Lyrik
Himmlische Harfenklänge und kluge Köpfe: Soirée über jüdische Salons verzaubert das Wiesbadener Rathaus
Am Mittwochabend lebte diese faszinierende Epoche im Wiesbadener Rathaus wieder auf. Unter dem Titel „Die jüdischen Salons im alten Berlin – Lyrik jüdischer Frauen ab 1880“ erlebte ein voll besetzter Saal eine mitreißende literarisch-musikalische Soirée, die Kopf und Herz gleichermaßen berührte.
Foto: Helma Hoffmann
Ein intellektuelles Refugium voller Offenheit, feingeistiger Debatten und künstlerischer Freiheit: Am Mittwochabend, 2. September, verwandelte sich das Wiesbadener Rathaus in einen Salon des 19. Jahrhunderts. Unter dem Titel „Die jüdischen Salons im alten Berlin – Lyrik jüdischer Frauen ab 1880“ erlebten zahlreiche interessierte Bürgerinnen und Bürger eine tief berührende literarisch-musikalische Soirée.
Rathaus als Herzstück einer lebendigen Stadtgesellschaft
Zu Beginn der Veranstaltung hieß Wiesbadens Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende das Publikum herzlich willkommen. In seinen Begrüßungsworten unterstrich das Stadtoberhaupt mit Nachdruck die Bedeutung des Rathauses über die Verwaltungsarbeit hinaus: Es sei ihm ein persönliches Herzensanliegen, diesen zentralen Ort am Schlossplatz stets auch als lebendigen Raum der Begegnung für die gesamte vielfältige Stadtgesellschaft mit Leben zu füllen.
Nach einer einführenden Hinführung durch Herrn Landau eröffnete sich den Gästen die faszinierende Welt des bürgerlichen und intellektuellen Aufbruchs.
Freidenker unter weiblicher Regie – Von Liszt bis Lasker-Schüler
Der Referent Benjamin Krämer-Jenster nahm die Anwesenden mit auf eine eindrucksvolle Reise in die damalige Berliner Salongesellschaft. Diese Kreise waren wegweisend für ihre Zeit, da Herkunft, Status oder Konfession keine Rolle spielten: Ob Schriftsteller, Musiker, Maler, renommierte Wissenschaftler oder Philosophen – alle fanden an diesen Tischen Gehör.
Geistesgrößen wie Franz Liszt, Heinrich Heine oder der Theologe Friedrich Schleiermacher verkehrten in diesen Zirkeln. Doch die treibende, gestaltende Kraft lag in den Händen starker, emanzipierter Frauen: Allen voran Ikonen wie die Dichterin Else Lasker-Schüler, die diese intellektuellen Oasen begründeten, leiteten und zu einem unverzichtbaren Nährboden des kulturellen Austauschs und Schaffens machten.
Magische Momente an den Saiten – Bertrand verzaubert mit der Harfe
Den passenden, fast schwebenden Rahmen für die rezitierten Texte schuf die renommierte Harfenistin Anne-Sophie Bertrand. Mit wahrhaft himmlischen Klängen entführte sie den Saal in eine poetische Klangwelt. Bei feinsinnig interpretierten Stücken wie „Die Nachtigall“ und „Die Lerche“ schien der Gesang der Vögel vor dem geistigen Auge des Publikums lebendig zu werden – ein harmonischer Dialog zwischen Lyrik und Musik.
Bei anregenden Gesprächen und einem Glas feinem Wein klang der Abend im Rathaus stimmungsvoll aus. Ein inspirierendes Kulturereignis, das das reiche jüdische Kulturerbe und das Wirken prägender Frauen auf wunderbare Weise spürbar machte.
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