Verkehrswende

Lob oder Frust am Lenker? Fahrrad-Club startet große Online-Bewertung

Ob auf dem Weg zur Arbeit, zur Schule oder in der Freizeit, das Zweirad gehört für viele zur täglichen Mobilität in Wiesbaden. Doch wie sicher, komfortabel und übersichtlich ist das Wegenetz vor Ort wirklich? Eine groß angelegte Befragung ruft nun alle Bürger auf, die lokalen Gegebenheiten zu bewerten. Erstmals stehen dabei auch die Jüngsten im Mittelpunkt. Welche konkreten Aktionen geplant sind, warum jede Stimme für die zukünftige Straßenplanung zählt und bis wann das Portal geöffnet ist, erfahren Sie im Bericht.

Von: |Erschienen am: 1. September 2026 23:14|

Foto: ADFC

Ab sofort ist die Meinung der Radfahrenden in Wiesbaden gefragt: Am Dienstag, 1. September, beginnt bundesweit der ADFC-Fahrradklima-Test (FKT) 2026. Bis zum 30. November haben Bürger die Gelegenheit, die lokale Fahrradfreundlichkeit in ihrer Stadt detailliert zu bewerten.

Im Fokus der Umfrage stehen unter anderem die Beschaffenheit der Radwege sowie die generellen Bemühungen der Stadtverwaltung zur Förderung des Radverkehrs. Zudem wird erhoben, ob das Fahren im Stadtgebiet eher Freude bereitet oder mit Stress verbunden ist.

 Jugend rückt in Fokus

Eine wesentliche Neuerung in diesem Jahr ist die Einführung einer separaten Befragung, die sich speziell an Kinder und Jugendliche richtet. Das abschließende bundesweite Ranking der fahrradfreundlichsten Kommunen sowie sämtliche Detailergebnisse sollen im Frühjahr 2027 veröffentlicht werden.

Zum Hintergrund der Aktion äußerte sich Frank Masurat, der Bundesvorsitzende des ADFC: „Radfahren hält fit, ist kostengünstig und gut für das Klima und Spaß macht es obendrein. Viele Städte und Gemeinden bauen deswegen Radwege und Fahrradparkhäuser. Doch die Bedingungen unterscheiden sich von Ort zu Ort erheblich.“

Bedingungen vor Ort

Der Bundesvorsitzende erklärte weiter: „Genau darum geht es bei der Befragung zum 12. ADFC-Fahrradklima-Test. Wie hat sich die Fahrradfreundlichkeit vor Ort entwickelt und wo muss noch nachgebessert werden? Die Ergebnisse der Befragung helfen dabei, die Bedingungen für Radfahrerinnen und Radfahrer zu verbessern.“

Die Umfrage ermöglicht es somit, die bundesweite Infrastruktur einem detaillierten Realitätscheck zu unterziehen und konkrete Handlungsempfehlungen für die jeweilige Lokalpolitik abzuleiten.

Wiesbadens Radwege im Blick

Auf die spezifische Situation in der Landeshauptstadt ging Michéle Fleckenstein, Vorstandsmitglied des ADFC Wiesbaden/Rheingau-Taunus, ein: „Wer regelmäßig mit dem Fahrrad in Wiesbaden unterwegs ist, kennt die neuen Fahrradstraßen Mosbacher Straße, Lessingstraße oder brandneu in der Rüdesheimer Straße, aber auch, wo die Situation wie direkt am Hauptbahnhof oder durch die vielen Baustellen unübersichtlich ist.“

Der lokale ADFC möchte diese täglichen Erlebnisse im Straßenverkehr nun systematisch erfassen und auswerten.

 Aufruf zur Teilnahme

Das Vorstandsmitglied führte dazu weiter aus: „Diese Erfahrungen wollen wir mit dem ADFC-Fahrradklima-Test sichtbar machen. Die Ergebnisse zeigen uns und den politisch Verantwortlichen, wo Wiesbaden beim Radverkehr wirklich steht und in welchen Bereichen noch Handlungsbedarf besteht. Deshalb rufen wir alle Radfahrerinnen und Radfahrer dazu auf, mitzumachen.“

In diesem Durchgang legt der Interessenverband, in dem etwa 1 Prozent der Menschen organisiert sind, die in Deutschland zumindest gelegentlich Fahrrad fahren, erstmals ein besonderes Augenmerk auf die jüngere Generation, die für eigenständige Wege zur Schule, zum Sport oder in der Freizeit auf eine absolut verkehrssichere Umgebung angewiesen ist.

Sicherheit für den Nachwuchs

Zur Verkehrssituation der Jugend in der Landeshauptstadt erklärte Fleckenstein: „Das Angebot für sichere und erfahrene Radfahrende hat sich in Wiesbaden in den letzten Jahren stark verbessert und viele Unternehmen haben eigene Mobilitätsprogramme. Kinder und Jugendliche steigen in Wiesbaden selten aufs Rad, denn sichere Verbindungen, die auch alleine bewältigt werden können, sowie sichere Abstellanlagen fehlen noch zu oft.“

Um auf die Bedürfnisse der Jüngeren zusätzlich aufmerksam zu machen, organisiert der ADFC Wiesbaden für Sonntag, den 20. September, einen speziellen Kinder-Fahrrad-Korso, die sogenannte Kidical Mass.

Konkrete Antworten erhofft

Zu den besonderen Anforderungen der Jüngsten merkte die Sprecherin weiter an: „Kinder und Jugendliche erleben den Straßenverkehr anders als Erwachsene. Ihre Antworten können sehr konkret zeigen, ob junge Menschen in Wiesbaden gerne Rad fahren und was sich ändern muss, damit sie sicher und selbstständig unterwegs sein können“

Die Online-Umfrage selbst umfasst insgesamt 27 Fragen und nimmt etwa zehn Minuten Zeit in Anspruch. Themen wie das persönliche Sicherheitsempfinden, die Breite und der Zustand der Wege sowie die generelle Nutzungshäufigkeit des Fahrrads stehen dabei im Zentrum des Interesses.

Ablauf der Befragung

Interessenten können bis zum 30. November 2026 unter der Adresse fkt.adfc.de/befragung an der zwölften Auflage dieses Tests teilnehmen. Der ADFC Wiesbaden bittet darum, den Aufruf auch im privaten Umfeld, in Vereinen und am Arbeitsplatz zu teilen, da eine hohe Teilnehmerzahl die Aussagekraft der Ergebnisse maßgeblich stärkt. Bei der vorangegangenen Erhebung beteiligten sich deutschlandweit rund 213.000 Menschen.

Das Konzept des Fahrradklima-Tests 2026 fußt auf drei separaten Befragungssäulen: Neben den Erwachsenen und der neuen Jugend-Kategorie werden beim sogenannten FKT-Kommunen auch die Verwaltungen der Städte und Gemeinden um Auskunft gebeten, welche Fördermaßnahmen sie bereits konkret umsetzen.

Test aus drei Perspektiven

Durch diesen umfassenden Dreiklang soll ein realistisches Bild der lokalen Situation in Wiesbaden entstehen. Finanziell unterstützt wird das Großprojekt vom Bundesministerium für Verkehr (BMV) durch Gelder zur Realisierung des Nationalen Radverkehrsplans (NRVP).

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) agiert mit rund 240.000 Mitgliedern, bei etwa 39 Millionen Fahrradfahrern in Deutschland, als weltweit größte Interessenvertretung für Radfahrer.

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