Neue Namen

Historischer Schnitt: Wiesbaden benennt sechs Straßen um – Alt-OB Hans-Joachim Jentsch in Bierstadt geehrt

In Wiesbaden tragen mehrere Straßen künftig neue Namen. In Bierstadt wurde am Montag die bisherige Heinrich-Pette-Straße offiziell in Hans-Joachim-Jentsch-Straße umbenannt. Hintergrund ist die Aufarbeitung der Biografien historischer Namensgeber und ihrer möglichen Verstrickungen in nationalsozialistisches Unrecht. Stadt übernimmt Kosten für Anwohner.

Von: |Erschienen am: 31. August 2026 12:32|

Fotos: Stadt Wiesbaden

Ein sichtbares und geschichtsträchtiges Zeichen für Demokratie, Erinnerungskultur und Rechtsstaatlichkeit. Seit Montag, 31. August, vollzieht die Landeshauptstadt Wiesbaden den offiziellen Austausch belasteter Straßennamen im Stadtgebiet. Den Auftakt machte der Stadtteil Bierstadt: Dort enthüllte Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende gemeinsam mit dem Ortsbeirat und im Beisein von Dr. Doris Jentsch, der Witwe des 2021 verstorbenen Wiesbadener Alt-Oberbürgermeisters und Ehrenbürgers, feierlich das neue Straßenschild der Hans-Joachim-Jentsch-Straße (zuvor Heinrich-Pette-Straße).

Ein Zeichen für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit“

Wiesbadens Oberbürgermeister  Mende (SPD) hob die Bedeutung der Ehrung hervor: „Mit der Umbenennung in Hans-Joachim-Jentsch-Straße setzen wir ein Zeichen für eine Stadt, die bewusst Menschen ehrt, die für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit stehen. Hans-Joachim Jentsch war ein herausragender Jurist, Wiesbadener Oberbürgermeister und Ehrenbürger, dessen Wirken uns auch heute noch Vorbild sein kann.“

Der promovierte Jurist und CDU-Politiker Prof. Dr. Hans-Joachim Jentsch (1937–2021) prägte über Jahrzehnte die deutsche und hessische Politik: Er war Bundestagsabgeordneter (1976–1982), Wiesbadener Oberbürgermeister (1982–1985), Mitglied des Hessischen Landtages (1987–1990), nach der Wiedervereinigung thüringischer Justizminister (1990–1994) sowie Richter am Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe (1996–2005). Für seine Verdienste wurde er unter anderem mit dem Großen Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband ausgezeichnet.

Sechs Umbenennungen und zwei Umwidmungen im Stadtgebiet

Nach Abschluss der formellen Verfahren werden am 31. August und 1. September im gesamten Stadtgebiet die neuen Schilder montiert.

Die sechs Straßenumbenennungen im Überblick:

  • Hafenstraße (Schierstein) – bislang Christian-Bücher-Straße

  • Anna-von-Doemming-Straße (Bierstadt) – bislang Gerhardt-Katsch-Straße

  • Hans-Joachim-Jentsch-Straße (Bierstadt) – bislang Heinrich-Pette-Straße

  • Am Hof Geisberg (Nordost) – bislang Jonas-Schmidt-Straße

  • Elisabeth-Schwarzhaupt-Straße (Südost) – bislang Elmendorffstraße

  • Eva-Hesse-Straße (Südost) – bislang Viktoria-Luise-Straße

Zwei Straßen behalten ihren Namen, erhalten jedoch eine neue historische Zuordnung (Umwidmung):

  • Kronprinzenstraße (Mitte): Steht künftig allgemein für die Institution und das Amt des Kronprinzen, nicht mehr für Kronprinz Wilhelm von Preußen.

  • Overbeckstraße (Südost): Bezieht sich nun auf den bedeutenden Maler Johann Friedrich Overbeck (1789–1869) und distanziert sich damit von Friedrich Theodor Overbeck (1897–1972), dem einstigen Leiter der NS-Propaganda in Wiesbaden.

Service für Anwohner – Stadt übernimmt Kosten für Adressaufkleber

Die Anwohnerinnen und Anwohner der betroffenen Straßenzüge wurden vorab schriftlich informiert. Um den bürokratischen Aufwand so gering wie möglich zu halten, versendet das städtische Bürgerbüro kostenfrei passende Adressaufkleber für Personalausweise und Fahrzeugscheine, die anfallenden Kosten übernimmt die Stadt Wiesbaden vollständig.

Hintergrund – Aufarbeitung durch Historische Fachkommission

Die Umbenennungen sind das Ergebnis eines fundierten, mehrjährigen Aufarbeitungsprozesses. Im Dezember 2020 hatte das Stadtparlament die Einsetzung einer Historischen Fachkommission beschlossen. Zwischen 2021 und 2023 untersuchten Fachwissenschaftler, Politik und Verwaltung 71 Biografien von Namensgebern auf Verstrickungen in nationalsozialistisches Unrecht. Für 18 Personen empfahl die Kommission Umbenennungen oder Umwidmungen, denen die Ortsbeiräte in zwölf Fällen folgten (die übrigen Fälle erhielten eine Kontextualisierung vor Ort).

Die Gesamtergebnisse und Biografien wurden vom Stadtarchiv im digitalen Wiesbadener Stadtlexikon sowie in einer interaktiven Kartenanwendung aufbereitet. Ausführliche Informationen sind online unter www.wiesbaden.de/kultur/stadtgeschichte/strassennamen abrufbar.

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InfoBox

Die Fakten zu den Straßenumbenennungen im Überblick:

  • Inkrafttreten: Montag, 31. August 2026 (Montage der neuen Schilder am 31. August und 1. September)

  • Auftakt: Enthüllung des Schildes Hans-Joachim-Jentsch-Straße in Bierstadt durch OB Gert-Uwe Mende und Dr. Doris Jentsch

  • Umfang: 6 Straßenumbenennungen, 2 Umwidmungen (Kronprinzenstraße, Overbeckstraße)

  • Betroffene Stadtteile: Bierstadt, Schierstein, Nordost, Südost, Mitte

  • Bürgerservice: Kostenlose Adressaufkleber für Ausweise/Fahrzeugscheine über das Bürgerbüro

  • Basis: Beschluss der Historischen Fachkommission (Untersuchung von 71 Biografien bzgl. NS-Verstrickungen)