Bewegte Amtszeit

Abschied von der Kanzel: Kult-Pfarrer Jens Georg geht in Rente

Nach vielen Jahren voller lebendiger Gottesdienste, ungewöhnlicher Kunstprojekte und offener Gespräche legt der Seelsorger für Breckenheim und Wildsachsen vor den Toren Wiesbadens sein Amt nieder. Doch wer glaubt, dass sich der 64-Jährige nun lautlos auf das ruhige Altenteil zurückzieht, irrt gewaltig. Die Pläne für seinen neuen Lebensabschnitt halten noch einige Überraschungen bereit.

Von: |Erschienen am: 2. September 2026 17:54|

Foto: Andrea Wagenknecht / Dekanat Wiesbaden

Für den Theologen Jens Georg, der als Seelsorger für die Gemeinden Wildsachsen und Breckenheim zuständig ist, endet bald die aktive Dienstzeit. Der 64-Jährige wird am Sonntag, 18. Oktober, um 14:00 Uhr während eines Festgottesdienstes in der Evangelischen Kirche in Breckenheim feierlich aus seinem Amt entlassen.

Wenn der Geistliche auf sein Wirken in den beiden Orten schaut, beschreibt er diese Zeit oft als überaus heiter. „So habe ich die Menschen hier erlebt“, resümiert der 64-Jährige.

Lebendige und fröhliche Gemeindezeit

Ob beim Konfirmandenunterricht, den Angeboten für den Nachwuchs, in den Gremien oder bei diversen Feierlichkeiten, stets sei eine lebhafte Stimmung spürbar gewesen. Zu den Höhepunkten zählten Zusammenkünfte am Pfingstborn, der Start in die Motorrad-Saison sowie das 300-jährige Jubiläum des Breckenheimer Gotteshauses.

Der Geistliche zieht ein durchweg positives Fazit seiner hiesigen Amtszeit. „Es hat einfach gepasst mit den beiden Kirchengemeinden und mir. Ich bin hier auf offene Herzen gestoßen“, erklärt der scheidende Pfarrer.

Innovative Formate etabliert

Diese Aufgeschlossenheit spiegelte sich ebenso in den Methoden des Theologen wider. Formate wie Poetry-Slams auf der Kanzel, der Bibliolog oder unkonventionelle Themenabende prägten sein Verständnis von moderner Gemeindearbeit. Auch ein Event namens „EscapeChurch“ ist für den 12. und 13. September in Wildsachsen geplant, wofür Voranmeldungen erforderlich sind.

Kurz vor seinem Abschied organisiert er zudem am 13. September um 10:00 Uhr in Breckenheim eine besondere Zusammenkunft unter dem Titel „Heilende Hände“. Dabei wird er sich öffentlich mit einer Osteopathin austauschen.

Leidenschaft für die Kunst

Begonnen hat der Lebensweg des Pfarrers in Hanau-Steinheim. Danach führte ihn seine Laufbahn in die landeskirchliche Institution für „Kunst und Kirche“, wo er Gemeinden beriet, Kooperationen mit Museen initiierte und beim Evangelischen Kirchentag 2001 mitwirkte.

Diese Verknüpfung von spirituellen Themen, Gesellschaft und künstlerischem Ausdruck blieb auch bei seiner späteren Station an der Kreuzkirche in Wiesbaden zentral. Künstlerisches Schaffen betrachtete er nie als bloße Dekoration, sondern als ein eigenständiges Medium, das alternative Wege zur Religion aufzeigt.

Zuhören als zentrale Aufgabe

Ein besonderes Merkmal des Theologen war stets seine Kreativität, die sich unter anderem vor einigen Jahren in dem Studienprojekt „Rent-A-Pastor“ zeigte. Interessierte konnten den Pfarrer für private Unterhaltungen zu sich nach Hause einladen.

Die Resonanz auf dieses Angebot war groß. Dabei lag sein Fokus vor allem auf dem aktiven Zuhören, um herauszufinden, was die Bürger bewegt, was sie sich von der Institution erhoffen oder was sie an ihr stört, Themen, die ihn weiterhin beschäftigen.

Neue Wege der Verkündigung

Auch bei unkonventionellen Aktionen wie dem Hochzeits-Event „Einfach heiraten“ im Kloster Eberbach engagierte sich der Seelsorger und gab zahlreichen Paaren seinen Segen. Er vertritt die feste Überzeugung, dass Glaubensgemeinschaften immer wieder frische Ansätze brauchen, um die Gesellschaft zu erreichen.

Um diese Haltung zu verdeutlichen, sagt Georg: „Ich hänge nicht an der klassischen Liturgie.“

Worte, die tief berühren

Der Theologe betonte weiter: „Im Gegenteil: Ich finde es wichtig, Worte zu finden, die bei den Menschen ankommen, die sie berühren, in Gebeten, in Texten, in Liedern und im Segen.“

Die Möglichkeit, Gläubige bei emotionalen Ereignissen wie Taufen, Hochzeiten oder Trauerfeiern intensiv zu begleiten, empfand er stets als Privileg. „Die Menschen öffnen mir eine Herzenstür in ihr Leben. Das ist wunderbar.“

Stationen im Rhein-Main-Gebiet

Seine eigene Biografie begann im mittelhessischen Gladenbach. Die dortige Jugendarbeit sowie der lokale Pfarrer inspirierten ihn früh für das Theologiestudium, das ihn schließlich ins Rhein-Main-Gebiet führte. Ab dem Jahr 2003 wirkte er fast ein Jahrzehnt lang an der Wiesbadener Kreuzkirche, bevor er für zwei Jahre den Hessentag kirchlich mitgestaltete.

Über die Kirchengemeinde Mombach in Mainz fand er 2019 schließlich seinen Weg nach Wiesbaden-Breckenheim und übernahm bald darauf auch die Zuständigkeit für Wildsachsen. In diesen Vororten traf er auf eine offene Glaubenspraxis. „Die Menschen nehmen andere in den Blick, und der Sinn des Lebens erschöpfe sich hier nicht im Konsumieren und im Um-sich-selbst-Drehen“, reflektiert Georg.

Tatkräftige Hilfe für Geflüchtete

Diese Hilfsbereitschaft zeigte sich ganz praktisch im Jahr 2022, als einer geflohenen Familie aus der Ukraine das Erdgeschoss des Gemeindehauses als Wohnraum zur Verfügung gestellt wurde. „Da haben die Menschen in der Kirchengemeinde sofort mit angepackt.“

Nun steht der Seelsorger vor einem neuen Kapitel. Der 64-Jährige sprüht weiterhin vor Ideen und liebt den zwischenmenschlichen Kontakt, sodass er dem kirchlichen Umfeld in bislang noch unbekannter Funktion treu bleiben wird.

Alle Termine im Überblick

Der Dialoggottesdienst „Heilende Hände“ mit Osteopathin Rebecca Neubert findet am Sonntag, dem 13. September, um 10:00 Uhr in der Evangelischen Kirche Wiesbaden-Breckenheim statt. An demselben Wochenende, am 12. und 13. September, läuft das Event „EscapeChurch“ in Wildsachsen.

Die feierliche Entlassung aus dem Dienst erfolgt für Pfarrer Jens Georg  am Sonntag, 18. Oktober. Der Abschiedsgottesdienst beginnt um 14:00 Uhr in der Evangelischen Kirche in Breckenheim.

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