ANgebote Arbeitsmarkt
Mehr Bewerber, weniger Lehrstellen: Schwierige Bilanz auf Wiesbadens Ausbildungsmarkt
Großes Interesse an einer beruflichen Zukunft, aber spürbare Zurückhaltung bei den Betrieben. Das Ausbildungsjahr 2025/2026 stellt den Arbeitsmarkt in Wiesbaden und dem Rheingau-Taunus-Kreis vor erhebliche Herausforderungen. Während die Zahl der gemeldeten Bewerberinnen und Bewerber um zehn Prozent zulegte, brach das Angebot an Ausbildungsplätzen ein. Gleichzeitig offenbart die Jahresbilanz der Agentur für Arbeit Wiesbaden ein massives Missverhältnis zwischen Traumberufen und freien Stellen. Alle detaillierten Zahlen und Hintergründe in unserem Artikel.
Symbolfoto: Canva
Junge Menschen auf der Suche nach dem passenden Einstieg ins Berufsleben und regionale Unternehmen auf der Jagd nach Fachkräftenachwuchs. Das Zusammenbringen beider Seiten hat sich im vergangenen Ausbildungsjahr 2025/2026 spürbar erschwert. Wie die Agentur für Arbeit Wiesbaden in ihrer aktuellen Abschlussbilanz mitteilt, klafft die Schere zwischen Angebot und Nachfrage deutlich auseinander.
Im gesamten Agenturbezirk (Landeshauptstadt Wiesbaden und Rheingau-Taunus-Kreis) meldeten sich insgesamt 2.815 Jugendliche für eine betriebliche Ausbildung oder ein duales Studium. Das entspricht einem kräftigen Plus von zehn Prozent (255 Personen mehr) im Vergleich zum vorherigen Beratungsjahr.
Gleichzeitig traten die regionalen Unternehmen jedoch auf die Bremse: Die Zahl der gemeldeten Ausbildungs- und dualen Studienplätze sank im selben Zeitraum um 458 auf 1.768 Stellen – ein deutlicher Rückgang von gut 20 Prozent. Rein rechnerisch kamen damit auf 100 gemeldete Stellen 162 Bewerberinnen und Bewerber.
Mehr als 300 Jugendliche zum Stichtag unversorgt
Bis zum offiziellen Abschluss des Ausbildungsjahres konnten 2.506 Jugendliche mit einer konkreten Perspektive versorgt werden. Davon starteten 45 Prozent direkt in eine Ausbildung oder ein duales Studium, 16 Prozent verblieben an der Schule und 37 Prozent entschieden sich für eine Erwerbstätigkeit, ein soziales Jahr oder eine berufsvorbereitende Fördermaßnahme.
Dennoch blieben zum Ende des Berichtsjahres im Oktober 309 Bewerberinnen und Bewerber unversorgt – 46 mehr als im Vorjahr. Demgegenüber standen im gesamten Agenturbezirk lediglich 21 unbesetzte Ausbildungsplätze im Bestand.
Dr. Martin Stallmann, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Wiesbaden, betont den Stellenwert dieser Entwicklung: „Hinter diesen Zahlen stehen individuelle Lebenswege und wichtige Entscheidungen für die berufliche Zukunft. Für junge Menschen ist der Übergang von der Schule in den Beruf ein entscheidender Schritt. Umso wichtiger ist es, dass sie Perspektiven entwickeln und einen Ausbildungsplatz finden, der zu ihren Interessen und Fähigkeiten passt.
Schieflage bei den Berufswünschen – Büro überlaufen, Handel sucht händeringend
Die Gesamtzahlen spiegeln nur einen Teil der Problematik wider, denn Wunsch und Wirklichkeit liegen auf dem regionalen Ausbildungsmarkt oft weit auseinander. Bei vielen beliebten Traumberufen überstieg der Ansturm das Angebot bei weitem:
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Büromanagement: 231 Bewerberinnen und Bewerber interessierten sich für eine Ausbildung zum Kaufmann bzw. zur Kauffrau für Büromanagement – gemeldet waren jedoch lediglich 58 Stellen.
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Kfz & Gesundheit: Auch bei angehenden Kfz-Mechatronikern (Schwerpunkt Pkw-Technik) und Medizinischen Fachangestellten übertraf die Nachfrage das Ausbildungsangebot deutlich.
Ganz anders stellt sich die Lage im Einzelhandel dar: Für angehende Kaufleute im Einzelhandel meldeten Betriebe 231 offene Ausbildungsstellen, während sich lediglich 86 Jugendliche diesen Weg als Wunschberuf vorstellen konnten. Bei Verkäuferinnen und Verkäufern standen 183 gemeldeten Stellen 152 Bewerber gegenüber.
Verschiedene Berufsbilder kennenzulernen und alternative Ausbildungswege
Dr. Martin Stallmann rät daher zu mehr Offenheit: „Die Zahlen zeigen, wie wichtig es ist, junge Menschen und Ausbildungsbetriebe zusammenzubringen. Nicht immer passen die Berufswünsche der Jugendlichen und die angebotenen Ausbildungsplätze unmittelbar zusammen. Deshalb kommt es darauf an, frühzeitig Orientierung zu geben, unterschiedliche Berufsbilder kennenzulernen und auch alternative Ausbildungswege in den Blick zu nehmen. Entscheidend ist, gemeinsam Wege zu finden, die sowohl zu den Jugendlichen als auch zu den Anforderungen der Betriebe passen.“
Regionale Unterschiede – Wiesbaden hält sich wacker, Rheingau-Taunus verliert
Zwischen der Landeshauptstadt und dem benachbarten Flächenkreis zeichnet sich ein deutlicher Kontrast ab:
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Landeshauptstadt Wiesbaden: Hier stieg die Zahl der Bewerber um 11 Prozent auf 1.851 Jugendliche. Das Stellenangebot sank parallel um knapp 22 Prozent auf 1.247 Plätze. Trotz dieses Rückgangs gelang es mehr jungen Menschen, eine Lehrstelle anzutreten: Mit 759 Jugendlichen mündeten 3,3 Prozent mehr in eine Ausbildung ein als im Vorjahr. Die Zahl der unversorgten Bewerber kletterte leicht um 15 auf 208 Personen.
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Rheingau-Taunus-Kreis: Die Entwicklung im Umland fiel ungünstiger aus. 964 Jugendliche suchten eine Lehrstelle (+8 Prozent), während das Angebot um knapp 18 Prozent auf 521 Plätze schrumpfte. Die Zahl der tatsächlichen Einmündungen in eine Ausbildung sank von 404 auf 358. Besonders besorgniserregend: Mit 101 unversorgten Jugendlichen stieg dieser Wert im Kreisgebiet um satte 44 Prozent (+31 Personen).
Appell an Betriebe – Jetzt Lehrstellen für 2027 melden
Um Jugendliche fit für den Berufsstart zu machen und Betriebe bei der Nachwuchsgewinnung zu unterstützen, bietet die Agentur für Arbeit fortlaufend Beratungen, Eignungstests und Orientierungshilfen an. Angesichts des sinkenden Angebots appelliert die Behörde an die Unternehmen in der Region Wiesbaden, Ausbildungsplätze für das kommende Ausbildungsjahr frühzeitig zu melden, um dem drohenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken.
Mehr aktuelle Wirtschafts- und Ausbildungsnachrichten, Karriereberichte sowie lokale Arbeitsmarktdaten aus der Landeshauptstadt finden Sie täglich in unseren Rubriken auf wiesbadenaktuell.de.
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InfoBox
Der Ausbildungsmarkt 2025/2026 im Überblick:
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Bewerber Gesamtbezirk: 2.815 Personen (+10 % im Vorjahresvergleich)
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Gemeldete Ausbildungsstellen Gesamtbezirk: 1.768 Plätze (-20 % / -458 Stellen)
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Unversorgte Bewerber: 309 Jugendliche (Wiesbaden: 208, Rheingau-Taunus-Kreis: 101)
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Unbesetzte Stellen: 21 Plätze im Gesamtbezirk (darunter u. a. Drogisten, Tischler und Fachinformatiker)
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Schulische Vorbildung: 42 % Realschulabschluss, 28 % Hauptschulabschluss, 22 % Fach-/Hochschulreife
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Top-Berufswünsche: Büromanagement, Kfz-Mechatroniker, Verkäufer/in, Medizinische/r Fachangestellte/r

Trotz leichter konjunktureller Hoffnungssignale verharrt der Wiesbadener Arbeitsmarkt im Oktober im Wartemodus. In der […]

