Dokumentarfilm
Vom „Pussy Cat“ zum Museen-Star: Lebensgeschichte von Frank Brabant im Caligari
Einst betrieb er die wohl legendärste Diskothek der Stadt, heute hängen an seinen Wänden kostbare Meisterwerke bis dicht unter die Decke. Der Wiesbadener Frank Brabant hat über Jahrzehnte hinweg mit spitzem Gespür eine einzigartige Kunstsammlung aufgebaut, die mittlerweile durch die renommiertesten Museen tourt. Welches besondere Detail dabei ausgerechnet ein Teddybär spielt und warum er sein Erbe auf ganz spezielle Weise aufteilt, wird bei der exklusiven Matinee-Premiere im Caligari enthüllt.
Fotos: Harald Kuntze
Die Reihe „Wiesbadener Geschichte(n)“ wird um ein weiteres Porträt ergänzt: Am Sonntag, 6. September, um 11:00 Uhr feiert die Dokumentation „Frank Brabant – Kunstsammler aus Leidenschaft“ ihre Matinee-Premiere in der Filmbühne Caligari. Der Streifen widmet sich dem bewegten Leben einer vielschichtigen Persönlichkeit der Landeshauptstadt.
Ob als ehemaliger Betreiber des legendären Nachtclubs „Pussy Cat“, der selbst Jahrzehnte nach seiner Schließung unvergessen bleibt, oder als leidenschaftlicher Kunstmäzen, Frank Brabant hat Spuren hinterlassen. Die Werke seiner Privatsammlung sind heute regelmäßig auf Tournee und in wechselnden Ausstellungen renommierter deutscher Museen zu sehen.
Vom DDR-Museumsbesucher zum Kunstsammler
Schon in seiner frühen Kindheit im gebürtigen Schwerin entwickelte Brabant ein reges Interesse an der Kunst und besuchte regelmäßig das dortige Museum. Inzwischen hängen an den Wänden seiner Wiesbadener Wohnung so viele Gemälde, dass selbst in Räumen wie Küche und Badezimmer keine freien Flächen mehr zu finden sind.
In geselliger Runde beim Kaffee mit Freunden blickt der Protagonist im Film auf seine Vergangenheit in der DDR zurück und schildert die Gründe für seinen Umzug in den Westen. Seine Sammelleidenschaft begann in den frühen 1960er-Jahren als angestellter Versicherungskaufmann: In der Galerie von Hanna Bekker vom Rath erwarb er sein erstes Objekt, einen Holzstich von Max Pechstein, dessen Kaufsumme er schrittweise in Raten abbezahlte.
Vom Nachtleben zur Kunstförderung
Kurze Zeit später gab Brabant seinen erlernten Beruf in der Versicherungsbranche auf. In den 1960er-Jahren gründete er die Homosexuellen-Diskothek „Pussy Cat“, die mit einer Ausnahmegenehmigung bis 4:00 Uhr morgens öffnen durfte und rasch zu einem beliebten Treffpunkt für Prominente und Nachtschwärmer wurde.
Die Einnahmen aus dem Gastronomiebetrieb investierte er gezielt auf Kunstauktionen. Dabei konzentrierte sich Brabant abseits des damaligen Hauptstroms auf Werke des Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit. Viele der von ihm damals entdeckten Künstlerinnen und Künstler erfreuen sich heute großer Nachfrage, weshalb er als Leihgeber von Museen im In- und Ausland geschätzt wird.
Nachlass für Wiesbaden und Schwerin
Seit mittlerweile sechs Jahrzehnten baut Brabant seine Sammlung kontinuierlich aus und stellt seine Exponate bereitwillig für Ausstellungen zur Verfügung. Für die Zeit nach seinem Ableben hat er verfügt, dass seine Kunstsammlung an die Museen seiner beiden Heimatstädte Schwerin und Wiesbaden übergeht.
Welche Wendungen zu dieser Nachlassregelung führten und welche Bedeutung dabei ein Teddybär, ein großformatiges Gemälde von Alexej von Jawlensky sowie das Museum Wiesbaden einnehmen, beleuchtet das Filmporträt. Mit Blick auf das Sammeln formuliert Frank Brabant seine grundlegende Haltung: „Kinder! Ihr habt die Bilder nicht gemalt, ihr habt sie nur gesammelt“.
Filmgespräch
Die Dokumentation weist eine Laufzeit von 55 Minuten auf. Im Anschluss an die Filmpremiere in derWiesbadener Caligari FilmBühne findet ein moderiertes Gespräch statt.
Uwe Stellberger vom städtischen Referat Film und Medien übernimmt die Moderation der Podiumsrunde. Als Gesprächspartner stehen neben dem Protagonisten Frank Brabant auch der Filmemacher Harald Kuntze sowie das anwesende Publikum zur Verfügung.
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