Ausstellung / Fotostrecke

„Zeitzeugen statt Werbetrenner“: Große Mainzelmännchen-Schau zum 63. Geburtstag im Nauroder Heimatmuseum eröffnet

Seit über sechs Jahrzehnten zaubern sie Generationen von Fernsehzuschauern ein Lächeln ins Gesicht. Anton, Berti, Conni, Det, Edi und Fritzchen. Zum 63. Geburtstag der bundesweit geliebten Kult-Wichtel widmet der Geschichts- und Heimatverein Naurod den Figuren von Schöpfer Wolf Gerlach eine hochkarätige Jahressonderausstellung. Mit exklusiven Sammlerstücken direkt aus dem Künstlernachlass, seltenen Original-Entwürfen und humorvollen Anekdoten feierte das Heimatmuseum am Sonntagnachmittag eine emotionale Eröffnung.

Von: |Erschienen am: 12. Oktober 2026 01:20|

Fotos: Daniel Becker

Wer erinnert sich nicht an das unverwechselbare „Gud’n Aaa’nd“ zwischen den Werbespots des ZDF? Am 2. April 1963 feierten die Mainzelmännchen ihre Premiere auf den heimischen Bildschirmen. Seit Sonntag, 11. Oktober, sind die legendären Zipfelmützenträger nun in einer ganz besonderen Rolle zu erleben, als lebendige Kulturgeschichte mitten in Wiesbaden-Naurod.

Der Geschichts- und Heimatverein Naurod eröffnete in den Räumen des örtlichen Heimatmuseums in der Obergasse 11 feierlich seine Jahressonderausstellung anlässlich des 63. Geburtstags der kleinen Kultgesellen.

Den offiziellen Auftakt gestaltete Wiesbadens Stadträte Joachim Tobschall  Topschall (SPD). In seinem Grußwort hob er die historische Bedeutung der Zeichentrickfiguren hervor: „Nicht mehr nur als Werbetrenner, sondern als Zeitzeugen. Und vielleicht ist genau das die schönste Entwicklung, die eine Figur nehmen kann. Erst ist sie Teil des Alltags, dann wird sie Teil der Erinnerung und irgendwann wird sie Teil der Geschichte.“

Heimatpflege bedeute schließlich nicht, „die Vergangenheit unter Glas zu legen und sie dort möglichst unangetastet zu lassen“, betonte Topschall weiter: „Heimatpflege bedeutet, Geschichte lebendig zu halten. Und heute eben mit sechs kleinen Kobolden, die uns daran erinnern, wie das Fernsehen einmal aussah – und vielleicht auch ein bisschen daran, wie wir selbst einmal waren.“

Schulträume, Schlafmützen und die Geburtsstunde auf dem Mainzer Lerchenberg

Wie tief die Wurzeln der Männchen in der Region verankert sind, zeichnete Kurator Rolf Weber-Schmidt in seiner lebendigen Einführung nach. Er erinnerte an die Entstehungsgeschichte des Zeichners und Bühnenbildners Wolf Gerlach, der sich später in seinen Altersruhesitz nach Bad Zwischenahn zurückgezogen hatte: „Dort erzählte er uns mit Freude, wie er als Junge von kleinen Wichteln träumte, die aus seiner Schulbank hervorkletterten und ihm seine Rechenaufgaben vorsagten. Das Exponat Nummer 24 erzählt uns von diesem Traum, der die Initialzündung war für die Entstehung der Mainzelmännchen, die ja eigentlich ‚Wiesbadenmännchen‘ heißen müssten – schließlich haben sie im Nordosten unserer Landeshauptstadt, in den damaligen Studios unter den Eichen, das Laufen gelernt.“

Mit viel Humor schilderte der Kurator auch die Skepsis des damaligen ZDF-Gründungsintendanten Prof. Karl Holzamer im Jahr 1963. Gerlachs allererste Entwürfe muteten Holzamer noch zu sehr „wie kleine deutsche Michel“ mit Schlafmützen auf den Köpfen an. Erst nach einer Nachbesserung entstand die weltberühmte Ur-Folie, deren Reproduktion nun prominent in der Nauroder Ausstellung zu sehen ist.

Von Anton bis Fritzchen – Seltene Raritäten aus dem Nachlass

Die Schau glänzt mit echten Kostbarkeiten:

  • Exponate aus dem Familienbesitz: Wolf Gerlachs Tochter, Stephanie Wiese, stellte für die Ausstellung persönliche Sammlerstücke und Schätze aus dem Nachlass des 2012 verstorbenen Künstlers bereit.

  • Streng limitierte Editionen: Neben einer signierten Sonderedition historischer Figuren von 1968 werden edle Giclée-Drucke auf hochwertigem Büttenpapier gezeigt, die vom Wiesbadener Fotografen Frank Wittmann gefertigt und von Gerlach vor seinem Tod handsigniert und datiert wurden.

  • Die Charaktere im Porträt: Vom geschickten Handwerker Anton und Tüftler Berti über Conni – der als Miniatur-Astronaut sogar schon mit Raumfahrer Alexander Gerst auf der Raumstation ISS schwebte – bis hin zum intellektuellen Det (dem Gerlach eine Brille und damit ein persönliches Denkmal verlieh), Genießer Edi und Trendsportler Fritzchen sind alle sechs Figuren vertreten.

Großer Dank und Erlöse für das Museum

Ein besonderer Dank des Kurators galt dem Vorstand des Geschichts- und Heimatvereins um den Vorsitzenden Daniel Schütte und Beisitzerin Elke Schwalbach, die die Präsentation mit großem Einsatz ermöglicht hatten, sowie den Helfern Jürgen Weiß und Birgit Christ.

Für Museums-Schatzmeister Reiner Sorgatz gab es zudem eine erfreuliche Nachricht. Ein festgelegter Anteil der Verkaufserlöse aus den käuflich zu erwerbenden limitierten Kunstdrucken fließt direkt an das Heimatmuseum zurück, um die lokale Kultur- und Vereinsarbeit nachhaltig zu fördern.

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Volle Höfe und ein kultiges „Gud’n Aaa’nd“: Buntes Höfefest und Mainzelmännchen-Schau begeistern Naurod: Hier geht es zu einer Fotostrecke mit 125 Bildern: 


InfoBox

Die Ausstellung im Überblick:

  • Ausstellungstitel: Jahressonderausstellung „63 Jahre Mainzelmännchen“

  • Ort: Heimatmuseum Naurod, Obergasse 11, 65207 Wiesbaden-Naurod

  • Laufzeit: 11. Oktober 2026 bis 4. Juli 2027

  • Öffnungszeiten: An jedem ersten Sonntag im Monat von 15:00 bis 17:00 Uhr sowie auf Anfrage

  • Eintritt: Komplett kostenfrei (Spenden zum Erhalt des Museums erbeten)

  • Veranstalter: Geschichts- und Heimatverein Naurod e.V.