und deren Folgen.
Im Einsatz standen Kräfte der Berufsfeuerwehr Wiesbaden (Feuerwachen 1 und 2), die Freiwilligen Feuerwehren Stadtmitte, Frauenstein und Dotzheim sowie die Logistik-Gruppe. Die Freiwilligen Feuerwehren Naurod und Auringen übernahmen derweil die Wachbesetzung auf der Feuerwache 1, um den regulären Grundschutz für das übrige Stadtgebiet sicherzustellen.
Die Brandursache sowie die genaue Höhe des entstandenen Sachschadens sind derzeit noch unklar; die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen.
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