Winterzeit

Vor oder zurück? In der Nacht zum Sonntag stellt Wiesbaden die Uhren um

Es ist wieder so weit: In der Nacht von Samstag, 24. Oktober, auf Sonntag, 25. Oktober, endet die Mitteleuropäische Sommerzeit. Mitten in der Nacht springen die Zeiger zurück – den Wiesbadenerinnen und Wiesbadenern wird damit eine willkommene 25-Stunden-Nacht geschenkt. Doch mit dem Dreh an der Uhr flammt auch die alljährliche Debatte wieder auf: Eigentlich wollte die Europäische Union den halbjährlichen Wechsel längst abschaffen. Warum die Uhrenumstellung nach wie vor blockiert ist und welche einfachen Eselsbrücken beim Einstellen helfen, lesen Sie hier.

Von: |Erschienen am: 24. Oktober 2026 11:42|

Symbolfoto

Für Nachtschwärmer in den Kneipen rund um die Goldgasse und das Bergkirchenviertel bedeutet es eine zusätzliche Feierstunde, für Langschläfer eine Extraportion Erholung im Bett: In der Nacht von Samstag, 24. Oktober, auf Sonntag, 25. Oktober, werden die Uhren wieder von Sommerzeit (MESZ) auf die normale Mitteleuropäische Zeit (MEZ) – umgangssprachlich Winterzeit – zurückgestellt.

Pünktlich um 3:00 Uhr morgens springt die Uhrzeit auf 2:00 Uhr zurück. Die Nacht ist somit 60 Minuten länger. Die morgendliche Fahrt zur Arbeit im Berufsverkehr auf dem Gustav-Stresemann-Ring oder über den Kaiser-Friedrich-Ring wird ab Montag wieder im Hellen beginnen – dafür dämmert es am Nachmittag spürbar früher über den Dächern des Kurhauses und der Marktkirche.

Vor oder zurück? Die besten Eselsbrücken für den Zeigerwechsel

Während Smartphones, Laptops und moderne Funkuhren den Wechsel vollautomatisch über das Zeitsignal der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig vollziehen, müssen klassische Wanduhren, Küchengeräte und die Zeitanzeige im Auto von Hand korrigiert werden.

Wer regelmäßig ins Grübeln gerät, in welche Richtung der Zeiger wandern muss, behilft sich mit diesen bewährten Merkregeln:

  • Die Gartenmöbel-Regel: Im Frühjahr stellt man die Gartenmöbel vor das Haus (Zeiger eine Stunde vor). Im Herbst stellt man sie zurück in den Schuppen oder Keller (Zeiger eine Stunde zurück).

  • Die Thermometer-Regel: Im Sommer herrschen Plus-Grade (Uhr +1 Stunde), im Winter fallen die Temperaturen wieder zurück ins Minus (Uhr -1 Stunde).

  • Die 2-3-2-Regel: Im Herbst wird die Zeit von 3:00 Uhr auf 2:00 Uhr zurückgestellt – wir gewinnen die Stunde zurück, die uns im März genommen wurde.

Stillstand in Brüssel – Warum die Abschaffung feststeckt

Mit jedem Dreh am Zeiger wächst der Unmut bei vielen Bürgerinnen und Bürgern. Schlafstörungen, Mini-Jetlag und ein durcheinandergeratener Biorhythmus bei Kindern und Haustieren sind bekannte Begleiterscheinungen.

Eigentlich schien das Aus der Zeitumstellung längst beschlossene Sache: Bereits 2018 sprach sich in einer EU-weiten Online-Befragung eine überwältigende Mehrheit von 84 Prozent der Teilnehmer für ein Ende der Uhrendreherei aus. 2019 stimmte auch das Europäische Parlament mit deutlicher Mehrheit dafür, die Umstellung planmäßig einzustellen.

Dass wir 2026 dennoch weiterhin am Rädchen drehen müssen, liegt an einem klassischen europäischen Dilemma im Rat der Europäischen Union:

  1. Der Flickenteppich-Effekt: Die EU-Staaten können sich schlichtweg nicht darauf einigen, welche Zeit künftig dauerhaft gelten soll – die permanente Sommerzeit oder die Normalzeit (Winterzeit).

  2. Geografische Interessenkonflikte: Während südeuropäische Länder lange, helle Sommerabende bevorzugen, warnen nördliche und westliche Länder wie Spanien oder Polen vor absurden Konsequenzen: Bei einer dauerhaften Sommerzeit würde es im Westen Polens im Winter erst gegen 9:00 Uhr morgens hell; bei einer dauerhaften Winterzeit ginge im Osten bereits um 3:30 Uhr im Hochsommer die Sonne auf.

  3. Wirtschaftliche Sorgen: Ein Flickenteppich aus verschiedenen Zeitzonen mitten im europäischen Binnenmarkt würde Fahrpläne der Bahn, Flugkorridore und internationale Lieferketten massiv verkomplizieren. Da bislang kein Mitgliedsstaat bereit ist nachzugeben und das Thema durch Krisen wie Krieg, Energie und Inflation verdrängt wurde, liegt der Vorschlag in Brüssel faktisch auf Eis.

Fahrpläne bei Bus und Bahn – Was Pendler wissen müssen

Für Fahrgäste der Wiesbadener Verkehrsbetriebe (ESWE Verkehr) und der S-Bahnen im Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) läuft die Umstellung in der Nacht meist routiniert: Die Nightliner-Busse fahren die betroffenen Fahrten in der „doppelten Stunde“ zwischen 2:00 Uhr und 3:00 Uhr nach einem festgelegten Sonderfahrplan, um Nachtschwärmer sicher nach Hause zu bringen.

Wenigstens ein kleiner Trost bleibt allen Wiesbadenerinnen und Wiesbadenern am kommenden Sonntag: Die geschenkte Stunde lässt sich beim ausgedehnten Frühstück oder einem herbstlichen Spaziergang durch das Nerotal und auf dem Neroberg oder einer anderen Aktivität in aller Ruhe genießen.

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InfoBox

Die Zeitumstellung im Überblick:

  • Wann: In der Nacht von Samstag, 24. Oktober, auf Sonntag, 25. Oktober 2026

  • Uhrzeit: Um 3:00 Uhr wird die Uhr auf 2:00 Uhr zurückgestellt

  • Effekt: Die Nacht dauert 25 Stunden; 60 Minuten länger schlafen

  • Folge: Morgens wird es früher hell, abends setzt die Dämmerung früher ein

  • EU-Hintergrund: Trotz Parlamentsbeschluss von 2019 blockieren die EU-Mitgliedstaaten die Einigung auf eine einheitliche Standardzeit

  • Nächste Umstellung: Am letzten Märzwochenende 2027 wird wieder auf Sommerzeit vorgestellt