Resilienzwoche
Minister am Supermarkt-Regal: Hessen startet Kampagne für den privaten Notvorrat
Ein unerwarteter Stromausfall oder extreme Wetterlagen können unseren hochtechnisierten Alltag von einer Sekunde auf die andere lahmlegen. Die hessische Landesregierung in Wiesbaden nimmt diese wachsenden Herausforderungen zum Anlass, um mit einer landesweiten Aktionswoche aufzuklären. In ausgewählten Supermärkten wird derzeit ganz praktisch demonstriert, was in jeden Haushalt gehört, um in Krisenzeiten handlungsfähig zu bleiben und welcher oft unterschätzte Alltagsgegenstand dabei auf gar keinen Fall fehlen darf.
Foto: Jörg Halisch
Die hessische Landesregierung initiiert unter der Federführung des Innenministeriums ab dem 7. September eine landesweite Resilienzwoche. Im Zentrum der Kampagne stehen die Aufklärung über Krisenprävention sowie die Sensibilisierung für ausreichende persönliche Vorsorgemaßnahmen.
Während der gesamten Woche informiert das Ministerium die Bevölkerung praxisnah darüber, wie ein Notfallrucksack korrekt gepackt wird und welche Vorräte im Ernstfall sinnvoll sind. Um das öffentliche Bewusstsein für diese Thematik weiter zu schärfen, besichtigt Innenminister Roman Poseck (CDU) verschiedene Schulen, kommunale Einrichtungen sowie Standorte der Kritischen Infrastruktur, flankiert von einer behördenübergreifenden Kampagne in den sozialen Netzwerken.
Handel zeigt beispielhaften Notvorrat
Für diese Aufklärungswoche ist das Innenministerium eine strategische Partnerschaft mit dem Handelsverband Hessen eingegangen. In 17 Landkreisen demonstrieren 21 ausgewählte REWE-Filialen, wie ein zehntägiger Lebensmittel- und Notvorrat für eine Einzelperson gemäß den offiziellen Richtlinien des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) aussehen sollte.
Verbraucher haben in den teilnehmenden Supermärkten die Möglichkeit, Informationsmaterial kostenfrei mitzunehmen. Dazu gehören die offizielle BBK-Broschüre „Vorsorgen für Krisen und Katastrophen“ inklusive einer praktischen Checkliste sowie ein spezieller „Notfallbeutel“, der vom Innenministerium zur Verfügung gestellt wird.
Minister packt eigenen Notfallbeutel
Am heutigen Tag besuchte Heimatschutzminister Roman Poseck persönlich einen REWE-Markt im Frankfurter Stadtteil Rödelheim, um im Rahmen eines Aktionstages medienwirksam seinen eigenen Notfallbeutel zusammenzustellen.
Während seines Rundgangs durch den Markt erklärte der Minister: „Ein Staat ist nur so resilient wie seine Bürger. Selbstschutz und Selbsthilfe sind keine neuen Begriffe, sie sind in sicheren und guten Jahren aber etwas aus dem Bewusstsein gerückt. Genau hier setzt unsere Resilienzwoche an. Wir vermitteln Vorsorge dort, wo die alltäglichen Entscheidungen über Einkauf, Bevorratung und Haushaltsorganisation getroffen werden, nämlich im Supermarkt um die Ecke.“
Eigenverantwortung stärkt die Gesellschaft
Der Innenminister führte seine Gedanken im weiteren Verlauf aus: „Wer Wasser, haltbare Lebensmittel und die wichtigsten Medikamente für einige Tage im Haus hat, bleibt im Ernstfall handlungsfähig und kann Übergangszeiten überbrücken. Das ist kein Alarmismus, sondern gelebte Eigenverantwortung.“
Poseck betonte zudem die Anfälligkeit moderner Strukturen: „Moderne Lieferketten sind hochgradig optimiert. aber auch anfällig. Ein längerer Stromausfall kann Supermärkte lahmlegen, Zahlungssysteme ausfallen lassen und die Logistik empfindlich stören. Wer selbst Vorsorge betreibt, bleibt handlungsfähig.“
Wichtige Utensilien für Krisenfälle
Hinsichtlich der konkreten Ausstattung des privaten Notvorrats ergänzte der Minister: „Für mich darf in einem Notvorrat keine Taschenlampe fehlen. Mit dieser behalten wir auch bei Stromausfall den Durchblick. Wichtig sind daneben auch haltbare Lebensmittel, Wasser, ein Verbandskasten und Hygieneartikel sowie Bargeld und wichtige Dokumente. Wer vorsorgt, schützt sich selbst und trägt zur Stabilität der Gemeinschaft in Krisenzeiten bei.“
Kraftakt für den Bevölkerungsschutz
Mit Blick auf die aktuelle sicherheitspolitische und klimatische Lage erklärte Poseck weiter: „Die Herausforderungen waren in den vergangenen 40 Jahren kaum größer. Die Auswirkungen des Klimawandels und die kriegerische Auseinandersetzung in Europa zwingen uns dazu, den Bevölkerungsschutz zu modernisieren und deutlich auszubauen. Das ist ein Kraftakt von Bund, Ländern und Kommunen. Jede und jeder Einzelne zählt.“
Abschließend richtete er seinen Dank an die lokalen Akteure: „Mein herzlicher Dank gilt dem Handelsverband Hessen, dem Unternehmen REWE, dem Marktleiter Ali Alamyaar sowie den Kollegen der Branddirektion Frankfurt, die diesen Tag möglich gemacht haben. Wenn alle an einem Strang ziehen, schaffen wir Unglaubliches. Das gilt für diese Aktion genauso wie für den Bevölkerungsschutz insgesamt.“
Verlässliche Versorgung im Krisenfall
Auch der Vizepräsident des Handelsverbands Hessen, Christian Naumann, hob die Relevanz der gemeinsamen Kampagne hervor: „Wir danken der Hessischen Landesregierung für die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Der hessische Handel steht für die Versorgung der Hessinnen und Hessen, auch und gerade in Krisenzeiten, verlässlich bereit.“
Handel übernimmt lokale Verantwortung
Christian Naumann erläuterte die Rolle der Märkte weiter: „Darüber hinaus ist das lokale Engagement des Handels in den Städten und Gemeinden von besonderer Bedeutung. Unsere Märkte sind feste Bestandteile der Nachbarschaft und übernehmen Verantwortung vor Ort.
Mit Aktionen wie dieser zeigen wir, dass Handel mehr ist als nur Warenverkauf: Wir sind Partner im Bevölkerungsschutz und stärken gemeinsam die Resilienz unserer Gesellschaft.“
Vorbereitung auf großflächige Schadenslagen
Der zentrale Ansatz der Aktionswoche liegt darin, die Bevölkerung auf leicht zugängliche und alltagsnahe Weise auf unerwartete Ereignisse wie langanhaltende Stromausfälle, Extremwetter, Großbrände oder andere Schadenslagen vorzubereiten. Dabei soll das Bewusstsein gezielt vor dem Eintritt einer Katastrophe geschärft werden, um Handlungssicherheit im Alltag zu schaffen.
Die Notwendigkeit solcher Präventivmaßnahmen zeigte sich deutlich an den Herausforderungen der jüngeren Vergangenheit. Sowohl die verheerenden Sturzfluten und Überschwemmungen durch Starkregen im Juli 2021 als auch die weitreichenden Folgen der Corona-Pandemie seit 2020 machten deutlich, dass das staatliche Rettungssystem bei großflächigen Katastrophen nicht überall gleichzeitig eingreifen kann.
Wissenstransfer durch starke Partner
Aus diesem Grund sei es von elementarer Bedeutung, dass Privatpersonen über das nötige Wissen verfügen, um sich und anderen im Notfall helfen zu können, wofür ein angelegter Notvorrat essenziell ist. Die entsprechende BBK-Broschüre zur Krisenvorsorge wird vom Ministerium regelmäßig auf Großveranstaltungen wie dem Hessentag bereitgestellt.
Um nun eine noch größere Flächenwirkung zu erzielen, setzt die Landesregierung in Wiesbaden auch während der Resilienzwoche auf ein breites Netzwerk an Multiplikatoren. Die Verteilung der Informationsmaterialien erfolgt verstärkt über die unteren Katastrophenschutzbehörden, die lokalen Feuerwehren und zusätzlich über externe Partner wie den Hessischen Handelsverband.
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