Bildungsinfrastruktur

Mega-Container auf Lassalleplatz: Dotzheimer Anwohner laufen Sturm

Für eine anstehende Schulsanierung sucht die Stadt händeringend nach Ausweichflächen und traf an einem zentralen Treffpunkt im Wiesbadener Stadtteil Dotzheim eine umstrittene Wahl. Dort sehen sich Nachbarn, Kirchen und Vereine nun mit einem gewaltigen Bauprojekt direkt vor ihren Fenstern konfrontiert. Warum sich vor Ort eine breite Front zusammengeschlossen hat und welche Ausweichorte die Betroffenen stattdessen fordern, sorgt kurz vor der entscheidenden Sitzung für ordentlich Zündstoff.

Von: |Erschienen am: 25. August 2026 00:42|

Archivfoto

In Wiesbaden-Dotzheim formiert sich Protest gegen Pläne der Stadtverwaltung. Für die anstehende Grundsanierung der Grundschule im Schelmengraben beabsichtigen Schul- und Hochbauamt, auf dem Lassalleplatz eine mehrgeschossige Interimsschule zu errichten. Die geplante Modulanlage soll aus etwa 80 bis 90 Containern bestehen und rund 400 Schulkindern als Ausweichquartier dienen.

Die Standortwahl sorgt bei den Anwohnern für Unmut, da sie erst durch beobachtete Erkundungsarbeiten auf dem zentralen Platz von dem Vorhaben erfuhren. Bei einem spontanen Treffen am vergangenen Samstag schlossen sich knapp 40 betroffene Nachbarn sowie Vertretungen der angrenzenden Overflow Kirche und der vor der Reaktivierung stehenden katholischen Kirche St. Josef zu einem Bündnis zusammen, um das Vorhaben gemeinsam abzuwehren.

Bündnis übergibt Forderungskatalog

Die Initiative bewertet das Projekt als Fehlplanung mit gravierenden Folgen für das gesellschaftliche, sportliche und kirchliche Zusammenleben im Stadtteil. Um ihren Bedenken Nachdruck zu verleihen, verabschiedeten die Beteiligten den sogenannten „Fragen- und Forderungskatalog der Anwohnerinitiative Lassalleplatz“.

Das Schreiben wurde umgehend an das Schulamt, das Hochbauamt der Landeshauptstadt Wiesbaden sowie die Ortsverwaltung Dotzheim zugestellt. Darin führt die Bürgerinitiative eine Reihe von Kritikpunkten auf, die aus ihrer Sicht gegen die Standortentscheidung am Lassalleplatz sprechen.

Sorge vor Kosten, Baumfällungen und Parkdruck

Ein zentraler Argumentationspunkt der Initiative betrifft die wirtschaftliche Seite des Bauvorhabens. Wegen der Hanglage des Geländes seien aufwendige und kostenintensive Erdarbeiten erforderlich. Zudem müssten erst im vergangenen Jahr aufgestellte E-Ladesäulen wieder entfernt und rund 40 Jahre alte Bäume gefällt werden.

Darüber hinaus befürchten die Engagierten erhebliche infrastrukturelle Beeinträchtigungen. Der Wegfall des Platzes behindere Großveranstaltungen der Kirchengemeinden sowie den Hallensport der lokalen Vereine. Gleichzeitig drohe eine Verlagerung des Parksuchverkehrs in eng bebaute Nebenstraßen wie die Karl-Arnold-Straße und die Josefstraße.

Einschränkungen der Lebensqualität

Auch die unmittelbaren Auswirkungen auf das Wohnumfeld stehen in der Kritik. Den Anwohnenden drohen durch die mehrstöckigen Containerwände Schattenwurf direkt vor den Wohnungsfenstern sowie Lärmbelästigungen durch den Betrieb von Container-Klimaanlagen während der Sommermonate.

Alternativvorschläg

Als Konsequenz fordert die Anwohnerinitiative die Stadtverwaltung auf, unverzüglich flachere, städtische Ausweichflächen zu überprüfen. Als mögliche Optionen nennt das Bündnis unter anderem den Parkplatz der örtlichen Sportanlage oder das Areal am Friedrich-Engels-Weg.

Aktionen vor der Ortsbeiratssitzung

Das Anliegen wird voraussichtlich am Mittwoch, 16. September 2026, Gegenstand der politischen Debatte sein, wenn der Ortsbeirat Dotzheim tagt und Vertreter der städtischen Wiesbadener Ämter Stellung beziehen müssen. Die Bürgernnitiative kündigte an, die Sitzung geschlossen zu besuchen und die bis dahin gesammelten Unterschriften zu überreichen.

Zuvor plant die Gruppierung, am Dienstag, 1. September 2026, im Rahmen der „VorOrt – Tour Dotzheim“ des Wiesbadener Kuriers auf den Fragen- und Forderungskatalog zur Schulsanierung und den Containern auf  dem Lassalleplatz aufmerksam zu machen und weitere Unterstützung in der Bevölkerung zu werben.

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