Politische Bildung

Prominenter Besuch in Oranienschule: Doppel-Jubiläum im Zeichen der Demokratie

An genau dem Ort, an dem 1946 die Grundlagen für das heutige Hessen gelegt wurden, herrschte zum Schuljahresauftakt Ausnahmezustand. Mit landesprominenter Unterstützung widmeten sich Jugendliche der Oranienschule in Wiesbaden ihren eigenen Grundwerten und der Geschichte des Bundeslandes. Welcher besondere Bogen dabei geschlagen wurde und warum ein Theaterstück für Beifall sorgte, erfahren Sie im Bericht.

Von: |Erschienen am: 10. August 2026 18:24|

Fotos: Hessischer Landtag

Zum Beginn des neuen Schuljahres kamen der Hessische Landtag, die Hessische Landeszentrale für politische Bildung und die Wiesbadener Oranienschule zusammen, um zwei Verfassungsjubiläen feierlich zu begehen. Anlass gaben das 80-jährige Bestehen der hessischen Landesverfassung sowie das zehnjährige Bestehen der schuleigenen Verfassung.

Letztere war in einem gemeinschaftlichen Projekt von der Schülerschaft, der Elternschaft und dem Lehrkollegium ausgearbeitet worden. Die Festveranstaltung stand unter dem Leitgedanken „80 Jahre Hessen – Lebendige Verfassung“.

Wiege der Hessen-Verfassung

Das Gymnasium in der Oranienstraße verbindet dabei eine historische Besonderheit mit dem Jubiläum des Bundeslandes: Im Juli 1946 trat im Gebäude dieser Schule die Verfassungberatende Landesversammlung von Groß-Hessen zu ihrer ersten Sitzung zusammen und legte damit den Grundstein für das heutige Statut des Landes.

In den Jahren 2014 bis 2016 bildeten dieselben Räumlichkeiten die Wirkungsstätte für die Ausarbeitung des schuleigenen Regelwerks.

Würdigung durch die Landtagspräsidentin

Landtagspräsidentin Astrid Wallmann (CDU) hob den vorbildhaften Charakter des Schulprojekts während der Feierlichkeiten hervor: „Dass die Oranienschule ihren Schulalltag seit nunmehr zehn Jahren auf den Grundpfeilern einer Verfassung lebt, ist etwas ganz Besonderes und macht deutlich, dass demokratische Werte nicht bloß Worte auf dem Papier sind, sondern zu einem lebendigen, respektvollen Miteinander beitragen.“

Werte und Verantwortung im Schulalltag

Für Schulleiter Timo Schweigert stellt das schuleigene Regelwerk ein zentrales Element im Alltag dar: „Unsere Schulverfassung ist weit mehr als eine Sammlung von Regeln. Sie beschreibt die Werte, auf denen unser Miteinander beruht. Die Verfassung macht deutlich, welche Rechte und welche Verantwortung alle Mitglieder unserer Schulgemeinschaft tragen. So wird Demokratie im Schulalltag konkret erlebbar.“

Der Schulleiter führte bezüglich der verbindenden Wirkung des gemeinsamen Entwicklungsprozesses weiter aus: „Sie schafft Orientierung, stärkt das Verantwortungsbewusstsein und fördert eine Kultur des Respekts und der Partizipation.“

Brücke zwischen Landes- und Schulgeschichte

Im Zuge der Feierlichkeiten gestalteten die Jugendlichen eine Präsentation, welche die Verbindung zwischen der Verfassung des Landes und dem Regelwerk der Schule aufzeigte. Landtagspräsidentin Astrid Wallmann und der hessische Bildungsminister Armin Schwarz (CDU) nutzten einen Rundgang, um sich von den Vorstellungen der Schülerinnen und Schüler zu überzeugen.

Die Parlamentspräsidentin erklärte dazu: „Die Ausstellung zeigt, wie wichtig und wertvoll es ist, dass junge Menschen sich mit dem Fundament unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung auseinandersetzen. Für die Zukunft unserer Demokratie ist es zentral, dass wir uns immer wieder neu den Wert der Verfassung vergegenwärtigen und darüber nachzudenken, auf welche Weise wir die darin verankerten Werte lebendig halten können.“

Bedeutung der Demokratiebildung

Auch Bildungsminister Armin Schwarz unterstrich die Relevanz derartiger Schulinitiativen: „Schulen sind zentrale Orte demokratischer Bildung. Kinder und Jugendliche erleben Gemeinschaft als Miteinander durch Mitbestimmung oder durch respektvolle Diskussionen.

Projekte wie diese an der Oranienschule befähigen Schülerinnen und Schüler, Informationen kritisch einzuordnen, unterschiedliche Perspektiven zu verstehen und sich selbst fundierte Meinung zu bilden, um sich aktiv und reflektiert in die demokratische Gesellschaft einbringen zu können.“

 Fortentwicklung der Landesverfassung

Im Anschluss diskutierten Astrid Wallmann, Armin Schwarz sowie Franziska Kiermeier, Direktorin der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung, im Rahmen einer Podiumsrunde über die historische Tragweite des hessischen Grundgesetzes. Zudem stand die Frage im Mittelpunkt, wie die älteste weiterhin in Kraft stehende Landesverfassung der Bundesrepublik im gesellschaftlichen Bewusstsein verankert bleiben kann.

HLZ-Direktorin Kiermeier führte aus: „Die hessische Verfassung ist ein lebendiges Zeugnis des Entstehungsprozesses der jungen Demokratie vor 80 Jahren – ein Lichtblick, an den wir viel stärker erinnern sollten. Aus Sicht der politischen Bildung folgt daraus die Aufgabe, mit unseren Angeboten und Formaten die Geschichte, den Stellenwert und die Aktualität unserer Landesverfassung noch breiter bekannt zu machen, und zwar dort, wo sie hingehört: bei den Hessinnen und Hessen.“

Geschichtlicher Ausklang auf der Bühne

Den Schlusspunkt der Jubiläumsveranstaltung zur Landesverfassung in der Wiesbadener Oranienschule bildete eine Aufführung des Schauspielers Tino Leo. Mit seinem speziell für das Landesjubiläum verfassten Theaterstück „FINDING HESSEN – Die kürzeste hessische Geschichte aller Zeiten“ verkörperte er mehr als zwei Dutzend verschiedene Rollen und veranschaulichte auf diese Weise die Historie des Bundeslandes.

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