Nachruf

Trauer um eine Kultur-Institution: Wiesbadener Filmemacher Joachim Kreck verstorben

Die deutsche Filmkultur und die Stadt Wiesbaden trauern um eine herausragende Persönlichkeit. Wie seine Familie bekanntgab, ist der renommierte Filmproduzent, Regisseur und Publizist Joachim Kreck verstorben. Über Jahrzehnte hinweg prägte er das kulturelle Leben der Landeshauptstadt – allen voran als Initiator der traditionsreichen Reihe „Filme im Schloss“ und Gründer des Internationalen Trickfilmfestivals. Kulturdezernentin Dr. Patricia Becher würdigte ihn als unverzichtbare Institution, der Wiesbaden unendlich viel zu verdanken hat.

Von: |Erschienen am: 26. Oktober 2026 16:14|

Foto: Ullrich Knapp

Die hessische Landeshauptstadt nimmt Abschied von einem ihrer profiliertesten Kulturschaffenden: Der Filmproduzent, Regisseur, Festivalleiter und Publizist Joachim Kreck ist im gesegneten Alter von 91 Jahren gestorben. Dies gab seine Familie am Montag bekannt.

Sein Tod hinterlässt eine tiefe Lücke in der hessischen und bundesweiten Filmlandschaft. Wiesbadens Kulturdezernentin Dr. Patricia Becher (SPD)  zeigte sich tief betroffen: „In Wiesbaden haben wir Joachim Kreck viel zu verdanken. Er war eine Institution in unserer Stadt. Sein Tod trifft uns sehr.“

Gründer von „Filme im Schloss“ und des Trickfilm-Festivals

In seiner Wahlheimat Wiesbaden ist Joachim Kreck untrennbar mit zwei herausragenden Kulturformaten verbunden: Gemeinsam mit seiner Ehefrau Detelina Grigorova-Kreck rief er 1984 die legendäre Kinoreihe „Filme im Schloss“ im Biebricher Schloss ins Leben. Die Veranstaltung entwickelte sich zu einer festen Pilgerstätte für Liebhaber des anspruchsvollen Autoren- und Independentkinos.

Für dieses herausragende Engagement wurde die Reihe 2010 mit dem renommierten Kulturpreis der Landeshauptstadt Wiesbaden geehrt; zudem wurde sie im Laufe der Jahrzehnte mit insgesamt sechs Hessischen Kinokulturpreisen ausgezeichnet. 1999 setzte Kreck einen weiteren Meilenstein und gründete das Internationale Trickfilmfestival Wiesbaden, das sich bis heute als feste, überregional beachtete Größe behauptet.

Über 60 Jahre filmisches Schaffen und Deutsche Kurzfilmpreise

Das künstlerische Werk von Joachim Kreck umspannt mehr als sechs Jahrzehnte. Nach seiner Zeit als Leiter der Abteilung „Information und Dokumentation“ am Deutschen Institut für Filmkunde (DIF) von 1960 bis 1964 machte sich Kreck selbstständig. Mit akribischer Hingabe widmete er sich fortan der Produktion und Vermittlung unabhängiger Filmkunst.

Kreck wurde für sein Schaffen vielfach prämiert. Zweimal wurde ihm der begehrte Deutsche Kurzfilmpreis verliehen:

  • 1984 für das eindringliche Werk „Eine Kohlenmine in Südwales“

  • 1998 für den Dokumentarfilm „Ziganska musica“

Seine Produktionen wurden rund um den Globus auf den bedeutendsten internationalen Filmfestivals gezeigt und gefeiert – darunter in Berlin, San Sebastián, Chicago, London, Melbourne, Oberhausen und beim renommierten Animationsfilmfestival in Annecy.

Zwischen Jazz, Animation und der Liebe zur Eintracht

Krecks Schaffen war stets geprägt von einem außergewöhnlichen Gespür für Kunst, Musik und Sport. Aus der engen Freundschaft und Zusammenarbeit mit dem legendären Wiesbadener Musiker und Zeichner Volker Kriegel entstand 1980 der preisgekrönte Zeichentrick-Kurzfilm „Der Falschspieler“. 1993 schuf er mit „Larry“ eine berührende filmische Hommage an den weltberühmten Mundharmonika-Virtuosen Larry Adler, gefolgt vom Musik- und Tanzfilm „Die Hochzeitsmusiker“ (1996), der mit einer packenden Melange aus Roma-Musik, Balkan-Folk, Jazz und Rock ’n’ Roll begeisterte.

Doch auch der Fußball war ein fester Teil seines Lebens: Seit mehr als fünf Jahrzehnten hielt Joachim Kreck als treues Mitglied dem Traditionsverein Eintracht Frankfurt die Treue. Seine Faszination für das Spiel verewigte er unter anderem in den Kurzfilmen „No 1“ (ein feinfühliges Porträt des legendären Eintracht-Keepers Dr. Peter Kunter), „Einsatz aus besonderem Anlaß“ (über die Einsätze der Polizei im Frankfurter Waldstadion) und „Der Mann an der Seitenlinie“, die unter anderem im Wiesbadener Programmkino Caligari für Begeisterung sorgten.

Mit Joachim Kreck verliert Wiesbaden nicht nur einen hochdekorierten Filmemacher, sondern einen leidenschaftlichen Vermittler der Kultur, dessen Herzblut das Kinoleben der Region für immer geprägt hat.

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