Arbeitsweg
Über 141.000 Pendler täglich: Wiesbaden ist Berufspendler-Hotspot
Wiesbaden ist eine Pendlerstadt par excellence: Mehr als 141.000 Berufstätige überqueren jeden Tag die Stadtgrenzen auf dem Weg zur Arbeit oder nach Hause. Während knapp 88.000 Beschäftigte für ihren Job in die hessische Landeshauptstadt strömen, zieht es fast 54.000 Wiesbadener zum Arbeiten in die Region. Doch das tägliche Pendeln wird immer mehr zum finanziellen Drahtseilakt. Die Gewerkschaft NGG Rhein-Main warnt vor einer enormen Kostenbelastung durch hohe Kraftstoffpreise und fordert ein einheitliches staatliches „Mobilitätsgeld“ sowie Pflichten für Arbeitgeber.
Symbolfoto
Tag für Tag vollziehen sich auf den Autobahnen, Bundesstraßen und Schienensträngen rund um Wiesbaden gigantische Wanderungsbewegungen: Die hessische Landeshauptstadt ist beruflich eine der zentralen Pendler-Drehscheiben im Rhein-Main-Gebiet. Aktuelle Zahlen der Bundesagentur für Arbeit belegen nun eindrucksvoll die Dimensionen dieses täglichen Berufsverkehrs: Insgesamt 141.610 Beschäftigte pendeln tagtäglich über die Wiesbadener Stadtgrenzen.
Wiesbaden ist Pendler-Stadt – 87.700 kommen rein, 53.900 fahren raus
Das wirtschaftliche Gefüge Wiesbadens lebt vom Austausch mit dem Umland, wie die amtliche Pendler-Statistik untermauert. Mit 87.690 Beschäftigten kommt der weitaus größere Teil von außerhalb nach Wiesbaden, um in den hiesigen Unternehmen, Verwaltungen, Kliniken und Gastronomiebetrieben zu arbeiten.
Umgekehrt leben 53.920 Menschen in Wiesbaden, haben ihren Arbeitsplatz jedoch in Nachbarstädten wie Frankfurt, Mainz, dem Main-Taunus-Kreis oder dem Rheingau.
Für viele Wiesbadener und Beschäftigte aus der Umgebung gehört eine Fahrzeit von einer Dreiviertelstunde, einer Stunde oder sogar mehr zum ganz normalen Berufsalltag.
Kostenfalle Arbeitsweg – Hohe Spritpreise reißen tiefe Löcher in Haushaltskassen
Dieses enorme Mobilitätsaufkommen hat jedoch eine gravierende Kehrseite: Der Weg zur Arbeit kostet nicht nur Zeit und Nerven, sondern strapaziert die Finanzen der Pendlerinnen und Pendler massiv. Für die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Rhein-Main sind die anhaltend hohen Kraftstoffpreise zu einem ernsten Problem für die Privathaushalte geworden.
„Gerade die Fahrten zum Arbeitsplatz reißen gewaltige Löcher in die Haushaltskassen. Vor allem dann, wenn Berufspendler auf das Auto angewiesen sind – sei es wegen ungünstiger Schichtzeiten oder fehlender Nahverkehrsanbindungen im Umland“, warnt Hendrik Hallier, Geschäftsführer der NGG Rhein-Main. Besonders hart treffe es Beschäftigte im Niedriglohnsektor und jene, die zum Mindestlohn arbeiten. Bei ihnen frisst der tägliche Tankstellenbesuch einen beträchtlichen Teil des Monatseinkommens schlichtweg auf.
NGG fordert 17 Cent „Mobilitätsgeld“ und Betriebe in der Pflicht
Um die Pendler direkt zu entlasten, spricht sich die Gewerkschaft für ein echtes „Mobilitätsgeld“ aus. Vorgeschlagen wird ein staatlicher Zuschuss von 17 Cent je Arbeitsweg-Kilometer, der sofort, einkommensunabhängig und direkt über den monatlichen Lohnsteuerabzug verrechnet oder bar ausgezahlt werden soll.
Bis solche Reformen greifen, sieht die NGG die Wiesbadener Unternehmen in der Verantwortung. Dies reiche von der Übernahme des monatlichen Betrags für das Deutschland-Ticket über ein betriebliches Wegegeld bis hin zum kostenlosen oder stark vergünstigten Laden von E-Autos auf dem Betriebsgelände. Diese Punkte will die Gewerkschaft künftig bei anstehenden Tarifrunden verstärkt auf den Tisch legen.
Kritik an der Bahn – „4 Stunden Mindestlohn für 1 Stunde Zugfahrt“
Auch der Umstieg auf die Schiene ist für viele Pendler keine einfache finanzielle Alternative, wie die NGG betont. Wer auf den Fernverkehr der Deutschen Bahn ausweichen müsse und kein Sparticket erwischt habe, erlebe Bahnfahren rasch als unbezahlbaren Luxus: „Wer nur den gesetzlichen Mindestlohn verdient, dem kann es passieren, dass er im Fernverkehr der Deutschen Bahn für eine einzige Stunde Zugfahrt in der 2. Klasse vier Stunden oder sogar länger arbeiten muss“, kritisiert Hallier die Tarifpolitik der Bahn scharf.
Damit Wiesbaden als Arbeits- und Wohnstandort attraktiv bleibt und das Pendeln bezahlbar ist, müssten die Kosten der beruflichen Mobilität dringend von Politik und Betrieben aufgefangen werden.
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InfoBox
Die Fakten zum Berufsverkehr in Wiesbaden im Überblick:
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Gesamtzahl der Pendler: 141.610 Beschäftigte überqueren täglich die Stadtgrenze
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Einpendler nach Wiesbaden: 87.690 Menschen arbeiten in Wiesbaden, wohnen außerhalb
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Auspendler aus Wiesbaden: 53.920 Menschen wohnen in Wiesbaden, arbeiten außerhalb
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Größter Kostentreiber: Hohe Spritpreise an den Tankstellen für Pkw-Pendler
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Gewerkschafts-Forderung: 17 Cent Mobilitätsgeld pro Kilometer, Arbeitgeber-Zuschüsse (z.B. Deutschland-Ticket, Wegegeld) und günstigere Bahntarife


