Erfolgsgeschichte

40 Jahre Magie in der Manege: Wiesbadener Kinderzirkus feiert großes Jubiläum

Was 1986 als kleines Freizeitprojekt für 25 Kinder auf dem Elsässer Platz in Wiesbaden begann, ist heute eine feste Institution der Kulturszene in der Landeshauptstadt. Zum runden Geburtstag plant das Ensemble nun eine öffentliche Ausstellung im WerkRaum sowie neue Auftritte. Welches besondere Konzept hinter dem rasanten Aufstieg steckt und warum Konkurrenz in dieser Manege ein absolutes Fremdwort ist, offenbart ein exklusiver Blick hinter die Kulissen.

Von: |Erschienen am: 25. September 2026 12:36|

Foto: Neuer Zirkus eV

In der hessischen Landeshauptstadt startete 1986 ein außergewöhnliches Projekt für die Freizeitgestaltung. Die damaligen Initiatoren fragten sich noch ungläubig, ob und wie ein solches Zirkusangebot für den Nachwuchs überhaupt machbar sei.

Daraufhin probierten sich 25 Heranwachsende ab acht Jahren in einem Experiment aus. Das Konzept schlug so erfolgreich ein, dass es 1989 zur Gründung des „Neuer Zirkus e.V.“ führte, um die Strukturen dauerhaft zu sichern.

Jubiläum im Oktober 2026

Heute, vier Jahrzehnte nach dem Startschuss, verzeichnet der Verein mehr als 100 aktive Mitglieder in einer Altersspanne von 7 bis 77 Jahren. Das 40-jährige Bestehen wird im Oktober 2026 vereinsintern mit einer Show und einem Fest im Stadtteilzentrum Schelmengraben gewürdigt.

Darüber hinaus können sich Interessenten vom 26. bis 31. Oktober im Wiesbadener WerkRaum über die Historie informieren. Dort präsentiert der Zirkus eine öffentliche Ausstellung zu seiner vielseitigen Entwicklung.

Fokus auf das Miteinander

Der anhaltende Zuspruch basiert auf einem bewussten Kontrast zu herkömmlichen Sportarten. Anstatt auf Konkurrenz und sportlichen Wettkampf zu setzen, steht das gemeinschaftliche Erleben absolut im Zentrum.

Disziplinen wie Seiltanz, Akrobatik, Jonglage, Einradfahren oder Clownerie ermöglichen es den Teilnehmenden, ihre ganz persönlichen Talente, Interessen und Eigenschaften individuell zu entfalten.

Teamgeist statt reinem Sport

Vorstandsmitglied Caren Beber erläutert die Vereinsphilosophie: „Unser Zirkus ist mehr als nur Sport. Wir sind ein Team und alle finden bei uns ihren Platz. Vom Training bis zur Show entwickeln wir alles gemeinsam: Showkonzept, Pressearbeit, Bühnenbild und Kostüme.“

Wachstum durch gemeinsame Aufgaben

Sie fügt hinzu: „Mit viel Spaß wird trainiert, gebaut, gemalt und gelacht. Und dabei wachsen wir alle gemeinsam über uns hinaus!“

Aus kleinen Anfängen heraus entstehen so beeindruckende Resultate. Die Gruppen stellen regelmäßig eigene Aufführungen in den Proberäumen auf die Beine und lassen sich für externe Feste buchen, wie in diesem Jahr für zwei Beiträge beim Artistengottesdienst des „European Youth Circus Festivals“.

Kommunikation ohne Sprachbarrieren

Da artistische Darbietungen nahezu ohne gesprochene Worte auskommen, überwindet die Zirkuswelt mühelos Sprachgrenzen. Dieser Umstand bildet das stabile Fundament für internationale Begegnungen des Vereins.

Ein Beispiel hierfür ist die langjährige Partnerschaft mit dem „Circo Ocolmena“ aus der nicaraguanischen Partnerstadt Ocotal. Ebenso wichtig ist die aktive Beteiligung der Mitglieder im Alltag: Sie entwerfen Nummern selbst, wählen die Musik, schneidern Kostüme und kümmern sich um den Technikaufbau.

Aufgaben fördern die Entwicklung

Während die jüngeren Teilnehmer ganz natürlich in diese Prozesse hineinwachsen, übernehmen die älteren Mitglieder Verantwortung bei der Betreuung der Kindergruppen und der Inszenierung der Shows.

Der Trägerverein ermöglicht Kindern ab sechs Jahren, Jugendlichen und Erwachsenen Auftritte sowie das Training an Geräten wie Trapez, Luftring, Vertikaltuch oder der Balancekugel. Auch Rola Rola und Akrobatik gehören fest zum umfangreichen Repertoire.

Trainingszeiten im Schelmengraben

Die Proben des Kinderzirkus „Flambolino“ finden mittwochs von 16:00 bis 18:00 Uhr im Stadtteilzentrum Schelmengraben statt und richten sich an Neun- bis 14-Jährige.

Am selben Ort gibt es mittwochs von 15:00 bis 15:55 Uhr auch einen speziellen Anfängerkurs für Zirkus-Neulinge im Alter zwischen sechs und zehn Jahren.

Angebote im Wellritzhof

Im Kinderzentrum Wellritzhof proben die 14- bis 21-Jährigen des Jugendzirkus „Flambolé“ jeden Dienstag zwischen 19:00 und 21:00 Uhr.

Das Erwachsenen-Varieté „Flambess“ trainiert in drei Einheiten: montags ab 19:05 Uhr, mittwochs ab 20:30 Uhr sowie donnerstags ab 20:00 Uhr.

Luftartistik und weitere Kurse

Das Training in der Luftartistik wird stets donnerstags absolviert: Von 17:00 bis 18:30 Uhr für die Neun- bis 14-Jährigen und direkt im Anschluss von 18:30 bis 20:00 Uhr für die 15- bis 21-Jährigen.

Zusätzliche Anfängerkurse für die Altersgruppe der Sechs- bis Zehnjährigen stehen jeden Montag von 17:10 bis 18:05 Uhr sowie von 18:10 bis 19:05 Uhr auf dem Programm.

Steigende Zahl der Teilnehmern

Bis zum Jahr 2003 konnten maximal 30 Kinder an den Kursen teilnehmen, was dauerhaft zu einer extrem langen Warteliste führte.

Seitdem wurde die Kapazität schrittweise auf heute rund 110 Personen ausgebaut, die wöchentlich trainieren. Für rund die Hälfte der Teilnehmer wird die Zirkuskunst so zu einem langjährigen Hobby.

Qualifiziertes Trainerteam

Momentan leiten acht erfahrene Artisten und ausgebildete Zirkuspädagogen die Übungsstunden an. Sie werden von ausgebildeten Jugendleitern aus den eigenen Reihen unterstützt.

Diese jugendlichen Nachwuchskräfte durchlaufen spezielle Schulungen, die in direkter Kooperation mit der „Landesarbeitsgemeinschaft Zirkuskunst Hessen“ und der „Bundesarbeitsgemeinschaft Zirkus“ angeboten werden.

Sichere Finanzierung des Vereins

Die finanzielle Basis des gesamten Zirkusbetriebs stützt sich einerseits auf die moderaten Teilnahmegebühren und die gesammelten Spenden bei den öffentlichen Auftritten.

Hinzu kommt ein fester Zuschuss des Amtes für Soziale Arbeit, welcher die Kurse für den Nachwuchs finanziell fördert. Ein weiterer essenzieller Baustein ist die kostenfreie Nutzung der Räumlichkeiten im Schelmengraben und im Wellritzhof.

Die Anfangsjahre ab 1986

Die Chronologie startete 1986 als Initiativ-Projekt der städtischen Jugendarbeit mit wöchentlichen Treffen von 25 Kindern im einstigen Haus der Jugend am Elsässer Platz. Nach oben gab es damals keine Altersbegrenzung.

1989 übernahm der neu gegründete Verein „Neuer Zirkus e.V.“ die Trägerschaft in dauerhafter Kooperation mit der städtischen Jugendarbeit. Aufgrund des enormen Interesses starteten 2003 erstmals spezielle Einsteigerkurse für Sechs- bis Zehnjährige.

Wachstum und neue Namen

Der Wunsch der Älteren im Kinderzirkus nach einem eigenen Bereich führte im Jahr 2008 zur Gründung des Jugendzirkus, in dem bis zu 20 Personen zwischen 15 und 21 Jahren ihre Fähigkeiten ausbauen können.

2010 folgten Einbauten für Vertikaltuch und Trapez im Wellritzhof, was in den neuen Kursen Platz für acht bis zehn Personen pro Einheit schuf. Zum 25-jährigen Jubiläum 2011 erhielten die Gruppen schließlich ihre jetzigen Namen „Flambolino“ und „Flambolé“.

Erweiterung bis zur Gegenwart

Da viele Aktive dem Jugendalter entwuchsen, riefen sie 2015 das junge Varieté „Flambess“ ins Leben. Im Jahr 2020 wurde aufgrund der entsprechenden Nachfrage schließlich auch ein eigener Anfängerkurs für Erwachsene etabliert.

Zahlreiche Höhepunkte prägen zudem die historische Zeitachse: Bereits 1997 reiste man zu einer Jugendbegegnung ins polnische Breslau (Wroclav) und 2004 traten die Artisten im Rahmen der Höhnershow des „Circus Roncalli“ auf.

Erfolge und internationale Treffen

Zu den besonderen Auszeichnungen  zählt der erste Preis beim „Goldenen Zylinder“, den der Jugendzirkus im Jahr 2011 abräumte. Zwei Jahre später realisierte „Flambolé“ das ortsspezifische Erfolgsprojekt „Westend Stories“.

Ebenfalls prägend für den Zirkus waren die insgesamt acht internationalen Jugendbegegnungen mit dem nicaraguanischen „Circo Ocolmena“, die zwischen 2007 und 2016 im regelmäßigen Wechsel in Wiesbaden und Ocotal stattfanden.

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