Diskussion
SPD warnt vor Schwebebahn: Droht das Aus für das Ostfeld und das BKA?
Eine neue Schwebebahn könnte den künftigen Stadtteil an den Wiesbadener Hauptbahnhof anbinden, doch im Rathaus entbrennt darüber ein heftiger Streit. Die SPD schlägt Alarm und sieht sogar das Ostfeld und das neue Bundeskriminalamt gefährdet. Welche Hürden hinter der Idee stecken, erfahren Sie hier.
Symbolfoto: Ki-generiert Gemini
In der Wiesbadener Stadtverordnetenversammlung stand am Donnerstag, 3. September, ein verkehrs- und stadtentwicklungspolitisches Streitthema im Fokus. Auslöser war ein entsprechender Antrag der SPD-Rathausfraktion, welcher die Debatte über eine mögliche Magnetschwebebahn zwischen dem neuen Stadtteil Ostfeld und dem Hauptbahnhof auf eine sachliche Grundlage zurückführen soll. Während die Realisierung eines solchen Systems von den Koalitionspartnern CDU, FDP/ProAuto, Grüne und Volt in ihrem gemeinsamen Vertrag vorgeschlagen wird, positionieren sich die Sozialdemokraten klar dagegen.
Die Fraktion warnt eindringlich vor den Konsequenzen dieses Vorhabens: Wer die Anbindung des künftigen Wohngebiets an eine derartige Technologie knüpft, riskiert damit das gesamte Ostfeld-Projekt und gefährdet unmittelbar auch den geplanten BKA-Campus mit mehr als 5.000 Arbeitsplätzen.
Strikte Vorgaben für Ostfeld
Nach Überzeugung der SPD kann das diskutierte Transportsystem den rechtlichen und konzeptionellen Anforderungen des dringend benötigten Stadtteils nicht gerecht werden. Das Areal soll nach den Vorgaben der Regionalplanung und des Zielabweichungsbescheids weitgehend autofrei bleiben und primär über die Schiene erschlossen werden.
Zu dieser Thematik erklärte die SPD-Sprecherin für Stadtentwicklung, Planung und Sicherheit, Sabine Ludwig-Braun: „Zwar soll das Ostfeld weitgehend ohne Autoverkehr auskommen und über die Schiene erschlossen werden. Regionalplanung und Zielabweichungsbescheid verlangen das ausdrücklich. Doch zu dieser Vorgabe passt die Magnetschwebebahn nicht. Denn eine Magnetschwebebahn kann die vorhandenen Bahn- und S-Bahn-Gleise nicht nutzen und lässt sich nicht in regionale Linien einbinden.“
Kritik an Umsteigezwang
Auch der mobilitätspolitische Sprecher der SPD-Rathausfraktion, Marius Becker, übte scharfe Kritik an den Plänen und bemängelte sowohl die verkehrlichen Hürden als auch die finanzielle Tragfähigkeit. In diesem Zusammenhang führte er aus:
„Der ganze Vorschlag ist absurd! Wer aus dem Ostfeld weiterfahren will, müsste am Hauptbahnhof zwingend umsteigen, und jeder erzwungene Umstieg kostet Fahrgäste. Hinzu kommt:“
Zweifel an Technik
Becker untermauerte seine Bedenken hinsichtlich der unzureichenden technischen Reife sowie der immensen finanziellen Belastungen für die Stadt. Der SPD-Politiker betonte weiter:
„Die Technik ist nicht belastbar erprobt. Einen langjährigen Fahrgastbetrieb gibt es in Deutschland nicht, wichtige Annahmen zu Zuverlässigkeit und Kosten beruhen vor allem auf Modellrechnungen und Herstellerangaben. Die Kosten wären außerdem astronomisch.“
Gefahr für BKA-Campus
Dabei steht nach Ansicht der SPD Fraktion weit mehr auf dem Spiel als lediglich eine einzelne Bahnlinie und ein neuer Stadtteil für rund 10.000 Menschen. An der Entwicklung des Ostfelds hängt gleichermaßen der neue Standort des Bundeskriminalamts, welches zu den größten Bundesbauprojekten der kommenden Jahre zählt und über 5.000 hochwertige Arbeitsplätze nach Wiesbaden bringt.
Da sich das BKA-Großvorhaben aufgrund der Vorgaben aus der Regionalversammlung nicht aus dem Gesamtprojekt herauslösen lässt, führt eine Fehlentscheidung beim Erschließungssystem unweigerlich zu einer Gefährdung von Wohnraum und Sicherheitsbehörde gleichermaßen. Abschließend ruft die SPD-Rathausfraktion die Parteien CDU, FDP/ProAuto, Grüne und Volt dazu auf, das Projekt Schwebebahn aufzugeben und den Fokus auf realistische Anbindungsalternativen zu legen.
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