Verkehr

Rheingauviertel wehrt sich gegen Transitverkehr: Stadt setzt versprochene Einbahnstraße nun zügig um

Die Geduld der Anwohner im Wiesbadener Rheingauviertel war am Limit: Weil nach der Neuregelung der Rüdesheimer Straße der Durchgangsverkehr massiv in die Marcobrunnerstraße auswich, herrschte dort zuletzt dichter Verkehr und Dauerfrust. Nun reagiert Verkehrsdezernent Marc Dahlen prompt auf Beschwerden aus der Bürgerschaft und dem Ortsbeirat. Die eigentlich zeitgleich geplante Einbahnstraßenregelung soll bereits in den nächsten Tagen greifen – ein wichtiger Schritt, der eng mit dem langjährigen Ringen um ein verkehrsberuhigtes Viertel und die Superblock-Initiative verknüpft ist.

Von: |Erschienen am: 12. Oktober 2026 18:48|

Archivfotos

Aufatmen für die Anwohnerinnen und Anwohner im Wiesbadener Rheingauviertel. Nach massiven Beschwerden über überlastete Wohnstraßen schaltet die Stadt Wiesbaden auf Tempo. Der neue Verkehrsdezernent Marc Dahlen (CDU) hat angeordnet, die geplante Einbahnstraßenregelung in der Marcobrunnerstraße so schnell wie möglich umzusetzen. Der Vollzug könnte bereits in den kommenden Tagen erfolgen.

Der Hintergrund der Zuspitzung liegt in einer unvollständigen Umsetzung des Verkehrskonzepts: Um den Schleich- und Durchgangsverkehr zwischen den Ringstraßen spürbar zu kappen, war ursprünglich vorgesehen, die Einbahnstraßenregelungen in der Rüdesheimer Straße und der Marcobrunnerstraße zeitgleich in Kraft zu setzen. In der Praxis wurde jedoch zunächst nur die Rüdesheimer Straße umgestellt.

Die Folge: Autofahrer wichen scharenweise in die Marcobrunnerstraße aus, die sich besonders in den morgendlichen und abendlichen Spitzenzeiten in eine verstopfte Ausweichroute verwandelte. Zusätzliche Engpässe und Arbeiten auf der nahegelegenen Dotzheimer Straße verschärften den Verkehrsdruck im Wohngebiet dramatisch.

Verkehrsdezernent Dahlen: „Justieren kurzfristig nach“

Im Verkehrsdezernat hat man den Unmut registriert und zieht nun die Konsequenzen. „Wir nehmen die Beschwerden der Bürgerinnen und Bürger und die Hinweise des Ortsbeirats sehr ernst. Die aktuelle Situation zeigt, wie wichtig es ist, zusammengehörende Verkehrsmaßnahmen aufeinander abzustimmen. Dies hat hier noch nicht zufriedenstellend geklappt. Deshalb justieren wir kurzfristig nach. Ich habe die kurzfristige Umsetzung der Einbahnstraßenregelung in der Marcobrunnerstraße veranlasst“, stellt Verkehrsdezernent Dahlen klar.

Mit dem zweiten Baustein soll das Gesamtnetz wie geplant geschlossen und der Durchgangsverkehr effektiv aus den engen Wohnstraßen herausgehalten werden.

 Ein Viertel kämpft seit Jahren gegen den Transitverkehr

Dass die Nerven in den Straßen rund um die Marcobrunnerstraße blank lagen, überrascht kaum – die Debatte blickt auf eine lange Vorgeschichte zurück. Bereits im Oktober 2025 hatte die engagierte Bürgerinitiative „Superblock im Rheingauviertel“ mit einer Petition („Für ein sicheres, lebenswertes Rheingauviertel – jetzt Durchgangsverkehr reduzieren“) eindrucksvoll auf die Missstände aufmerksam gemacht.

Rund 615 Bürgerinnen und Bürger hatten damals ihre Unterschrift unter den Appell gesetzt, der symbolisch an der Ecke Marcobrunnerstraße / Eltviller Straße am Café Klatsch an die Stadtspitze übergeben wurde. Schon damals forderte die Sprecherin der Initiative, Michaela Höllriegel: „Wir wollen kein reines Transitviertel, sondern einen Ort, an dem Menschen gerne leben, sich begegnen und wohlfühlen.“ Unterstützung kam stets auch vom Ortsbeirat Rheingauviertel/Hollerborn um die Vorsitzende Dorothée Rhiemeier.

Das Viertel bewarb sich zudem erfolgreich im Rahmen des Programms „World Design Capital 2026“, um Wiesbaden mit einem hessischen Vorzeige-Superblock zu einem Leuchtturm nachhaltiger Stadtgestaltung zu machen. Die jetzt vollendete Einbahnstraßen-Regelung in der Marcobrunnerstraße ist somit mehr als reine Schadensbegrenzung: Sie löst das damals gegebene Versprechen ein, den Transitverkehr im Viertel endlich wirksam einzudämmen.

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