Gelebte Tradition
Glanzvolle Mauritiusvesper: St. Bonifatius feiert Schutzpatron mit großem Festgottesdienst
Der Heilige Mauritius ist weit mehr als eine historische Figur aus vergangenen Zeiten, er ist eine hochaktuelle Leitfigur für das moderne Zusammenleben. Wenn die Pfarrei St. Bonifatius in Wiesbaden Ende September zu seinen Ehren die feierliche Vesper ausrichtet, erwartet die Besucher ein Ereignis, das über einen klassischen Gottesdienst hinausgeht. Ein besonderer Gast auf der Kanzel und ein normalerweise sicher verschlossener Kirchenschatz aus der Barockzeit machen den Abend zu einem außergewöhnlichen Erlebnis.
Foto: Thomas Weinert / St. Bonifatius
Die katholische Kirchengemeinde St. Bonifatius in Wiesbaden veranstaltet am Donnerstag, 24. September, um 19:00 Uhr eine besondere Andacht zu Ehren des Heiligen Mauritius. Die Leitung dieses Festgottesdienstes in der St. Bonifatiuskirche an der Luisenstraße übernimmt Pfarrer Klaus Nebel.
Für die musikalische Ausgestaltung des Abends sorgen der gemeindeeigene Chor unter der Direktion von Sven Hanagarth, die Blechbläser des Hessischen Staatstheaters sowie Kantor Dr. Johannes Schröder an der Orgel. Im Anschluss an die liturgische Feier haben alle Anwesenden die Möglichkeit, an einem Empfang im Pfarrsaal teilzunehmen. Zu diesem Anlass werden traditionell zahlreiche Repräsentanten aus Kirche, Politik, Gesellschaft und Wirtschaft erwartet.
Zeichen für gesellschaftlichen Zusammenhalt
Das Format der Mauritiusvesper existiert seit dem Jahr 2018. Ein zentrales Element dieses Projekts ist es, dass jährlich ein Vertreter einer anderen christlichen Glaubensgemeinschaft für die Predigt eingeladen wird. Ziel der beteiligten Kirchen ist es, durch die gemeinsame Feier für ein friedvolles und tolerantes Zusammenleben in der hessischen Landeshauptstadt zu beten.
Zu den Hintergründen der Veranstaltung erklärt Pfarrer Klaus Nebel: „Unser Stadtpatron war ein Mensch, der aus der Fremde kommt und uns trotzdem nicht fremd ist. Die Mauritiusvesper will bewusst ein Zeichen für ein gutes Miteinander von Einheimischen und Zugewanderten setzen.“
Historische Figur mit Aktualität
Der Gemeindepfarrer führt seinen Gedanken weiter aus: „In einer Welt, in der unterschiedliche Kulturen das Zusammenleben prägen, gleichzeitig aber auch Ausgrenzung und Ablehnung zunehmen, ist der Heilige Mauritius eine hochaktuelle Identifikationsfigur.“
Der Überlieferung zufolge stammte Mauritius ursprünglich aus Nordafrika und war im vierten Jahrhundert als Soldat für das Römische Reich tätig. Aufgrund seiner konsequenten Treue zum christlichen Glauben erlitt er den Märtyrertod. Bis in die Gegenwart fungiert der Heilige in Wiesbaden als verbindendes Element zwischen den verschiedenen Konfessionen und genießt auch in den orientalischen sowie orthodoxen Kirchen große Verehrung.
Lange Tradition in Wiesbaden
Die kultische Verehrung des Märtyrers setzte bereits ein Jahrhundert nach seinem Tod ein. Historische Aufzeichnungen belegen, dass es in Wiesbaden schon im fünften und sechsten Jahrhundert eine ihm gewidmete Altarstätte gab. Später, gegen Ende des neunten Jahrhunderts, befand sich auf dem Areal des heutigen Mauritiusplatzes eine steinerne Mauritiuskirche.
Nachdem dieses Bauwerk im Jahr 1850 durch einen Brand vollständig zerstört worden war, dauerte es bis zum 28. September 1968, ehe in der Abeggstraße ein neues, nach dem Stadtpatron benanntes katholisches Gotteshaus eingeweiht wurde.
Historische Reliquie wird gezeigt
Ein besonderer Höhepunkt der anstehenden Mauritiusvesper wird die Präsentation einer historischen Reliquie des Wiesbadener Schutzpatrons beim Gottesdienst sein. Dieses seltene Stück wird eigens für den Gottesdienst aus der Schatzkammer der St. Bonifatiuskirche geholt und den Gläubigen in einem kunstvollen, mit Edelsteinen besetzten Reliquiar aus der Barockzeit gezeigt.
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